Samstag, 5. Juli 2014

Sturmbauers Eck - Thema verfehlt

Wir hatten uns heute vorgenommen mit dem Zug der neuen Bahnverbindung nach Rumburk zu fahren und dann zurück zu radeln. Leider sind wir auf Grund der letzten Touren etwas geschwächt. Das nicht einheitliche Wetter tut dazu nicht sein Bestes geben. Anfangs waren es topp Bedingungen. Nicht zu kalt und nicht zu warm, man konnte so gut in Bewegung bleiben. Doch die Sonne wollte uns helfen einen tollen Urlaub zu haben und wir hatten dadurch in den letzten Tagen ansteigende Temperaturen bis zu 27°C, teilweise über 30°C. Anfangs waren es im Schatten 15°. Das schlägt natürlich auf die Physis über. Die Hitze ist kräftezehrend. Früher waren wir auch noch jung und frisch, heute nur noch jung. Da schafft man dann nicht mehr das, was man so machen will und was man sich vorgenommen hat. Kurzum haben wir die große Tour nun auf Montag verschoben und morgen wird sich dann noch mal kurz warm gefahren, denn wir haben auch einen Weg entdeckt, denn wir vom Lilienstein aus gesehen haben. Darüber dann morgen mehr. Heute ging es also auf Schusters Rappen zuerst mit der neuen Bahn nach Sebnitz. Die neue Strecke wurde gestern eingeweiht und heute mit vielen Traditionszügen gefeiert. Da dies nicht nur für sächsische Wanderer eine tolle Route ist, sondern auch die Tschechen anzieht, war der Zug demnach ebenso gut gefüllt wie man sich nur denken kann. Katrin stopfte ich daher in eine sichere Ecke und stellte mich so davor, dass sie nicht bedrängt werden konnte. Sie war knapp davor den Zug wieder zu verlassen, egal wie und wo. Der gute Duft aus einer Mischung aus alten Turnbeuteln, Knoblauch und strengem Schweißgeruch weckte den Geist eines alten D-Zuges der zwischen Berlin und Rostock fuhr, mit wenig guter Belüftung, 40°C im Schatten und 2 Stunden Verspätung, welche man dann in einem Birkenwäldchen irgendwo im Nirgendwo absitzen musste. Dazu kamen dann Leute die ganz nötig auf das Klo mussten, aber leider nicht durch den Zug zu ihrem persönlichen Ziel kamen. Die Schaffnerin versuchte ihr Bestes zu regeln und die Fahrkarten zu kontrollieren, sprang immer wieder auf die Bahnsteige und flutschte ebenso schnell wieder in den Zug. Auf Grund ihrer Körpergröße ging das auch sehr gut, konnte man aber schnell übersehen. Wir wurden nach einer Dreiviertelstunde aus diesem Zug entlassen. Katrin hat ihr persönliches Drama überstanden, mir stand es noch bevor.
Nach dem Besuch des gut besuchten und toll ausgestatteten Bahnhofs mit all den Feierlichkeiten gingen wir zum Busbahnhof, um von dort aus nach Saupsdorf zu fahren. Hier sollte unsere Wanderung starten, keine große Tour aber wir haben etwas für uns getan und es war nicht so anstrengend. Am Ende des Dorfes wollten wir aussteigen, wobei der Fahrer einfach vorbei fuhr. Ich sprang nach vorn und erzählte ihm in drei Worten unsere Meinung. Zwar war der Bus schon einige Meter über das Ziel hinaus geschossen, für mich selbst aber wollte ich unseren Plan ja einhalten und nicht erst nächste Haltestelle aussteigen.
Katrin meinte dann: „Jetzt müssen wir das ganze Dorf zurück, wären wir mal drin geblieben.“ Wir gingen zu dieser Haltestelle und es war dabei wirklich nicht weit – keine 150 Meter, jedoch fehlte hier der Aufgang zu unserem Wanderweg. Es war mal wieder „Privatweg“. Jeder der hier ein Grundstück an einem Wanderweg hat nennt dies meistens gleich sein Eigentum und schreibt: „Privatweg!“ oder „Vorsicht kackender Hund“. So mussten wir tatsächlich zwei Haltestellen zurück. Dabei hatte Katrin gleich zwei Probleme bekommen: Pipi und Hunger. Also Frauen mit Pipi geht noch, die Aggressivität kann man schnell aus dem Wege räumen, aber beides zusammen geht gar nicht. Es gleicht so fast einem Atomunfall, ich nenne es mal GAWaS – Größter anzunehmender Wander Stress. Ich drückte ihr ein Brötchen in die Hand, als wenn man einem Kind die Rassel gibt: „Hier nimm das“. Ab jetzt war erstmal Funkstille bis zur nächsten Bank. Wir konnten nun erstmal etwas essen, gemeinsam und alles war wieder in Butter.
Unser Ziel war jetzt „Sturmbauers Eck“. Vor kurzem erst wieder neu eingerichtet und beidseitig begehbar, also von oben und von unten. Wir kamen von oben und aus dieser Richtung ist also noch nicht so gut eingerichtet wie man sich wünscht. Kurzum, wir hatten unser Ziel verfehlt. Wir gingen einfach den Malerweg weiter und marschierten in Richtung Kleinsteinhöhle und Kleinstein. Für ein paar Minuten hielten wir wieder inne und schauten auf die benachbarten Steine, welche wir vor kurzem gerade besucht hatten. Der Malerweg führte uns dann bis zur Buschmühle. Von hier ging es dann zu Fuß weiter bis zur Felsenmühle. Wir brauchten nicht lange warten und schon kam der Bus, welchen wir auch wieder am Lichtenhainer Wasserfall verließen und in die Kirnitzschtalbahn umstiegen. Mit dieser ging es dann bis zum Ziel Bad Schandau. Hier aßen wir in der besten Gaststube der Stadt und fuhren dann mit der Fähre wieder heim.

P.S. Die drei Worte waren: „Wir haben gedrückt.“

In diesem Sinne, drücken nicht vergessen.
Eure Sandsteinjäger