Es gibt Urlaube, in denen man sich am Ende fragt, was man eigentlich gemacht hat. Und dann gibt es unseren Juli. Nach zwei Wochen war klar: Wir hätten eigentlich Anspruch auf Schmerzensgeld, einen Orden für Tapferkeit und mindestens eine Ehrenmitgliedschaft beim Deutschen Wetterdienst.
Los ging alles noch recht harmlos. Zumindest glaubten wir das. Doch schon bald entwickelte sich der Urlaub zu einer Mischung aus Hitzeschlacht, Felsenkletterei, Busfahrplänen, Fährfahrten und Begegnungen mit Menschen, bei denen man sich fragt, ob sie eigentlich auch nur für unsere Geschichten existieren.
Das Wetter zeigte sich dabei ausgesprochen kreativ. Morgens drohten Gewitter, mittags brutzelte die Sonne mit weit über 30 Grad, nachmittags suchten wir jeden noch so kleinen Schattenfleck wie Goldgräber ihre letzte Nuggetader. Wir wanderten längst nicht mehr von Aussicht zu Aussicht – wir hangelten uns von Schatten zu Schatten.
Trotzdem wurden ein Gipfel nach dem anderen, Stiegen, Schluchten und Aussichten eingesammelt. Mal gemütlich, mal schweißtreibend und manchmal mit der leisen Frage im Hinterkopf, ob der Erfinder dieser Wege eigentlich jemals selbst dort hochgelaufen ist.
Dazwischen sorgte Katrin immer wieder dafür, dass aus normalen Alltagssituationen kleine Geschichten wurden. Mal spielte sie den hilfsbereiten Samariter, mal wurde sie zur Testerin neuer Wanderschuhe, die – wie sich herausstellte – nicht nur bequem waren, sondern sogar den Stammbaum der Kuh verrieten, aus deren Leder sie gefertigt wurden. Dass wir Jahre zuvor ausgerechnet in dem Ort gegessen hatten, aus dem diese Kuh stammte, konnte natürlich kein Zufall sein. Im Sandsteinuniversum hängt eben irgendwie alles zusammen.
Auch die Technik machte ihren Beitrag. Busse fuhren erstaunlich pünktlich, Fähren brachten uns zuverlässig über die Elbe und selbst Aufzüge entwickelten plötzlich Persönlichkeiten. Manche Menschen schienen ihren Fahrstuhl mit einer Hingabe zu bewachen, als hätten sie ihn eigenhändig konstruiert und würden ihn täglich liebevoll polieren.
Kulinarisch blieb ebenfalls niemand auf der Strecke. Eis, Bäckereien und Gaststätten halfen zuverlässig dabei, die verlorenen Kalorien sofort wieder aufzufüllen. Schließlich muss der Körper für die nächsten tausend Höhenmeter vorbereitet werden.
Für Unterhaltung sorgte aber nicht nur die Landschaft. Irgendwo spielte ständig Radio Paloma. Kaum glaubte man, endlich in der Ruhe des Elbtals angekommen zu sein, erklang aus irgendeiner Ecke wieder der nächste Schlager. Spätestens beim Sommerfest in Postelwitz war klar: Gegen diese musikalische Dauerbeschallung hilft weder Gehörschutz noch Flucht in die tiefste Schlucht der Sächsischen Schweiz. Irgendwo singt immer jemand von Liebe, Herzschmerz oder einer Marina.
Als wäre das alles nicht genug, kreisten nachts Hubschrauber über dem Tal, tagsüber flitzten Eidechsen über die Felsen und selbst die kleinen Missgeschicke am Frühstückstisch entwickelten sich zu ausgewachsenen Abenteuern. Eigentlich musste gar nichts Spektakuläres passieren – wir brauchten nur loszugehen, und der Tag schrieb seine Geschichte fast von allein.
Das Schönste an diesen ersten zwei Juliwochen war jedoch etwas ganz anderes. Es waren nicht die Gipfel, nicht die Kilometer und auch nicht die Höhenmeter. Es waren die unzähligen kleinen Momente dazwischen: das gemeinsame Lachen, die absurden Zufälle, die Begegnungen unterwegs und dieses Gefühl, dass hinter der nächsten Wegbiegung garantiert wieder etwas wartet, worüber man abends schreiben kann.
Unser bisheriges Fazit fällt deshalb eindeutig aus: Die Sächsische Schweiz hat uns erneut gezeigt, dass Abenteuer nicht spektakulär sein müssen. Manchmal reichen ein heißer Sommertag, ein paar Sandsteinfelsen, gute Wanderschuhe, eine Portion Humor und irgendwo im Hintergrund ein Schlager von Radio Paloma. Mehr braucht es nicht, damit aus einem Urlaub wieder einmal eine ganze Sammlung neuer Sandsteinjäger-Geschichten wird.
Eure Sandsteinjäger