Freitag, 24. Juli 2026

Sommerbilanzierung 2026

Es gibt Urlaube, in denen man sich am Ende fragt, was man eigentlich gemacht hat. Und dann gibt es unseren Juli. Nach zwei Wochen war klar: Wir hätten eigentlich Anspruch auf Schmerzensgeld, einen Orden für Tapferkeit und mindestens eine Ehrenmitgliedschaft beim Deutschen Wetterdienst.

Los ging alles noch recht harmlos. Zumindest glaubten wir das. Doch schon bald entwickelte sich der Urlaub zu einer Mischung aus Hitzeschlacht, Felsenkletterei, Busfahrplänen, Fährfahrten und Begegnungen mit Menschen, bei denen man sich fragt, ob sie eigentlich auch nur für unsere Geschichten existieren.

Das Wetter zeigte sich dabei ausgesprochen kreativ. Morgens drohten Gewitter, mittags brutzelte die Sonne mit weit über 30 Grad, nachmittags suchten wir jeden noch so kleinen Schattenfleck wie Goldgräber ihre letzte Nuggetader. Wir wanderten längst nicht mehr von Aussicht zu Aussicht – wir hangelten uns von Schatten zu Schatten.

Trotzdem wurden ein Gipfel nach dem anderen, Stiegen, Schluchten und Aussichten eingesammelt. Mal gemütlich, mal schweißtreibend und manchmal mit der leisen Frage im Hinterkopf, ob der Erfinder dieser Wege eigentlich jemals selbst dort hochgelaufen ist.

Dazwischen sorgte Katrin immer wieder dafür, dass aus normalen Alltagssituationen kleine Geschichten wurden. Mal spielte sie den hilfsbereiten Samariter, mal wurde sie zur Testerin neuer Wanderschuhe, die – wie sich herausstellte – nicht nur bequem waren, sondern sogar den Stammbaum der Kuh verrieten, aus deren Leder sie gefertigt wurden. Dass wir Jahre zuvor ausgerechnet in dem Ort gegessen hatten, aus dem diese Kuh stammte, konnte natürlich kein Zufall sein. Im Sandsteinuniversum hängt eben irgendwie alles zusammen.

Auch die Technik machte ihren Beitrag. Busse fuhren erstaunlich pünktlich, Fähren brachten uns zuverlässig über die Elbe und selbst Aufzüge entwickelten plötzlich Persönlichkeiten. Manche Menschen schienen ihren Fahrstuhl mit einer Hingabe zu bewachen, als hätten sie ihn eigenhändig konstruiert und würden ihn täglich liebevoll polieren.

Kulinarisch blieb ebenfalls niemand auf der Strecke. Eis, Bäckereien und Gaststätten halfen zuverlässig dabei, die verlorenen Kalorien sofort wieder aufzufüllen. Schließlich muss der Körper für die nächsten tausend Höhenmeter vorbereitet werden.

Für Unterhaltung sorgte aber nicht nur die Landschaft. Irgendwo spielte ständig Radio Paloma. Kaum glaubte man, endlich in der Ruhe des Elbtals angekommen zu sein, erklang aus irgendeiner Ecke wieder der nächste Schlager. Spätestens beim Sommerfest in Postelwitz war klar: Gegen diese musikalische Dauerbeschallung hilft weder Gehörschutz noch Flucht in die tiefste Schlucht der Sächsischen Schweiz. Irgendwo singt immer jemand von Liebe, Herzschmerz oder einer Marina.

Als wäre das alles nicht genug, kreisten nachts Hubschrauber über dem Tal, tagsüber flitzten Eidechsen über die Felsen und selbst die kleinen Missgeschicke am Frühstückstisch entwickelten sich zu ausgewachsenen Abenteuern. Eigentlich musste gar nichts Spektakuläres passieren – wir brauchten nur loszugehen, und der Tag schrieb seine Geschichte fast von allein.

Das Schönste an diesen ersten zwei Juliwochen war jedoch etwas ganz anderes. Es waren nicht die Gipfel, nicht die Kilometer und auch nicht die Höhenmeter. Es waren die unzähligen kleinen Momente dazwischen: das gemeinsame Lachen, die absurden Zufälle, die Begegnungen unterwegs und dieses Gefühl, dass hinter der nächsten Wegbiegung garantiert wieder etwas wartet, worüber man abends schreiben kann.

Unser bisheriges Fazit fällt deshalb eindeutig aus: Die Sächsische Schweiz hat uns erneut gezeigt, dass Abenteuer nicht spektakulär sein müssen. Manchmal reichen ein heißer Sommertag, ein paar Sandsteinfelsen, gute Wanderschuhe, eine Portion Humor und irgendwo im Hintergrund ein Schlager von Radio Paloma. Mehr braucht es nicht, damit aus einem Urlaub wieder einmal eine ganze Sammlung neuer Sandsteinjäger-Geschichten wird.

Eure Sandsteinjäger 

Samstag, 18. Juli 2026

Abschiedsgruß

Die letzte Nacht in Krippen war genau so, wie man sich den Abschluss von zwei wunderbaren Wochen wünscht. Nachdem wir gestern Abend wieder bis halb zwölf mit unseren Gastgebern und Freunden draußen gesessen hatten, schliefen wir herrlich. Es wurde über das alte Krippen philosophiert, über Geschichten von früher und natürlich über die Flutjahre 2002 und 2013 gesprochen. Vieles kannten wir bereits, manches war völlig neu und wir hingen förmlich an den Lippen. Obwohl die Ereignisse damals alles andere als lustig waren, wurde zwischendurch auch herzlich gelacht. Genau so muss ein Abend sein.

Heute Morgen wachten wir deshalb geschniegelt, geschniegelt... na gut... zumindest ausgeschlafen auf.

Für den letzten Wandertag hatten wir uns noch einmal den Kohlbornstein vorgenommen. Von dort wollten wir Krippen ein letztes Mal von oben betrachten und uns gebührend verabschieden.

Oben angekommen, blieb es dann nicht beim kurzen Abschiedsgruß. Wir saßen lange dort, genossen die Aussicht und verlegten unser kleines Picknick kurzerhand in den Schatten. Der Wind hatte ordentlich zugelegt und die Temperaturen waren endlich wieder wanderfreundlich. Nach den vergangenen Hitzetagen fühlten sich die paar Grad weniger fast schon wie Wellness an.

Der Aufstieg erfolgte über den bekannten Wanderweg. Dabei stellten wir fest, dass sich dieser ganz schön verändert hat. Durch abgestorbene und gefällte Bäume kommt wieder viel Licht in den Wald und das nutzen Farne, Büsche und Birken gnadenlos aus. Die Natur arbeitet offensichtlich mit Hochdruck daran, den Wanderweg wieder einzuziehen. Noch ein, zwei Jahre und man braucht dort keinen Wanderführer mehr, sondern einen Mähdrescher.

Eigentlich wollten wir auf dem Rückweg noch einen alten Pfad ausprobieren. Der Plan war gut... der Weg leider nicht mehr. Beziehungsweise: Der Weg war vermutlich noch irgendwo vorhanden, allerdings unter einer biologisch wertvollen Mischung aus Farnen, Brombeeren und allem, was Dornen hat. Wir beschlossen deshalb einstimmig, den Heldenmut für heute aufzusparen, drehten unterhalb des Kohlbornsteins noch eine schöne Ehrenrunde und nahmen den Aufstiegsweg einfach wieder als Abstieg.

Zurück in Krippen liefen wir noch einmal an den Bahngleisen entlang, vorbei am Gelände von Fruchtimex. Dort wurden zu DDR-Zeiten die Südfrüchte aus Bulgarien, Ungarn und den anderen sonnigen Bruderländern auf Schädlinge kontrolliert. Man munkelt allerdings, dass erstaunlich viele besonders schöne Bananen, Orangen und Mandarinen den strengen Qualitätskontrollen zum Opfer fielen. Sie waren für den Verkauf leider völlig ungeeignet und mussten deshalb selbstverständlich... privat entsorgt werden. Rein aus hygienischen Gründen, versteht sich. Schließlich konnte man den Bürgern der Hauptstadt unmöglich zumuten, solch hochgefährliche Südfrüchte zu essen.

Zurück in unserer Ferienwohnung begann dann die Disziplin, die jedes Urlaubsende einläutet: Packen. Anschließend folgte das traditionelle Kofferraum-Tetris. Erst denkt man: „Das passt niemals.“ Dann wird geschoben, gedrückt, gedreht und geflucht – und plötzlich ist doch alles drin. Einschließlich unseres neuen Freundes, auf den wir jetzt ganz besonders gut aufpassen müssen. Der bekam natürlich einen Ehrenplatz und durfte nicht irgendwo zwischen Wanderschuhen und Schmutzwäsche verschwinden.

Morgen heißt es dann leider Abschied nehmen. Nach zwei herrlichen Wochen geht es wieder nach Hause. Aber eines steht schon heute fest: Nächstes Jahr sind die Sandsteinjäger wieder da! Das Elbsandsteingebirge wird uns also nicht los – und ehrlich gesagt wird es uns nach diesen zwei Wochen auch vermissen, so wie wir es vermissen werden.

Und weil heute unser letzter Abend in Krippen ist, gibt es zum Abschluss noch einmal echtes Elbtal-Leben.

In Postelwitz steigt heute Abend das alljährliche Sommerfest bis in die Nacht heinein. Das bedeutet: Es wird geschunkelt, getanzt, gelacht, gesoffen und selbstverständlich läuft die musikalische Elite der deutschen Schlagerszene in Endlosschleife. Irgendwann denkt man, das Elbtal wird langsam ruhiger. Die Wanderer verschwinden, die Vögel zwitschern, die letzten Autos fahren vorbei... und genau in diesem Moment wünschen sich Ingo und Kati, und Ralf und Anette zum zwanzigsten Mal ihren Lieblingssong.

Also legt IBO noch einmal nach, Wolle Petry darf selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen und irgendwo wird garantiert schon die nächste Polonaise vorbereitet. Wer den DJ bezahlt hat, möchte schließlich auch etwas für sein Geld hören.

Wir sind uns ziemlich sicher, dass morgen früh sämtliche Tiere des Elbtals leicht übernächtigt sind. Biber, Schwarzstorch, Eisvogel und Seeadler sitzen vermutlich mit Watte in den Ohren in ihren Verstecken und beraten, ob man für eine Nacht nicht doch lieber in die Oberlausitz umzieht. Erst wenn Mitte der Woche wieder die Eurofighter ihre Übungsrunden durchs Elbtal drehen, kehrt für sie endlich wieder die gewohnte Ruhe ein... (Achtung: Dieser Absatz enthält Spuren von Sarkasmus!)

Das Schönste an der Sache ist allerdings: Manche der Besucher, die heute Abend ihre Schlagermusik mit gefühlten 180 Dezibel feiern (was uns übrigens überhaupt nicht stört – jeder soll feiern, wie er mag), gehören oft zu den Ersten, die sich beschweren, wenn einmal in der Woche ein Eurofighter durchs Tal donnert. Das Leben schreibt eben die besten Pointen.

In diesem Sinne wünschen die Sandsteinjäger allen Feiernden viel Spaß, allen Tieren starke Nerven und euch eine gute Nacht.

Wir verabschieden uns nun aus einem wunderschönen Urlaub mit vielen neuen Eindrücken, tollen Wanderungen, netten Begegnungen und unvergesslichen Momenten. Danke an unsere Gastgeber für die herzliche Gastfreundschaft und die vielen interessanten Gespräche.

Bis nächstes Jahr, Krippen – die Sandsteinjäger kommen wieder!

Eure Sandsteinjäger 

Freitag, 17. Juli 2026

Paloma besiegt Kohlbornstein

Nach dem gestrigen Tag hatten wir uns vorgenommen, heute einmal etwas völlig Verrücktes zu tun: ausschlafen. Anschließend sollte es gemütlich zum Kohlbornstein gehen, denn für den Nachmittag waren kräftige Gewitter angekündigt. 
Der Plan war gut. Nur hatte offenbar jemand vergessen, ihn dem nächtlichen Hubschrauber mitzuteilen.
Seit Einbruch der Dunkelheit kreiste er über der Elbe und tastete mit seinem Suchscheinwerfer beziehungsweise Nachtsichtgerät die Gegend ab. Warum? Weshalb? Wieso? Keine Ahnung. Katrin und ich standen jedenfalls eine ganze Weile am Fenster. Auf der anderen Elbseite waren außerdem mehrere helle Taschenlampen zu sehen. Es wurde also definitiv etwas gesucht. Und jeder weiß: So ein Hubschrauber muss nicht alle zehn Minuten tanken.

Gegen halb zwei war endlich Ruhe eingekehrt. Ich fiel in einen wohlverdienten Schlaf und landete gerade in den schönsten Träumen...

...bis 8:41 Uhr.

RADIO PALOMA!

Mit der Feinfühligkeit eines Presslufthammers droschen mir teuflische Schlagerrhythmen durch die Synapsen. Das war keine Musik mehr – das war eine akustische Musterung.

"Fertigmachen! Antreten!"

Wo kommt dieser Lärm her? Wer macht sowas? Und vor allem: Warum?

Dann dämmerte es mir.

Am Haus werden gerade die Sandsteinfugen erneuert. Neben Mörtel, Kelle und Fugeneisen gehört zur Grundausstattung des Handwerkers offenbar auch ein Radio. Und dessen Lieblingssender heißt Radio Paloma.
Nun entwickelte sich vor meinem inneren Auge ein ganz eigenes Bild.
Das Radio war kein Radio mehr.

Es war ein Feldwebel. Mit jeder neuen Schlagernummer brüllte es seine Befehle durchs Elbtal.

"Aufstehen!"

"Mitsingen!"

"Gute Laune ist Befehl!"

Nun gut... der Feldwebel konnte brüllen, so viel er wollte. Ich bin schließlich Oberstleutnant der Sandsteinjäger und der diskutiert nicht mit Feldwebeln. Er ignoriert sie mit militärischer Präzision.

Zumindest versuchte ich das.

Vollkommen übermüdet machte ich mich fertig und schaffte es diesmal sogar ohne fremde Hilfe, das Frühstück vorzubereiten.

Der Kaffee gelang. Mission erfüllt.
Als Katrin vom Bäcker zurückkam, lautete ihr erster Lagebericht:

"Ist das drückend draußen."

Ein Blick aufs Thermometer bestätigte die Meldung.

10:00 Uhr.

28 Grad.

Es roch förmlich nach Hitzefrei.

Während andere längst im Büro saßen und gedanklich schon ins Wochenende verschwanden, überlegten wir, ob wir den Kohlbornstein überhaupt noch ansteuern sollten.

28,7 °C...

29,0 °C...

Draußen wartete der Feldwebel Paloma immer noch mit ungebrochener Motivation auf seinen nächsten Angriff. Ich trat um die Ecke, begutachtete die frisch verfugte Sandsteinwand, lobte den Handwerker – die Arbeit sah wirklich klasse aus – und im Hintergrund schmetterte der Feldwebel unverdrossen seinen musikalischen Frühsport mit Michelle, Helene und Wolfgang.
Je mehr ich ihn ignorierte, desto lauter schien er zu werden. Wahrscheinlich eine altbewährte Ausbilder-Methode.
Der Kohlbornstein war damit offiziell gestrichen.

Katrin zog sich zurück und stickte bunte Fäden in Stoff. Im Grunde ist das Malen nach Zahlen – nur eben mit Garn statt Farbe und ganz ohne Zahlen.

31 Grad.

Die Luft hatte inzwischen die Konsistenz von warmer Butter angenommen.
Kalte Getränke halfen nur solange, bis das Glas leer war. Also blieb nur noch die energiesparende Variante: möglichst wenig bewegen und auf Regen hoffen.
Der erste Gewitterschauer marschierte mit Blitz und Donner südlich an uns vorbei.
Natürlich.

Später gab es noch einen kleinen Regenguss. Genug, um die Temperatur auf angenehme 27 Grad zu drücken. Die Sonne blieb verschwunden, die Luft blieb schwül – aber immerhin mussten wir uns nicht mehr fühlen wie Grillgut auf dem Rost.

Rückblickend war es wohl genau die richtige Entscheidung.

Manchmal besteht die größte Leistung des Tages eben darin...

...einfach nichts zu tun..

Eure Sandsteinjäger 

Donnerstag, 16. Juli 2026

Schlagloch-Reisen

Eigentlich sollte es heute gar nicht so warm werden und Regen war ebenfalls angekündigt. Vom Regen war allerdings weit und breit nichts zu sehen und der Wetterbericht hatte sich wohl kurzerhand frei genommen. Es ist jetzt 17:13 Uhr und das Thermometer ist tatsächlich schon auf angenehm kühle 29,9 °C gefallen. Unterwegs waren Schattenplätze deshalb ungefähr so begehrt wie Liegen am Hotelpool.

Los ging es mit dem Bus nach Gohrisch. Wobei "nach Gohrisch" etwas untertrieben ist – vorher wurde gefühlt jedes Dorf der Sächsischen Schweiz persönlich begrüßt. Katrin murmelte unterwegs etwas von Reisetabletten. Verständlich. Wenn der Bus jede Kurve und jedes Schlagloch mitnimmt, weiß man hinterher nicht mehr, ob man wandern oder seekrank werden wollte.

In Gohrisch stand zunächst der Bäcker auf dem Programm. Schließlich braucht man ausreichend Energie für zwei Tafelberge – und Kuchen zählt bekanntlich zur Grundausstattung einer Wanderung.

Anschließend ging es über Pauls Ruhe durch die Falkenschlucht hinauf auf den Gohrisch. Oben angekommen suchten wir uns erst einmal ein schattiges Plätzchen. Die Aussicht war wie immer großartig – und der Schatten fast noch wertvoller. Am Pavillon wurde dann die mitgebrachte Verpflegung ausgepackt. Irgendwann muss der Kuchen schließlich seiner Bestimmung zugeführt werden.

Danach führte der Weg weiter auf den Papststein. Dort warteten bereits die Relaxschaukeln und ein Eiskaffee auf uns. Die Schaukeln fanden allerdings nur bei mir Begeisterung. Katrin verzichtete lieber. Ihrer Meinung nach bietet die Busfahrt durch Papstdorf bereits genügend Schaukelbewegungen für einen ganzen Tag.

Schließlich ging es wieder hinunter ins Tal. Ein schneller Blick in die App verriet, dass der Bus bald in Papstdorf abfahren sollte. Also machten wir uns zügig auf den Weg und standen pünktlich an der Haltestelle „Zur Hoffnung“. Ein schöner Name. Man hofft dort auf den Bus, auf angenehme Temperaturen, auf gutes Wetter und vielleicht sogar darauf, dass der Gasthof irgendwann wieder öffnet. Letzteres dürfte allerdings die größte Herausforderung des Tages sein. Der Bus fuhr uns jetzt wieder in das Tal zurück, durch alle Löcher die die Gegend zu bieten hat.

Der Tag ist aber noch nicht vorbei. Heute Abend geht es noch zur Liethenmühle. Mal sehen, was uns dort noch erwartet – hoffentlich etwas Kühles, denn mit dem Wetterbericht sind wir für heute ohnehin fertig.

Eure Sandsteinjäger 

Mittwoch, 15. Juli 2026

Irgendwas ist immer

Der Wetterbericht konnte sich mal wieder nicht entscheiden. Also haben wir vorsichtshalber alles eingepackt – Sonnencreme, Regenzeug und wahrscheinlich hätten wir mit etwas mehr Überzeugung auch noch Schneeketten mitgenommen.

Mit der Fähre ging es erst einmal über die Elbe. Nebenbei spielte Katrin den „Jungen Samariter“ und half jemandem ganz selbstverständlich weiter – und ich durfte natürlich mit anpacken. Da fiel mir ein: Zu DDR-Zeiten gab es tatsächlich das Abzeichen „Junger Tourist“. Das bekam man nicht einfach fürs Wandern, sondern wenn man sich mit Orientierung, Zelten sowie der heimischen Tier- und Pflanzenwelt auskannte. Kurz gesagt: Wer damals den Wald ohne Navi wieder verlassen konnte, war ein Held. Ich bin mir ziemlich sicher, Katrin hätte das Abzeichen damals in Gold bekommen – mit Ehrenurkunde und Extrapunkt für spontane Hilfsbereitschaft.

Eigentlich wollten wir mit dem Bus nach Königstein und von dort weiter nach Nikolsdorf eingeschleust werden. Doch der erste Bus hatte Verspätung, während der Anschlussbus pünktlich davonfuhr. Deutsche Präzision – allerdings jeder Bus für sich. Also Plan B: Mit dem Zug von Königstein nach Pötzscha. Wenigstens haben wir unsere Wochenkarte wieder ordentlich ausgenutzt.

Von dort ging es hinauf auf den Rauenstein. Diese Runde waren wir so noch nie gelaufen – und sie hat sich gelohnt. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Hin und wieder schoben sich ein paar harmlose Quellwolken vor die Sonne und spendierten uns etwas Schatten. Natürlich immer genau dann, wenn wir gerade im Wald waren. Kaum standen wir wieder auf freier Strecke, knallte die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Irgendwann ist eben auch mal genug Sommer. Aber wehe, morgen regnet es und die Temperaturen fallen – dann wird natürlich wieder gemeckert. Man kann es dem Wetter eben auch nie recht machen.

Vom Rauenstein wanderten wir weiter nach Thürmsdorf, wo Kuchen und Eis auf uns warteten. Beides war mindestens so gut wie die Aussicht.

Katrin zückte anschließend ihre Bus-App – mit der sie eigentlich ein kleines Hass-Liebe-Verhältnis pflegt. Ich übrigens auch. Doch diesmal spielte die Technik mit. Sie zog ihren Joker und präsentierte den perfekten Bus nach Hause. Damit stand auch der Abendplan: Plätze in der Eiche reservieren.

Und jetzt kommt der Höhepunkt des Tages. Im Umstiegsbus fragte ich die Fahrerin, ob sie nach Cunnersdorf über Krippen fährt. Sie schaute erst einmal ernsthaft in ihren Fahrplan und antwortete dann: „Ja.“

Da stellt sich mir die Frage: Wenn eine Busfahrerin erst nachschauen muss, wo ihre eigene Linie langfährt – wie nennt man das? Begleitetes Fahren? Busfahren mit Spickzettel? Oder war das heute der praktische Teil der Busfahrer-Abschlussprüfung? Vielleicht saß ich auch heimlich im Fahrschulbus und habe die Generalprobe für den Linienverkehr miterlebt. Hauptsache, wir sind am Ende dort angekommen, wo wir hinwollten – und nicht versehentlich in Tschechien.

Zum krönenden Abschluss durfte ich am Abend an der Elbe noch einen Schwarzstorch fotografieren. Ein seltener und wunderschöner Anblick – und irgendwie der perfekte Schlusspunkt für einen Tag, der mal wieder gezeigt hat: Egal wie gut ein Plan ist, die schönsten Geschichten entstehen meistens unterwegs.

Eure Sandsteinjäger 

Dienstag, 14. Juli 2026

Cameron

Eigentlich wollten wir es heute ganz gemütlich angehen lassen. Der Wetterbericht sprach schließlich dafür: Zwischen 9 und 10 Uhr sollte es regnen und gegen 16 Uhr sollten uns schwere Gewitter heimsuchen. Also waren wir auf alles vorbereitet. Regenjacken, Regenhose, wasserdichte Socken, wasserdichte Schlüpfer … und für den absoluten Ernstfall hätten eigentlich nur noch Schwimmflügel, eine Signalpistole und ein Schlauchboot im Rucksack gefehlt. Entsprechend hatten unsere Rucksäcke inzwischen das Gewicht eines ausgewachsenen Maultiers – eine wahre Wohltat für Rücken und Bandscheiben.

Zum Glück sollte es ja nur eine kleine Runde werden.

Mit der Kirnitzschtalbahn ging es zunächst hinauf bis zur Endhaltestelle Wasserfall. Die Bahn war allerdings derart überfüllt, dass man sich fragte, ob ganz Sachsen beschlossen hatte, heute den Kuhstall zu besuchen.
Und wie das nun einmal so ist: Es gibt viele verschiedene Menschen. Niemand ist perfekt. Ich rege mich wahrscheinlich manchmal auch zu schnell auf. Aber wenn Eltern ihre Kinder nicht im Griff haben, die Kleinen lautstark verkünden: „Ich will wieder nach Hause!“, während die Mutter verzweifelt versucht, ihre sechsköpfige Drachenfamilie zu bändigen und der Vater lieber auf sein Handy starrt und sich lautstark darüber aufregt, dass es in diesem „verfluchten Tal“ kein Netz gibt – dann fällt Gelassenheit nicht immer leicht.
Alternativ hätte man sich auch auf die Berliner Wandergruppe vom Stamm der „Schwerhörigen“ konzentrieren können. Die unterhielten sich nämlich quer durch den Wagen in einer Lautstärke, bei der vermutlich selbst der Schaffner am anderen Ende der Strecke jedes Wort verstand. Natürlich in bestem Berliner Dialekt.
Irgendwann blendete ich das alles aus und hörte nur noch das vertraute Schaben der Räder auf den Schienen und das Quietschen der Bahn in den Kurven. Musik in meinen Ohren.

Endlich: Endhaltestelle. Raus aus der Bahn.

Katrin ordnete an, den Umleitungsweg zum Kuhstall zu nehmen. Eine ausgezeichnete Idee, denn so mussten wir den Stadtameisen in Badelatschen nicht ständig in die Hacken treten.

Ab diesem Moment kehrte endlich Ruhe ein. Gemeinsam zogen wir Richtung Südaufstieg und weiter über die Himmelsleiter nach oben.
Katrin marschierte voraus und entdeckte schon von Weitem ein hyperaktives Deutschlandtrikot, das uns entgegenkam. Mit einem deutlichen „Das ist eine Einbahnstraße!“ pfiff sie den jungen Mann zurück. Er wich tatsächlich zurück – mitsamt seiner Familie. Hinter uns schob sich inzwischen eine lange Wandererschlange die Himmelsleiter hinauf. Ein weiterer Versuch, hier bergab zu laufen, wäre vermutlich in einem Dominoeffekt geendet, bei dem unten keiner mehr gewusst hätte, warum er eigentlich liegt.

Der Junge hieß übrigens Cameron [ˈkæmərən].

Ja … Cameron. Und Cameron wollte Spaß.

Es ist mir letztlich völlig egal, wie jemand heißt oder warum Eltern sich für bestimmte Namen entscheiden. Aber irgendwie bleibt einem so ein Name eben im Gedächtnis. Und Cameron wollte Abenteuer.

Während wir oben an einer Eiche die Aussicht genossen, zog die Familie an uns vorbei. Cameron sprang von Fels zu Fels. Irgendjemand mahnte ihn zur Vorsicht. Die Antwort kam prompt:

„Er springt, wo und wann er will.“

Und Cameron will klettern. Na gut.

Zurück auf dem Plateau wollte ich noch einmal zum Schneiderloch. Kurz vorher kommt man an einer Stelle vorbei, an der man um einen Felsen herumgehen kann. Nichts für Menschen mit übertriebenem Sicherheitsbedürfnis.

Genau dort kam diese Familie mit den kleinen Jungs herausgekrochen, zum Schluss der Vater – und plötzlich hörte man nur noch:

„Cameron hat sich verletzt!“

Er hielt sich den Ellenbogen und hatte sichtlich starke Schmerzen. Als ich vom Schneiderloch zurückkam, war sein Ellenbogen bereits mit einem T-Shirt geschient und kunstvoll verknotet. Das Abenteuer war für ihn damit wohl beendet. Morgen würde wohl ein Arzt übernehmen.

Eines musste man der Sache allerdings lassen: Ab diesem Zeitpunkt war die ganze Familie plötzlich erstaunlich leise.

Katrin und ich hingegen hatten uns unser verspätetes Frühstück redlich verdient und kehrten in der Berggaststätte ein. Eine Kleinigkeit zu essen, etwas zu trinken und einfach nur den Blick schweifen lassen – genau so muss eine Wanderpause aussehen.

Danach ging es gemütlich hinunter zur Bahn. Die Rückfahrt durchs Kirnitzschtal verlief deutlich entspannter als die Hinfahrt. Vielleicht waren inzwischen alle müde geredet oder die Berliner Wandergruppe hatte ihre Stimmen verloren. Man weiß es nicht. Dafür wurde es draußen immer wärmer. Diese typische Gewitterluft lag in der Luft. Schwer. Schwül. Irgendwie wartete alles auf den großen Knall.

Nur der blieb aus.

Am Kuhstall hatte es einmal ganz kurz genieselt – mehr war vom angekündigten Weltuntergang nicht übrig geblieben. Stattdessen zeigte sich die Sächsische Schweiz wieder von ihrer schönsten Seite. Wolkiger Himmel, grüne Wälder und einfach nur ein herrlicher Nachmittag.

Zurück im Tal wurde noch schnell eingekauft. Danach schauten wir noch bei Arnold vorbei. Eigentlich stand nur ich auf der Einkaufsliste, doch plötzlich war Katrin der Meinung, dass neue Wanderschuhe vielleicht doch keine schlechte Investition wären. Und siehe da – sie wurde tatsächlich fündig.

Es wurden ein Paar Meindl aus echtem Leder. Das Besondere daran: Jeder Schuh besitzt eine eigene Nummer, über die sich tatsächlich nachvollziehen lässt, von welcher Kuh das Leder stammt. Also gleich nachgesehen.

Und siehe da – die Dame kam aus Michaelaberg bei Schladming.

Da mussten wir beide erst einmal lachen. Ausgerechnet dort waren wir vor einigen Jahren schon einmal im Michaelaberghaus eingekehrt und haben hervorragend gegessen. Wer hätte gedacht, dass sich unsere Wanderwege und die einer österreichischen Kuh Jahre später in einem Schuhgeschäft in Bad Schandau noch einmal kreuzen würden? Vielleicht hat sie damals schon auf der Wiese gestanden, uns beim Essen beobachtet und sich gedacht: "Die beiden sehe ich irgendwann wieder." Dass sie uns später einmal auf Schritt und Tritt begleiten würde, konnte damals allerdings wirklich niemand ahnen.

Zum Abschluss kehrten wir noch bei Franzl ein und ließen den Tag bei einem guten Essen ausklingen. Danach ging es ganz entspannt mit der Fähre nach Hause.

Und was bleibt von heute?

Kein Dauerregen.
Kein Gewitter.
Keine Überschwemmung.
Die wasserdichten Schlüpfer völlig umsonst eingepackt.
Und Cameron hatte Spaß.

Aber dafür wieder ein wunderschöner Tag in der Sächsischen Schweiz.

Und irgendwo dort draußen wird Cameron seinem Ellenbogen inzwischen erklärt haben, dass Felsen leider nicht nachgeben. Während Katrin nun mit einer Kuh aus Michaelaberg unterwegs ist, die offensichtlich beschlossen hat, unsere Wanderungen künftig höchstpersönlich zu begleiten.

Eure Sandsteinjäger 

Montag, 13. Juli 2026

Wandern und Garen

Für heute waren weit über 30 Grad angekündigt. Also genau das Wetter, bei dem vernünftige Menschen den Sonnenschirm aufspannen, den Ventilator auf Stufe "Orkan" stellen und sich höchstens bis zum Kühlschrank bewegen. Aber vernünftig waren wir bekanntlich noch nie.
Interessant ist ja immer wieder, wie unterschiedlich das Wetter hier in den Tälern ausfällt. Im einen Dorf könnte man meinen, man lebt in einem Backofen, zwei Kilometer weiter zieht plötzlich ein Lüftchen durch. Man braucht also manchmal einfach Glück. Heute hatten wir... nennen wir es einmal "Erfahrung".
Da aktuell montags wegen der aktuellen Linienänderungen der Bahn hier sowieso nichts fährt, fiel die Entscheidung leicht: Wandern! Der übliche Verdächtige sollte es werden – der CDF-Weg von Krippen nach Schöna. Eine Tour, die wir schon unzählige Male gelaufen sind und eigentlich fast im Schlaf finden würden.

Kaum traten wir allerdings aus der Haustür, gab der gelbe Stern am Himmel alles, was er im Sortiment hatte. Die ersten Stufen hinauf zum Wanderweg reichten bereits aus, um sich zu fragen, ob man nicht doch besser wieder umdrehen sollte. Zwar lag der Einstieg noch im Schatten, doch der Wald hatte sich in eine angenehm... nein, streichen wir das... in eine leicht schwülwarme Sauna verwandelt.
Und immer dort, wo die Bäume fehlten, knallte die Sonne erbarmungslos auf den Schädel. Man hatte zeitweise das Gefühl, die eigenen Synapsen würden langsam anfangen zu köcheln.
Das Gemeine an solchen Tagen ist ja: Das dicke Ende kommt meistens erst gegen 14, 15 oder 17 Uhr. Man läuft also stundenlang durch den Vorheizmodus, bevor der eigentliche Backvorgang beginnt.
Eigentlich müssten wir heute die einzigen zwei Doofen gewesen sein, die freiwillig mit Rucksack durch die Gegend marschieren. Jeder Mensch mit etwas Grips bleibt bei solchen Temperaturen zuhause, schleppt nicht sein Gepäck auf irgendeinen Aussichtsfelsen, anschließend wieder herunter und freut sich danach auch noch darüber, dass er sein T-Shirt bereits zum dritten Mal wechseln darf.

Dachten wir zumindest.

Zu unserer Überraschung begegneten uns tatsächlich noch einige andere Gestalten, die offensichtlich dieselbe brillante Idee gehabt hatten. Alle sahen mehr oder weniger gleich aus: leicht verzweifelt, gut durchgegart und mit diesem Blick, der fragte: "Warum machen wir das eigentlich?"
Der vor zwei Jahren offiziell eingeweihte CDF-Weg, den wir übrigens schon Anfang der 2000er gelaufen sind – damals mussten wir ihn stellenweise noch selbst freischneiden – beginnt inzwischen langsam wieder der Natur zu gehören. Birken wachsen munter auf den Weg, einige Schilder wurden kreativ beschmiert. Willkommen in der Realität. Mal sehen, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt. Eigentlich ist diese Runde für uns immer ein gemütlicher Einstieg gewesen. Heute fühlte sie sich eher nach einem Survival-Kurs an.

Oberhalb des Aschersteigs tauchte schließlich die Kaiserkrone im dunstigen Sommerlicht auf. Wunderschön anzusehen – allerdings auch wunderschön aufgeheizt.
Am Fuß des Berges legten wir erst einmal eine längere Pause ein. Kleidung trocknen, etwas trinken, philosophieren und überlegen, ob das mit der Kaiserkrone wirklich eine gute Idee sei.
Für Katrin gab es da allerdings keine Diskussion. Das Tagesziel stand fest.

Also Aufmarsch!

Der Anstieg ging erstaunlich flott, doch oben wartete die eigentliche Überraschung. Die Metallgeländer hatten ungefähr die Temperatur einer Herdplatte auf höchster Stufe. Die Treppen strahlten die Hitze förmlich zurück, und wer die Geländer ohne nachzudenken anfasste, wusste sofort wieder, warum Reflexe überlebenswichtig sind.
Oben versuchten wir trotzdem einen Rundblick zu genießen und quetschten uns anschließend unter eine einzelne Kiefer. Dort ging tatsächlich ein kleines Lüftchen. Also... zumindest genug, um sich einzureden, dass es etwas kühler geworden sei.
Beim Abstieg hatte ich eigentlich genug. Mein Plan war klar: Ab ins Dorf und direkt zum Bus.

Katrin hatte allerdings andere Pläne.

Mit bemerkenswerter Überzeugungskraft schaffte sie es, mich noch zum Wolfsberg zu lotsen. Natürlich nicht auf direktem Weg, sondern mit einem schönen Umweg – immerhin größtenteils im Schatten. Also stapften wir weiter bis zum Panoramahotel Wolfsberg.
Die Bedienung war heute etwas gemütlicher unterwegs. Unter normalen Umständen hätte man vielleicht ungeduldig auf die Uhr geschaut. Heute war das eher ein Geschenk. So konnte man langsam wieder herunterfahren, den Puls in normale Bereiche bringen und einfach sitzen bleiben.

Das Essen war wie immer sehr gut, reichlich und erfreulich preiswert.
Nun begann allerdings der spannendste Teil des Tages. Der letzte Bus ab Reinhardtsdorf fuhr um 17:59 Uhr. Den wollten wir auf keinen Fall verpassen. Also marschierten wir zügig zurück Richtung Bushaltestelle, immer mit einem Auge auf die Uhr. Diesmal passte alles perfekt.

Pünktlich stiegen wir in den Bus und ließen uns die letzten Kilometer gemütlich zurück nach Krippen fahren. 
Um 18:10 Uhr standen wir wieder im Ort. Das Thermometer zeigte dort immer noch stolze 29,8 Grad.

Es gibt Tage, an denen fragt man sich ernsthaft, warum man sich das antut.
Und dann gibt es genau diese Tage, über die man später am liebsten erzählt..

Eure Sandsteinjäger 

Sonntag, 12. Juli 2026

Der Herr des Aufzugs

Heute haben wir es tatsächlich etwas ruhiger angehen lassen. Nach dem gestrigen Garteneinsatz wurde erst einmal ausgeschlafen. Anschließend gab es ein ausgiebiges Frühstück – genau so, wie sich das im Urlaub gehört.

Dann stellte sich die große Frage:
Wo soll's heute hingehen?

Nach kurzer Beratung stand der Plan fest: Mit dem Personenaufzug hinauf nach Ostrau und von dort eine schöne Runde über die Ostrauer Scheibe bis zur Hohen Liebe und anschließend hinunter zum Flößersteig.

Kaum waren wir ein paar Schritte auf dem Weg zur Fähre unterwegs, durfte ich allerdings schmunzeln. Vorgestern hatte ich mich ja bereits mit meiner Vergesslichkeit zum Affen gemacht – heute war Katrin an der Reihe.
Plötzlich blieb sie stehen.
„Mein Handy...“
Also wieder zurück.
Kaum war das Handy eingesammelt, kam der nächste Geistesblitz:
„Das heiße Wasser!“
Also nochmals zurück, Wasserkocher an, Thermosflaschen gefüllt und anschließend im Eiltempo wieder hinunter zur Fähre.
Ich musste schon ein wenig grinsen. Geteiltes Leid ist eben halbes Leid.

Mit der Fähre ging es nach Bad Schandau und weiter zum Personenaufzug.

Am Aufzug angekommen, trafen wir auf den Herrn des Aufzugs. Nach seiner Art zu urteilen, war er nicht nur der Wächter, sondern vermutlich auch Hausmeister, Geschäftsführer, Chefingenieur und Mitkonstrukteur in Personalunion. Entsprechend bestimmt erklärte er uns, dass unsere Wochenkarten hier selbstverständlich nicht gültig seien. Es folgte ein ausführlicher Vortrag darüber, wer der Betreiber sei, warum das so wäre und überhaupt...

Wir zwei zückten kurzerhand die Handys, riefen die Tarifinformationen auf und zeigte ihm schwarz auf weiß, dass unsere Wochenkarten sehr wohl auch für den Aufzug gelten.
Mit Katrin ist da nicht zu spaßen. Und die Friedenspfeife hatte Katrin bestimmt nicht dabei.
Der gute Mann wurde plötzlich ganz ruhig, schaute noch einmal durch seine Luke und meinte schließlich:

„Da muss ich mich wohl mal informieren.“
Na bitte.

So konnten wir doch noch unsere – nicht gerade günstigen – Wochenkarten sinnvoll nutzen.
Oben angekommen ging es über die Ostrauer Scheibe in Richtung Hohe Liebe und später hinunter zum Flößersteig.
Heute war die Hitze allerdings eine echte Herausforderung. Es war gar nicht einmal extrem heiß, aber die Luft stand förmlich im Wald. Schon nach kurzer Zeit war uns beiden ins Gesicht geschrieben, wie warm uns inzwischen geworden war.
Zum Glück hatte ich Wechselklamotten dabei.
Man schleppt ja schließlich gern zusätzliches Gewicht durch die Sächsische Schweiz...

Nachdem wir den Garten in Krippen gestern praktisch in einen vorzeigbaren Zustand versetzt hatten, gab es dort heute natürlich nichts mehr zu tun. Also blieb uns nichts anderes übrig, als wieder wie die Bekloppten durch die Sächsische Schweiz zu marschieren. Rauf über die Steine, runter über die Steine und immer in der Hoffnung, dass wenigstens die Bremsen und Mücken heute mal frei haben würden. Pustekuchen – die warteten offenbar schon auf uns.

Es gibt wirklich kaum etwas Schöneres, als bei sommerlichen Temperaturen mit einem 9-Kilo-Rucksack, einer Kamera samt dem größten Teleobjektiv meiner Sammlung und komplett durchgeschwitzten Klamotten durch den Wald zu stapfen. Zwischendurch immer die Hoffnung, dass hinter der nächsten Kurve endlich ein kühles Lüftchen wartet – Fehlanzeige.

Als wäre das noch nicht genug gewesen, mussten wir am Ende der Tour natürlich auch noch der Kirnitzschtalbahn hinterherrennen.
Warum gemütlich zum Bahnhof laufen, wenn man die letzten Reserven auch noch in einen Zielsprint investieren kann?
Geil... einfach geil!
Nach rund 11 Kilometern war dann endgültig Feierabend.

Denkste. Einmal die Straße überquert und schon blieb sie stehen, nein nicht die Zeit, Katrin blieb an einem Sperrmüllhaufen stehen und wühlte darin rum. Aua, nicht schon wieder. Ich saß 20 Meter weiter weg und gehörte nicht dazu und schaute auch nicht hin. Irgendwann kam sie mit einem Lächeln im Gesicht und ihrer Ausbeute. Vom Räuchermännchen bis zum Modellauto.

Jetzt sind die Beine schwer, die Kleidung wieder trocken und wir freuen uns auf einen entspannten Abend.

Mal sehen, was der morgige Tag für uns bereithält. Erfahrungsgemäß endet ein geplanter Erholungstag bei uns ohnehin wieder ganz anders. Aber genau deshalb lieben wir unseren Urlaub.

Eure Sandsteinjäger 

Samstag, 11. Juli 2026

Pausentag oder wie man versehentlich ...

... zum Landschaftsgärtner wird.

Eigentlich war der Plan glasklar: Pausentag! Schließlich war Samstag und wir hatten beide so überhaupt keine Lust, irgendwelche großen Unternehmungen zu starten.
Nun ja... zumindest dachte ich das.
Katrin kam irgendwann auf die Idee, in die Stadt zum Shoppen zu fahren. Ich hätte mich – notgedrungen – wohl geopfert und wäre mitgegangen. Doch dann kam der entscheidende Satz:

„Ich geh auch allein.“
Tja... und damit war der Drops gelutscht.

Also setzte sich Katrin in die Fähre und schipperte davon, während ich es mir gemütlich auf dem Hof machte. Natürlich im Schatten – in der Sonne hätte man vermutlich Spiegeleier auf der Motorhaube braten können.

Während ich also versuchte, mich erfolgreich vom Nichtstun zu erholen, begannen unsere Gastgeber damit, den Garten auf Vordermann zu bringen. Hier wurde ein Busch geschnitten, dort der Rasen getrimmt, überall summten und brummten Maschinen.
Ich hielt es ganze zehn Minuten aus.
Dann bot ich meine Hilfe an. Erst nur ein bisschen... ganz unverbindlich... schließlich wollte ich mich ja nicht überarbeiten.

Denkste!

Plötzlich griff ein Zahnrad ins andere und wir arbeiteten im perfekten Team. Jeder wusste irgendwann, was zu tun war, und der Garten verwandelte sich Stück für Stück in eine Vorzeigeanlage.
Die musikalische Untermalung lieferte dabei Paloma Radio. Gefühlt liefen sämtliche Überlebens-Hits der letzten Jahrzehnte einmal komplett durchs Elbtal. Nach dem zwanzigsten Schlager war klar: Entweder das Radio oder ich...
Inzwischen kehrte auch Katrin erfolgreich von ihrer Shoppingtour zurück. Tasche abgestellt, Handschuhe angezogen und im nächsten Moment hing sie kopfüber im Beet und zog Disteln aus, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Zwischendurch durfte ich mir immer wieder anhören:
„Ach, so sieht das also aus, wenn man im Urlaub mal nichts macht...“

Als Paloma Radio schließlich endgültig an meinen Nerven sägte, griff ich kurzerhand zur Heckenschere. Die Rotbuche schrie förmlich nach einem neuen Haarschnitt. Paloma war nun weit weg und kaum zu hören.

Was soll ich sagen? Ein Meisterwerk des Baumschnittes!

Vorher hatte ich bereits den Fliederbusch geschniegelt und gestriegelt – natürlich mit einer frisch geschärften Schere. Weil das Schärfen so gut funktionierte, bekamen die anderen Gartenscheren gleich ebenfalls eine Wellnessbehandlung. Wenn schon, denn schon.

Irgendwann waren wir dann tatsächlich fertig. Körperlich am Ende, aber ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Also Grill an...
...dumm nur, dass keine Kohle mehr da war.

Also nochmal schnell zum Lidl, neue Säcke geholt und dann konnte der gemütliche Teil endlich beginnen.
Am Ende wurde es ein richtig schöner Abend, der sich bis 1 Uhr nachts zog – mit gutem Essen, netten Gesprächen und dem Gefühl, im Urlaub unfreiwillig den Garten des Jahres gestaltet zu haben.

Und morgen?
Mal sehen... entscheiden wir nach dem Aufstehen.
Im Moment wird Erholung jedenfalls ganz groß geschrieben. Wobei wir inzwischen gelernt haben, dass dieses Wort bei uns offenbar eine sehr kreative Bedeutung hat.

Eure Sandsteinjäger 

Freitag, 10. Juli 2026

Luft wie Kartoffelbrei

Manchmal gibt es Tage, die fangen schon so an, als wollten sie einen auf die Probe stellen.
Katrin war schnell zum Bäcker verschwunden und ich dachte mir, den Rest des Frühstücks bekomme ich schon irgendwie hin. Eier ins kochende Wasser – zack, das erste geplatzt. Kurz darauf das zweite. Das Wasser fing an zu schäumen und wollte den Topf verlassen. Mit der linken Hand versuchte ich, das Ei-Chaos einzudämmen, während ich mit der rechten Wasser in die Kaffeemaschine füllte. Vier Tassen sollten es werden. Blöd nur, dass bereits vier Tassen Wasser darin waren. Gleichzeitig kochte noch das Wasser für unseren Thermobehälter für unterwegs.
In meinem Kopf herrschte ungefähr die gleiche Ordnung wie auf dem Herd. Was erledige ich zuerst? Den Tisch decken? Die Eier retten? Die Kaffeemaschine? Das heiße Wasser?
Eigentlich... gar nichts.
Ich stand einfach da und schaute zu, wie das Wasser durch die geplatzzten Eier immer weiter überschäumte. Die Kaffeemaschine war noch immer kalt, als Katrin in der Tür stand und fragte, was dieser Blödsinn hier eigentlich werden sollte.
In diesem Moment fühlte ich mich wie ein Sechsjähriger am ersten Schultag, der gerade erklären muss, warum er seine Hausaufgaben vergessen hat.
Irgendwie ließ sich das Frühstücksdesaster dann doch noch klären. Die Eier waren zwar nicht mehr schön, aber essbar, der Kaffee wurde heiß und wir konnten schließlich doch noch gemütlich frühstücken.
Als wir endlich losmarschierten, stellte ich nach wenigen Metern fest, dass meine Kamera noch zu Hause lag. Also wieder zurück. Am ersten Anstieg angekommen dann die nächste Erkenntnis: Mein Trinkrucksack fehlte ebenfalls. Also... noch einmal zurück.

Und das alles bei einer Luft, die schon verdächtig nach Kartoffelbrei roch. Noch war es nicht unerträglich heiß, aber jeder Schritt ließ erahnen, was der Tag noch bereithalten würde. Meine Hirnzellen schienen sich wie Strohballen langsam von einer Kopfseite auf die andere zu bewegen, während Katrins Füße bereits beim Anmarsch über den Kellerfels ordentlich Feuer meldeten.
Unser Weg führte uns schließlich in Richtung Kleinhennersdorf. Vorbei ging es am Haus des Kurt-Schlosser-Bergsteigerchores, einem Ort, an dem sich Bergsport und Musik seit Jahrzehnten begegnen. Gleich daneben fiel uns ein Gedenkstein ins Auge: „Deutsche Arbeiter-Kaukasus-Expedition 1932/1982“.
Vor dem Haus des Kurt-Schlosser-Bergsteigerchores blieben wir noch kurz an einem Sandsteinrelief stehen. Es erinnert an die 1. Deutsche Arbeiter-Kaukasus-Expedition von 1932. Damals brachen Dresdner und Münchner Arbeiterbergsteiger zu einer außergewöhnlichen Tour in den Zentral-Kaukasus auf und kehrten mit zahlreichen Erstbesteigungen zurück. Fünfzig Jahre später setzte man ihnen hier ein Denkmal. Unsere heutige Expedition fiel zwar deutlich kleiner aus – sie führte weder über Gletscher noch auf Viertausender, doch nach zwei geplatzten Frühstückseiern, zweimaligem Rückmarsch wegen vergessener Ausrüstung und Temperaturen kurz vor Kartoffelbrei fühlten wir uns zumindest im Geiste schon ein wenig als Expeditionsmannschaft.

Weiter ging es bei stetig steigenden Temperaturen in Richtung Kessel, der uns auf den Kleinhennersdorfer Stein führen sollte. Eigentlich wollten wir oben weiter zum Schusterbänkel und anschließend noch zur Riedelaussicht. Doch Pläne sind eben nur so lange gut, bis die Realität dazwischenfunkt. Wegen der eingeschränkten Passierbarkeit von genau fünfzig Prozent unserer Mannschaft mussten wir die ursprüngliche Route etwas einkürzen.

Am Schusterbänkel gönnten wir uns deshalb erst einmal eine ausgiebige Pause. Bei diesen Temperaturen war jeder Schatten willkommen.
Bevor wir den Rückweg antraten, lockten uns noch die namenlosen Felsen oberhalb der Höhlen. Natürlich mussten wir da hinauf. Von oben wurden wir mit einem herrlichen Blick über die Landschaft belohnt. Besonders schön war der Blick hinüber zur Kleinen Hunskirche, die sich zwischen den Felsen versteckt und immer wieder ein lohnendes Fotomotiv ist.
Langsam neigte sich der Nachmittag dem Ende entgegen. Also machten wir uns auf den Rückweg in Richtung Liethenmühle, wo zunächst einmal die dringend notwendige Nahrungsaufnahme auf dem Programm stand. Nach den vielen kleinen Pannen, der Hitze und den zusätzlichen Kilometern schmeckte das Essen gleich doppelt so gut.

Zu Hause angekommen gab es dann nur noch einen Programmpunkt:
Schuhe aus.
Und den Tag mit einem Grinsen abhaken. Denn rückblickend sind es meistens genau diese chaotischen Touren, an die man sich später am liebsten erinnert.

Eure Sandsteinjäger 

Donnerstag, 9. Juli 2026

Auf Pferdesuche

Heute war mal ein Tag, der ganz nach meinem Geschmack begann – wir konnten tatsächlich ausschlafen! So richtig. Kein Wecker, kein Zeitdruck. Herrlich!
Naja... zumindest so lange, bis Katrin wieder der Meinung war, sämtliche Fenster aufreißen zu müssen. Ich wurde also nicht vom Wecker geweckt, sondern vom gefürchteten Fensterdurchzug. Manche Menschen nennen das "frische Luft". Ich nenne das einen persönlichen Albtraum.
Das kommt nicht von ungefähr. Ich habe seit meiner Kindheit ein ausgewachsenes Durchzugstrauma. Andere stellen sich in den Wind und genießen die Brise – ich bekomme schon beim leisesten Luftzug das Bedürfnis, alle Fenster im Umkreis von drei Kilometern zu schließen. Ich weiß, völlig irrational... aber so ist das eben.

Immerhin durfte ich danach noch ein wenig liegen bleiben. Gegen 10:40 Uhr ging unser Zug Richtung Königstein.
Von dort starteten wir unsere kleine Runde auf den Lilienstein. Ganz klassisch über den Kirchweg zum Nordaufstieg. Der Weg wird zum Schluss ja immer spannender, wenn die Eisenleitern auftauchen. Oben angekommen ging es natürlich erst einmal links herum über sämtliche Aussichtspunkte. Das Wetter war einfach perfekt und die Fernsicht traumhaft.

Unser Ziel war schließlich wieder unser Lieblingsplatz an der Drachenhöhle. Dort wurde dann gnadenlos alles vernichtet, was unsere Rucksäcke hergaben. Brote, Obst, Snacks... nichts überlebte die Mittagspause. Der schönste Nebeneffekt: Die Rucksäcke wurden endlich leichter.

Irgendwann meldete sich bei Katrin dann allerdings ein anderes Bedürfnis...
Direkt an der Gaststätte wäre das Problem eigentlich ganz einfach zu lösen gewesen. Allerdings hing dort ein Schild: Toilette für Nichtgäste: 2,00 €.
Zwei Euro.
Für einmal Pipi.
Ich musste das Schild bestimmt dreimal lesen. Für den Preis hätte ich eigentlich erwartet, dass man anschließend noch ein Handtuch gereicht bekommt, sanfte Klaviermusik läuft und einem jemand zum Abschied einen Gutschein für den nächsten Besuch in die Hand drückt. Vielleicht gibt es dort beheizte Klobrillen aus Gold oder das Toilettenpapier besteht aus Kaschmir. Anders kann ich mir den Preis kaum erklären.

Katrin entschied sich deshalb für die deutlich günstigere Variante: ein lauschiges Plätzchen zwischen Blaubeerbüschen und Tannennadeln. Die Natur verlangt schließlich keinen Eintritt.

Danach ging es bei bestem Wanderwetter wieder hinunter Richtung Königstein.

Unterwegs kamen wir an einer urigen Gaststätte vorbei. Katrin meinte noch: "Die müssen wir uns mal anschauen."
Kaum standen wir dort, wurden wir auch schon angesprochen.
"Habt ihr zufällig zwei Pferde gesehen?"
Äh... bitte was?
Offenbar waren zwei Pferde mit Halfter verschwunden. Wie genau man zwei komplette Pferde verliert, erschloss sich uns zwar nicht so ganz, aber gut. Die Besitzerin – ein junges Mädel, das aussah, als käme sie direkt aus dem Mittelalter – suchte sie überall. Also wurden wir kurzerhand zu ehrenamtlichen Pferdedetektiven befördert.

Von da an hielten wir bei jedem Gebüsch, jeder Wiese und jedem Waldstück Ausschau nach zwei herrenlosen Pferden.
Leider ohne Erfolg.
Bis zur Fähre... nichts.
Auf der Fähre... ebenfalls nichts.
Wir sollten anrufen, falls wir welche entdecken würden.

Später meinte Katrin noch ganz trocken:
"Eigentlich könnten wir auch anrufen und sagen, dass wir bis Bad Schandau gelaufen sind und auch keine Pferde gefunden haben."
Der Gedanke hatte durchaus Charme.

An der Fähre lernte Katrin dann noch eine Rentnerin aus Leipzig kennen. Die Überfahrt nach Krippen dauert gerade einmal zwanzig Minuten.
In diesen zwanzig Minuten schaffte Katrin es allerdings, der netten Dame gefühlt unsere gesamten letzten 26 Jahre zu erzählen. Natürlich inklusive sämtlicher empfehlenswerter Wanderungen, besonders derjenigen, die auch mit etwas weniger Kondition noch gut machbar sind. Schließlich war die Dame auf der Suche nach schönen, aber nicht allzu anstrengenden Touren. Ich wurde nur einmal nach einer Buslinie befragt.

Als wir in Krippen anlegten, war das Gespräch eigentlich noch lange nicht zu Ende.
Katrin hätte die Fähre am liebsten direkt bis Hřensko weiterfahren lassen. Nicht wegen der Landschaft...

...sondern damit sie ihre Wanderberatung in aller Ruhe hätte abschließen können.

Eure Sandsteinjäger 

Mittwoch, 8. Juli 2026

Ausschlafen deluxe, Phoenix-Wald und der St.-Pauli-Zwischenfall

Heute war erst einmal Ausschlafen angesagt. Naja... zumindest eine halbe Stunde länger. Was für ein Luxus! Das hatte allerdings einen ganz einfachen Grund: Wir wollten nicht mit dem völlig überfüllten Bus nach Schmilka fahren. Katrin hatte das anfangs zwar vorgeschlagen, aber nachdem wir gestern gesehen hatten, wie voll das Teil war, entschieden wir uns für die deutlich entspanntere Variante. Also ging es mit der Bahn bis Hirschmühle – ganze acht Minuten Fahrzeit. Länger hätten wir wahrscheinlich gebraucht, um uns über den Bus zu ärgern.

Der Zug war pünktlich (ja, das soll tatsächlich vorkommen) und auch die Fähre nach Schmilka legte erfreulich schnell ab. Gut so, denn auf der Elbe pfiff ein ordentlicher Wind. Während alle anderen geschniegelt und gestriegelt in Jacken dastanden, hatte ich natürlich nur kurze Sachen an. Frisch war gar kein Ausdruck.

In Schmilka bogen wir direkt auf den neuen grenzüberschreitenden Wanderweg Richtung Prebischtor ein. Den ersten Abschnitt kannten wir bereits, doch der neu angelegte Teil führte mitten durch das Gebiet der verheerenden Waldbrände von 2022. Was dort gerade entsteht, ist wirklich beeindruckend. Wie Phoenix aus der Asche wächst langsam ein neuer Wald heran – unzählige Birken schießen aus dem Boden. Gleichzeitig eröffnen sich Aussichten, die es früher hinter dichtem Wald gar nicht gab. Zirkelstein, Kaiserkrone, Zschirnstein und sogar der Schneeberg lagen plötzlich wie auf einem Präsentierteller vor uns. Faszinierend zu sehen, wie sich die Natur ihren Platz Stück für Stück zurückholt.

Je näher wir dem Prebischtor kamen, desto mehr Menschen tauchten auf. Am eigentlichen Wanderwegeingang herrschte schon ordentlich Betrieb und die meisten kamen uns bereits wieder entgegen. Der Weg zog sich allerdings noch ganz schön. Ein langer Sandweg ohne Schatten, ohne Baum, ohne Strauch – einfach immer weiter bergauf. Früher war das deutlich gemütlicher und vor allem wesentlich leerer. Mittlerweile erinnerte mich das Ganze ein wenig an die Bastei. Nur mit dem Unterschied, dass man dort bequem mit dem Auto vorfahren kann. Hier müssen eben alle denselben Weg hoch und wieder runter, weil der Gabrielensteig nach wie vor gesperrt ist.

Irgendwann wechselte der Sandweg in einen Granitweg, der seine besten Tage offensichtlich auch schon hinter sich hatte. Spätestens dort bekamen die Badelatschen-Stadtameisen ernsthafte Schwierigkeiten. Während wir weiter munter bergauf marschierten, wurde hinter uns gestolpert, balanciert und geflucht.

Oben angekommen lugte schließlich zwischen den Menschenmassen auch das Prebischtor hervor. Erst einmal zur Kasse. Knapp fünf Euro pro Nase kostet der Spaß inzwischen. Einige Familien drehten sofort wieder um – bezahlen wollten sie nicht. Nun ja, die Regeln machen andere. Wir gönnten uns dafür erst einmal die Aussicht und vernichteten unsere kompletten Essensvorräte.

Danach standen noch die weiteren Aussichtspunkte auf dem Programm. Vorher musste Katrin allerdings noch das örtliche Katakombenklo besuchen. Ihr Originalkommentar danach: "Die fünfzig Meter hin und zurück habe ich ohne zu atmen geschafft." Der Geruch muss also... nachhaltig gewesen sein.

Und dann passierte es.

Ich hatte mir gerade einen perfekten Fotostandpunkt gesucht, kniete auf dem Boden und konzentrierte mich voll auf das Prebischtor. Plötzlich höre ich neben mir einen Mann sagen: "Ich habe einen St.-Pauli-Aufkleber gesehen."
Ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken, kam von mir nur ein trockenes: "Abreißen!" Er musste lachen. Sie eher nicht.

Sie fragte sogar noch einmal nach und meinte dann ganz empört, so ein Aufkleber sei doch toll. Ich hielt es für klüger, keine weitere Diskussion zu eröffnen, packte wortlos meine Kamera ein und zog mit Katrin weiter. Wenig später liefen die beiden an uns vorbei und ich hörte nur noch den Kommentar: "St.-Pauli-Hasser."

Na gut... wenn sie deswegen den ganzen Abend wach liegt, soll es eben so sein. Sie wusste ja schließlich nicht, wo ich herkomme. Sonst hätte sie vermutlich noch ein größeres Fass aufgemacht.

Anschließend traten wir den Rückweg Richtung Hřensko an. Unten angekommen stand tatsächlich gerade ein Bus bereit. Perfektes Timing! Also rein und mit unseren hervorragenden Tschechischkenntnissen:
"Zweimal Hřensko." "Three Euro."
Katrin legte zwei Euro hin und wollte gerade den dritten zusammensuchen. Der Busfahrer winkte nur lächelnd ab und schickte uns nach hinten.

Na dann... Dankeschön!

Gefühlt 10 Minuten später waren wir schon in Hřensko. Katrin wollte natürlich noch schnell an einem Asiastand stöbern. Im Mittelpunkt stand diesmal ein Vogelhaus. Zwanzig Euro sollte das große kosten. Nach kurzer Begutachtung durfte es aber dort wohnen bleiben.

Von Hřensko liefen wir gemütlich im Stechschritt zurück nach Schmilka und nahmen von dort den Bus nach Bad Schandau. Direkt vor dem "Franz" stiegen wir wieder aus, gönnten uns unser Abendessen und schmiedeten bei Essen und Getränken bereits die Pläne für den nächsten Wandertag.

Unterm Strich standen heute rund 16 Kilometer und knapp 900 Höhenmeter auf der Uhr. Also praktisch ein kleiner Nachmittagsspaziergang. Spaß.

Eure Sandsteinjäger