Für heute waren weit über 30 Grad angekündigt. Also genau das Wetter, bei dem vernünftige Menschen den Sonnenschirm aufspannen, den Ventilator auf Stufe "Orkan" stellen und sich höchstens bis zum Kühlschrank bewegen. Aber vernünftig waren wir bekanntlich noch nie.
Interessant ist ja immer wieder, wie unterschiedlich das Wetter hier in den Tälern ausfällt. Im einen Dorf könnte man meinen, man lebt in einem Backofen, zwei Kilometer weiter zieht plötzlich ein Lüftchen durch. Man braucht also manchmal einfach Glück. Heute hatten wir... nennen wir es einmal "Erfahrung".
Da aktuell montags wegen der aktuellen Linienänderungen der Bahn hier sowieso nichts fährt, fiel die Entscheidung leicht: Wandern! Der übliche Verdächtige sollte es werden – der CDF-Weg von Krippen nach Schöna. Eine Tour, die wir schon unzählige Male gelaufen sind und eigentlich fast im Schlaf finden würden.
Kaum traten wir allerdings aus der Haustür, gab der gelbe Stern am Himmel alles, was er im Sortiment hatte. Die ersten Stufen hinauf zum Wanderweg reichten bereits aus, um sich zu fragen, ob man nicht doch besser wieder umdrehen sollte. Zwar lag der Einstieg noch im Schatten, doch der Wald hatte sich in eine angenehm... nein, streichen wir das... in eine leicht schwülwarme Sauna verwandelt.
Und immer dort, wo die Bäume fehlten, knallte die Sonne erbarmungslos auf den Schädel. Man hatte zeitweise das Gefühl, die eigenen Synapsen würden langsam anfangen zu köcheln.
Das Gemeine an solchen Tagen ist ja: Das dicke Ende kommt meistens erst gegen 14, 15 oder 17 Uhr. Man läuft also stundenlang durch den Vorheizmodus, bevor der eigentliche Backvorgang beginnt.
Eigentlich müssten wir heute die einzigen zwei Doofen gewesen sein, die freiwillig mit Rucksack durch die Gegend marschieren. Jeder Mensch mit etwas Grips bleibt bei solchen Temperaturen zuhause, schleppt nicht sein Gepäck auf irgendeinen Aussichtsfelsen, anschließend wieder herunter und freut sich danach auch noch darüber, dass er sein T-Shirt bereits zum dritten Mal wechseln darf.
Dachten wir zumindest.
Zu unserer Überraschung begegneten uns tatsächlich noch einige andere Gestalten, die offensichtlich dieselbe brillante Idee gehabt hatten. Alle sahen mehr oder weniger gleich aus: leicht verzweifelt, gut durchgegart und mit diesem Blick, der fragte: "Warum machen wir das eigentlich?"
Der vor zwei Jahren offiziell eingeweihte CDF-Weg, den wir übrigens schon Anfang der 2000er gelaufen sind – damals mussten wir ihn stellenweise noch selbst freischneiden – beginnt inzwischen langsam wieder der Natur zu gehören. Birken wachsen munter auf den Weg, einige Schilder wurden kreativ beschmiert. Willkommen in der Realität. Mal sehen, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt. Eigentlich ist diese Runde für uns immer ein gemütlicher Einstieg gewesen. Heute fühlte sie sich eher nach einem Survival-Kurs an.
Oberhalb des Aschersteigs tauchte schließlich die Kaiserkrone im dunstigen Sommerlicht auf. Wunderschön anzusehen – allerdings auch wunderschön aufgeheizt.
Am Fuß des Berges legten wir erst einmal eine längere Pause ein. Kleidung trocknen, etwas trinken, philosophieren und überlegen, ob das mit der Kaiserkrone wirklich eine gute Idee sei.
Für Katrin gab es da allerdings keine Diskussion. Das Tagesziel stand fest.
Also Aufmarsch!
Der Anstieg ging erstaunlich flott, doch oben wartete die eigentliche Überraschung. Die Metallgeländer hatten ungefähr die Temperatur einer Herdplatte auf höchster Stufe. Die Treppen strahlten die Hitze förmlich zurück, und wer die Geländer ohne nachzudenken anfasste, wusste sofort wieder, warum Reflexe überlebenswichtig sind.
Oben versuchten wir trotzdem einen Rundblick zu genießen und quetschten uns anschließend unter eine einzelne Kiefer. Dort ging tatsächlich ein kleines Lüftchen. Also... zumindest genug, um sich einzureden, dass es etwas kühler geworden sei.
Beim Abstieg hatte ich eigentlich genug. Mein Plan war klar: Ab ins Dorf und direkt zum Bus.
Katrin hatte allerdings andere Pläne.
Mit bemerkenswerter Überzeugungskraft schaffte sie es, mich noch zum Wolfsberg zu lotsen. Natürlich nicht auf direktem Weg, sondern mit einem schönen Umweg – immerhin größtenteils im Schatten. Also stapften wir weiter bis zum Panoramahotel Wolfsberg.
Die Bedienung war heute etwas gemütlicher unterwegs. Unter normalen Umständen hätte man vielleicht ungeduldig auf die Uhr geschaut. Heute war das eher ein Geschenk. So konnte man langsam wieder herunterfahren, den Puls in normale Bereiche bringen und einfach sitzen bleiben.
Das Essen war wie immer sehr gut, reichlich und erfreulich preiswert.
Nun begann allerdings der spannendste Teil des Tages. Der letzte Bus ab Reinhardtsdorf fuhr um 17:59 Uhr. Den wollten wir auf keinen Fall verpassen. Also marschierten wir zügig zurück Richtung Bushaltestelle, immer mit einem Auge auf die Uhr. Diesmal passte alles perfekt.
Pünktlich stiegen wir in den Bus und ließen uns die letzten Kilometer gemütlich zurück nach Krippen fahren.
Um 18:10 Uhr standen wir wieder im Ort. Das Thermometer zeigte dort immer noch stolze 29,8 Grad.
Es gibt Tage, an denen fragt man sich ernsthaft, warum man sich das antut.
Und dann gibt es genau diese Tage, über die man später am liebsten erzählt..
Eure Sandsteinjäger