Diese Tour hatten wir anders geplant und sollte eigentlich
von Graal-Müritz über Barth wieder zurück nach Graal-Müritz führen. Ich konnte
am PC die Route nachvollziehen und kam auf eine satte Strecke von 92
Kilometern. Das war heftig und ich schmiedete den Plan von Wieck aus mit der
Fähre nach Bodstedt zu fahren und somit die Strecke um 20 Kilometer zu
verkürzen. Zwar gab es keine Steigungen und schlechte Straßen, aber dennoch
wollte ich keine Riesentour mit Micha unternehmen. Der würde mir noch
zusammenbrechen und ich wäre schuldig.
So fuhren wir durch Graal-Müritz in Richtung Strand. Hier
ging es weiter immer unterhalb der Düne. Die Ostsee konnten wir riechen aber
nicht sehen. Anstatt das wir mal die Seite wechselten um auf das Meer zu
schauen, jagten wir über den Radasphalt. Die Strecke war nicht voll, aber immer
wieder hatten wir Probleme zu überholen. Selbst wenn man nebeneinander fährt
kann man doch Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen. Dann wird man
auch noch schief angeschaut wenn man schneller ist als, und sich vorher
bemerkbar macht. Damit aber muss man wohl leben solange es Touristen auf dieser
viel besuchten Halbinsel geben wird. In Windeseile waren wir in Wustrow. Wir
fuhren durch das alte Wohngebiet von Wustrow mit all seinen kleinen Häuschen
und kleinen Gassen. Weiter ging es dann über den Deich nach Born. Von hier aus
hatten wir einen tollen Blick auf den Bodden. Leichter Nieselregen begleitete
uns bis nach Born. Ab hier schien dann die Sonne und heizte uns bis Wieck ein.
Der Ort war gut gefüllt, aber trotzdem konnten wir uns noch frei bewegen. An
einem Festplatz in Wieck war buntes Treiben angesagt und wir konnten hier unser
Fischbrötchen genießen. Wir hätten auch schon ab Born die erste Fähre nach
Bodstedt nehmen können, aber das war uns zu früh und so fuhren wie gesagt
weiter nach Wieck. Dort erlebten wir den Spaß des Jahrhunderts. Zwar war ich
mit zwei Kameras gut bestückt, jedoch waren wir beide so geschockt, dass wir es
beide vergessen haben. Das wäre der Youtube-Knaller der Woche gewesen. Die
Geschichte begann so, dass jemand mit seinem Zeesenboot ablegen wollte. Sein
Boot lag genau an der Hafeneinfahrt. Praktisch gesehen, Motor an, ablegen, raus
fahren und ab geht’s. Er machte nur einen bösen Fehler, auf den auch viele
weitere folgten. Der Wind drückte in den kleinen Hafen und die Segel waren
gesetzt. Zu guter letzt löste die Mitfahrerin das Seil am Bug. Gleichzeitig
drückte der Wind in die Segel und das Boot drehte sich quer in die
Hafeneinfahrt. Der Sonntagskapitän versuchte nun sein Schiffchen mit aller
Gewalt wieder in die richtige Richtung zu bringen. Vollgas rückwärts und Ruder
in die falsche Richtung – Vollgas vorwärts und Ruder wieder falsch. Er war dann
so mit seiner Sache beschäftigt, dass er die Länge seines Bootes unterschätzte
und mal rückwärts in ein anderes Boot fuhr. Vorwärts ebenso. Jetzt wurde es
laut und die Scharen bewegten sich zum Ufer, um zu zusehen wie der Depp im
Hafen seine Schüssel versenkt und vorher seine Schnecke über Bord schmeißt.
Dreimal noch fuhr er gegen andere Schiffe. Der Wind hatte es nun geschafft (er
auch), dass sein Boot nun am Ende des Hafens angelangt war. Mehrere male wurde
er aufgefordert seine Segel herunter zu nehmen und es dann zu versuchen. Er
machte sich dann auf und Frauchen ging an Steuer. Das war dann der Gau, denn
sie ließ den Kahn dann gleich ohne Gas zu geben direkt in den Nachbarn ballern.
Jetzt wurden an Land Wetten angenommen ob er es noch heil aus dem Hafen
schafft, ob er überhaupt einen Schein hat, bzw. das es nicht mal sein Boot sei.
Mit einem Kopfschütteln betraten wir unsere Fähre und konnten dann später sehen
wir es wirklich geschafft hatte das Boot aus dem Hafen zu kriegen. Da nun
später auch starker Regen aufkam und der Wind für ihn sehr ungünstig stand,
denken wir heute noch an ihn. Er wird es an diesem Tag sicherlich nicht mehr in
den Hafen geschafft haben.
Wir indes machten nach einer halben Stunde auf der anderen
Seite fest. Ich wurde mit meiner Helmkamera begutachtet als sei es wirklich
immer noch etwas Außergewöhnliches. Ich machte dem Bootsmann jedoch klar, dass
dies nur meine Zielvorrichtung sei, um Pedelecfahrer von der Bahn zu schießen.
Er nickte wohlwollend ab.
Der Himmel zog sich langsam wieder zu und wir mussten nun auch
noch gegen den Wind fahren, der aus Süd-Westlicher Richtung kam. Es dauerte ein
Weilchen bevor wir richtig in den Tritt kamen. Problemlos konnten wir hier die
Straßen befahren, ohne Angst zu bekommen überfahren zu werden. Was blieb uns
auch übrig. Waldweg gab es erstmal nicht. Erstmal.
Es ging durch Neuendorf und weiter und weiter. An einem
Hafen konnten wir, während es regnete, unser Mittagessen genießen.
Kartoffelsuppe mit Würstchen.
Nun mussten wir auch weiter, denn die Zeit drängte. Zwar
fuhren die Züge ab Graal-Müritz alle Stunde, aber der Zug um 19.00 Uhr musste
geschafft werden. So schnurrten wir nun unsere Kilometer ab und kamen Ribnitz
immer näher. Plötzlich eine Schlechtwetterfront vor uns, die wir genau
ausmachen konnten. Sie kam genau auf uns zu. Wir bogen ab in Richtung
Langendamm, einem ruhigen verschlafenen Ort und konnten uns hier in dem
Vereinshaus unterstellen. Wir hatten jetzt wieder Pause und naschten unsere
Provianttüten weg. Als es etwas heller wurde machten wir uns wieder auf, um
dann doch noch in den Regen zu fahren. Wir warteten kurz und zogen uns um.
Während dessen faselte Micha irgendwas von klingeln und großen Hupen. Mein
Gott. Dem fehlte wohl etwas Abkühlung. Jetzt ging die Party richtig los.
Anfangs ungemütlich, hinterließen wir nun unsere Spuren im nassen Asphalt. Dabei
versuchte sich die Sonne zu zeigen. Der Horizont wurde heller und heller. Der
Regen war warm und daher machte es uns auch nichts aus weiter zu fahren. Das
Zentrum umfuhren wir jedoch wie schon besagt. Es ging direkt noch mal zum
Saaler Bodden heran. Die Elektro-Musik aus Pütnitz wurde immer lauter.
Irgendwann quälten wir uns auf den Panzerplatten entlang und entkamen so wieder
dem Wald, der nur meinen nassen Bremsen zu schaffen machte. Das mischte sich
nun mit feinem Sand und hobelte den Bremsstein glatt. So langsam aber bekamen
wir es mit der Angst zu tun. Ich selbst wollte den Zug ab Graal-Müritz nehmen,
wollte aber andererseits natürlich nicht auf diese tolle Landschaft am Saaler
Bodden verzichten. Ich spreche also von der Umleitung, welche aber wiederum
eine Umfahrung des Regenzentrums war. Was soll man sagen.
Jetzt kamen wir Ribnitz im vollen Tritt immer näher und als
wir endlich durch waren, war uns eigentlich klar das wir den Zug um 8 nehmen
müssten. Vielleicht hätte man es dann doch schaffen können, aber da waren ja
noch die Mädels. Dessen Anruf kam ja prompt, als wir immer noch nicht zu Hause
waren. Es wurde schon gewartet. Das brachte uns aus dem Tritt und dann kam noch
die Bemerkung, dass angeblich der Zug um 8 nicht fährt. Ups. Sollte ich so dämlich
sein? An alles hatte ich gedacht. Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen.
Die Mädels riefen wieder durch. Es war nun kein Konzept mehr drin. Kein Tritt
kein Antrieb. Sie wollten uns nun abholen. Na ja, wenn es denn sein muss. Ich
war mir aber völlig unsicher ober der Zug wirklich fuhr. Aber wenn da der
Konjunktiv nicht sein würde. Angekommen in Graal-Müritz ca. 10 Minuten nachdem
der Zug abgefahren war, machten wir uns gleich an die Abfahrtstafel und siehe
da, der Zug sollte wirklich fahren. So hatte ich es mir gedacht. Während wir
dann Scherze machten und die Mädels dann auch auf den Parkplatz fuhren, fuhr
wiederum der Zug in den Bahnhof. Jetzt hatten wir wieder freie Wahl, obwohl der
Micha liebend gern mit dem Zug gefahren wäre, er nahm jetzt das Auto das ihn
bis vor die Haustür fuhr.
MfG Christoph