Mittwoch, 15. Juli 2026

Irgendwas ist immer

Der Wetterbericht konnte sich mal wieder nicht entscheiden. Also haben wir vorsichtshalber alles eingepackt – Sonnencreme, Regenzeug und wahrscheinlich hätten wir mit etwas mehr Überzeugung auch noch Schneeketten mitgenommen.

Mit der Fähre ging es erst einmal über die Elbe. Nebenbei spielte Katrin den „Jungen Samariter“ und half jemandem ganz selbstverständlich weiter – und ich durfte natürlich mit anpacken. Da fiel mir ein: Zu DDR-Zeiten gab es tatsächlich das Abzeichen „Junger Tourist“. Das bekam man nicht einfach fürs Wandern, sondern wenn man sich mit Orientierung, Zelten sowie der heimischen Tier- und Pflanzenwelt auskannte. Kurz gesagt: Wer damals den Wald ohne Navi wieder verlassen konnte, war ein Held. Ich bin mir ziemlich sicher, Katrin hätte das Abzeichen damals in Gold bekommen – mit Ehrenurkunde und Extrapunkt für spontane Hilfsbereitschaft.

Eigentlich wollten wir mit dem Bus nach Königstein und von dort weiter nach Nikolsdorf eingeschleust werden. Doch der erste Bus hatte Verspätung, während der Anschlussbus pünktlich davonfuhr. Deutsche Präzision – allerdings jeder Bus für sich. Also Plan B: Mit dem Zug von Königstein nach Pötzscha. Wenigstens haben wir unsere Wochenkarte wieder ordentlich ausgenutzt.

Von dort ging es hinauf auf den Rauenstein. Diese Runde waren wir so noch nie gelaufen – und sie hat sich gelohnt. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Hin und wieder schoben sich ein paar harmlose Quellwolken vor die Sonne und spendierten uns etwas Schatten. Natürlich immer genau dann, wenn wir gerade im Wald waren. Kaum standen wir wieder auf freier Strecke, knallte die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Irgendwann ist eben auch mal genug Sommer. Aber wehe, morgen regnet es und die Temperaturen fallen – dann wird natürlich wieder gemeckert. Man kann es dem Wetter eben auch nie recht machen.

Vom Rauenstein wanderten wir weiter nach Thürmsdorf, wo Kuchen und Eis auf uns warteten. Beides war mindestens so gut wie die Aussicht.

Katrin zückte anschließend ihre Bus-App – mit der sie eigentlich ein kleines Hass-Liebe-Verhältnis pflegt. Ich übrigens auch. Doch diesmal spielte die Technik mit. Sie zog ihren Joker und präsentierte den perfekten Bus nach Hause. Damit stand auch der Abendplan: Plätze in der Eiche reservieren.

Und jetzt kommt der Höhepunkt des Tages. Im Umstiegsbus fragte ich die Fahrerin, ob sie nach Cunnersdorf über Krippen fährt. Sie schaute erst einmal ernsthaft in ihren Fahrplan und antwortete dann: „Ja.“

Da stellt sich mir die Frage: Wenn eine Busfahrerin erst nachschauen muss, wo ihre eigene Linie langfährt – wie nennt man das? Begleitetes Fahren? Busfahren mit Spickzettel? Oder war das heute der praktische Teil der Busfahrer-Abschlussprüfung? Vielleicht saß ich auch heimlich im Fahrschulbus und habe die Generalprobe für den Linienverkehr miterlebt. Hauptsache, wir sind am Ende dort angekommen, wo wir hinwollten – und nicht versehentlich in Tschechien.

Zum krönenden Abschluss durfte ich am Abend an der Elbe noch einen Schwarzstorch fotografieren. Ein seltener und wunderschöner Anblick – und irgendwie der perfekte Schlusspunkt für einen Tag, der mal wieder gezeigt hat: Egal wie gut ein Plan ist, die schönsten Geschichten entstehen meistens unterwegs.

Eure Sandsteinjäger