Montag, 6. Juli 2026

DREI

Regen? Perfekt! Shopping muss schließlich auch mal sein.
Nach dem gestrigen Gewaltmarsch haben wir uns heute mal gegönnt, richtig auszuschlafen. Erst gegen halb zehn krochen wir aus den Federn. So fühlt sich also Urlaub an! Danach wurde ausgiebig gefrühstückt – schließlich braucht der Körper Energie... auch wenn man eigentlich nur durch Geschäfte schlendert.

Draußen regnete es, und der Wetterbericht versprach, dass das auch so bleiben würde. Also beschlossen wir ganz mutig: Heute ist offizieller Erholungstag!

Mit der Fähre ging es von Krippen nach Bad Schandau. Kaum angekommen, begann die wichtigste Aufgabe des Tages: Speisekarten studieren. Man weiß ja nie, wann einen der große Hunger überfällt. Blöd nur, dass gefühlt 80 % der Gaststätten heute Ruhetag hatten. Aber Vorbereitung ist alles! Wir wollten schließlich genau wissen, wo es beim nächsten Mal Schnitzel, Eisbecher oder Riesenkloß gibt. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Danach ging es zu Bergsport Arnold. Kaum durch die Tür, wurden wir schon wieder erkannt. Das kann eigentlich nichts Gutes bedeuten. Und wie immer passierte das Unvermeidliche: Ich musste etwas kaufen. Obwohl ich wirklich... absolut... gar nichts brauchte. Aber irgendetwas findet sich ja immer. Wahrscheinlich verkaufen die dort auch leere Kartons, und ich würde denken: "Den könnte man irgendwann mal brauchen."

Anschließend arbeiteten wir uns gewissenhaft durch sämtliche Läden der Stadt. Und wie das eben so ist – aus jedem Laden musste natürlich irgendetwas mit. Bad Schandau scheint ein seltsames Gravitationsfeld zu besitzen: Geldbeutel werden dort wie von Geisterhand leichter.

Irgendwann meldete sich ein kleiner Hunger. Also Einkehr bei Ida's Café. Dort wartete eine Mangotorte auf uns. Und was soll ich sagen? Die war so lecker, dass sie wahrscheinlich auf Rezept erhältlich sein müsste.

Doch dann kamen wir zum Hollerbusch...

Ein wunderschöner Laden. Wirklich. Aber dann geschah etwas Merkwürdiges.
Ich stellte mich in eine Ecke... und kam nicht mehr weg.
Es war, als würde mich eine unsichtbare Kraft festhalten. Eine Energie. Ein Schwingungsfeld. Vielleicht lag es am Mond. Vielleicht an rückläufigem Merkur. Vielleicht hatte ich auch einfach den Ausgang übersehen.
Rings um mich herum stapelten sich Bücher und Produkte, die mich förmlich anflüsterten:

"Kauf mich... und deine Chakren jubeln!"

"Nimm mich mit... und deine Aura bekommt TÜV!"

"Mit diesem Räucherbündel sprechen deine Zimmerpflanzen wieder mit dir!"

Es gab dort wirklich alles:

Engelkarten für den direkten Draht zur himmlischen Service-Hotline.
Kraftsteine für Liebe, Erfolg, Reichtum, besseren Schlaf und wahrscheinlich auch gegen schiefe Sockenschubladen.
Pendel, mit denen man herausfinden kann, ob man heute lieber Kaffee oder Tee trinken sollte.
Aura-Sprays mit Düften wie "Kosmische Harmonie", "Mondenergie Deluxe" und vermutlich auch "Einhorn nach Sommerregen".
Räucherwerk gegen schlechte Energien... und wahrscheinlich auch gegen nervige Nachbarn.
Klangschalen, die angeblich sämtliche Blockaden lösen. Ich vermute auch hartnäckige Schrauben.
Bücher wie "Heile dein inneres Einhorn in sieben Mondphasen", "Fühle den Schmerz deiner Urgroßtante" oder "Warum dein Kühlschrank traurige Energien ausstrahlt".
Seminare für Chakrenausrichtung, Aura-Reinigung, Ahnenheilung, Engelkontakt, Delfinbewusstsein, energetische Wasserbelebung und vermutlich den Intensivkurs "Fühle den Frauenschmerz des Universums in nur drei Wochenenden."

Ich stand dort wie versteinert.
Nicht weil ich plötzlich erleuchtet war...
...sondern weil ich nicht wusste, ob ich lachen oder gleich laut lachen sollte.
Irgendwo hatte ich das Gefühl, dass mich die Bücher hypnotisieren wollten:

"Nimm mich mit... danach wirst du nie wieder Rückenschmerzen haben."

"Mit mir kannst du 48 Stunden wach bleiben... ganz ohne Kaffee!"

"Lies mich und dein drittes Auge findet endlich den Parkplatz."

Irgendwann konnte ich mich aus diesem energetischen Bann befreien und verließ den Laden – meine Aura leicht verwirrt, mein Geldbeutel aber erstaunlicherweise noch vollständig.

Ein erfolgreicher Erholungstag also. Wenig gelaufen, viel gesehen, viel gelacht und wieder einmal festgestellt:

Shopping kann anstrengender sein als jede Wanderung.

Eure Sandsteinjäger