Wie jedes Jahr war nun wieder die Zeit gekommen den alljährlichen Festtagskarpfen vom Fischer zu holen. Das Versprechen meiner Katrin blieb diesmal jedoch aus. Wir zwei wollten jedes Jahr den Karpfen mit dem Rad holen. In diesem Jahr hatte sie wohl Bedenken gegenüber der zugeschneiten Wege und wie Recht sie hatte. Ich zog also am Vormittag (gegen 12.00 !!!) los, um unsere Festtagsnahrung zu jagen oder besser nur zu sammeln. Jagen werden andere vor Ort. Ersteinmal musste ich auf der Straße fahren. Hier war es zwar etwas unsicher aber man konnte hier besser fahren als auf den ungeräumten Bürgersteigen. Ich kam dann ganz gut bis zum "Rad- und Wanderweg", welcher mich nach Hütten führen sollte. Normalerweise führt dieser Weg schnurgerade an der Wohnbebauung vorbei. Der begehbare Teil dieses 2,50 Meter breiten Radweges verlief in einer prächtigen Schlangenlinie und war nur noch 30 bis 50 cm breit. Mit großer Mühe kämpfte ich mich diese Huckelpiste entlang und hoffte auf ein schnelles Ende. Doch es kam schlimmer: Der Weg war zu Ende. Nur ein paar Fußspuren zeugten von den Versuchen hier hindurch zu kommen. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Plötzlich sah ich über diese Schneewehen jemanden mit seinen Langlaufski. Sagen wir mal es war mehr ein Versuch dort zu fahren. Also entschloss ich mich kurzum den Acker zu benutzen. Hier fuhr ich auf jeden Fall besser. Der Schnee lag hier zwar auch sehr hoch, jedoch gab es hier keine Verwehungen. Ich musste natürlich auch hier in einem von Menschenfuß geschaffenen Pfad entlang schleichen. Ich hatte es aber irgendwann geschafft auf den Hauptweg zum Bauerngehöfft zu kommen. Dieser tolle Bauer hatte hier eine Winterstraße geschaffen wie man sie sich als Autofahrer wünscht. Kein Salz, kein Matsch aber dennoch breit und super zum fahren. Hier konnte ich dann auch endlich loslegen. Jetzt wurde mir richtig warm. Angekommen beim Fischer im Hütter Wohld steckte ich mein Bike in den Schnee (Fahrradständer gabs ja nicht mehr) und suchte mir einen Todeskandidaten aus. Bepackt mit 1,5 Kilo Frischfleisch juckelte ich nun noch mal durch den Wald, denn jetzt einfach nur nach Hause wollte ich noch nicht. Also zeigte ich dem toten Genossen noch einmal die schöne kalte Welt. Ja kalt war es wirklich. Als ich losfuhr standen -11°C an der Anzeigetafel, aber ich empfand es nicht so schlimm. Gut eingepackt machte ich mich ans Werk und durchkämmte den Hütter Wohld. Fast angekommen an der Lieblingsrodelbahn so mancher Kinder aus der Gegend hörte ich sie schon kreischen (die Kinder). So kehrte ich noch mal kurz um und fuhr ungesehen zum Startplatz der Schreihälse. Die zwei machten ein Gesicht als hätten sie noch nie ein Fahrrad gesehen. In Ruhe stellte ich meinen Sattel tiefer und ließ meinen Gegner losfahren. Hinab ging es dann mit Volldampf dem Schlittenkind hinterher. Ich muss ehrlich gestehen, so schnell war der Schlitten dann doch nicht. Dem Karpfen war wohl auch ordentlich übel geworden, es gab noch mal ein kleines zucken von ihm und dann war Ruhe.
Leider war es nicht die tolle Radtour geworden. Immer wieder musste ich absteigen oder wurde abgestiegen. Sobald der kleine Trampelpfad von mir verlassen wurde ging es in den Tiefschnee und von dort ging es meistens nicht weiter. Eigentlich wollte ich wieder die Wiese runterfahren. Doch hier war der Schnee so tief, dass es mir nicht mal gelang normal auf das Rad zu steigen und ein Stück zu fahren. Nach den Versuchen schaute in die Ferne und die Sonne schickte ihre Strahlen zur Erde, nur nicht zu dem Punkt wo ich gerade stand. Also ein Stück zurück und den Pilgerweg hinauf. So kam ich auch nach Althof. Dort oben endlich angekommen machte ich ein paar schöne Fotos, verschickte MMS und machte ein kleines Päuschen. So langsam wurden jedoch die Fußspitzen kalt. Ich nahm meinen Kumpel wieder auf die Schulter und dann ging es schnell hinab mit tiefem Sattel in Richtung Althof. Der Weg war hier nicht so schlecht wie eigentlich gedacht, jedoch kam ich nicht so recht in Schwung. Ich folgte dem Weg der ebenfalls nur schulterbreit war hinab ins Tal. Kurz vor dem Schafbauern verließ ich in unaufmerksamer Weise den Weg um ein paar Zentimeter und fuhr in ein paar Fußstapfen hinein. Bei dieser Geschwindigkeit kann das böse enden. Tja, das dachte ich noch und dann hob sich das Hinterrad langsam an. Trotz blitzartiger Gewichtsverlagerung und einer Vollbremsung ließ sich jetzt nicht mehr viel machen. Das Vorderrad steckte tief im Schnee. Jetzt drückte ich mich selbst zur Seite weg, um nicht direkt über den Lenker zu gehen. Zack. Der Karpfen und ich rutschten noch zwei Meter durch den Schnee. Das blöken der Schafe hatte ich dabei völlig überhört, nein ich hatte es ignoriert. Ich schaute mich um. Keiner hatte es gesehen. Apputzen, aufsitzen ohne nach dem Karpfen zu schauen. Der sollte jetzt wirklich tot sein. Zumindest hatte er sich noch eine Gehirnerschütterung geholt. Ohne weitere Umwege zog es mich gen Heimat und ich war froh endlich wieder in der Wohnung zu sein.
Ich wünsche Euch allen (Katrin natürlich auch) einen guten Rutsch ins neue Jahr. Gruß Christoph