Bereits um 3.30 Uhr sind wir aus dem Bett gestolpert wie zwei übernächtigte Abenteurer, die sich versehentlich für eine Expedition zum Südpol angemeldet haben. Um 4.00 Uhr saßen wir schon im Auto, noch halb im Traum, aber fest entschlossen, die Welt zu bezwingen. Die Autobahn lag ruhig vor uns und wir hatten eine erstaunlich gute Pace, die uns selbst beeindruckt hat. Natürlich ohne Raserei, denn wir wollten nicht als frühmorgendliche Asphaltrowdys enden. Nach exakt 4 Stunden und 51 Minuten standen wir schließlich in Kritzschwitz am Obstbauernhof, diesem sagenumwobenen Ort, an dem wir früher immer vorbeigefahren sind, als wäre er ein streng bewachtes Geheimprojekt.
Heute jedoch haben wir ernst gemacht und die Sache gründlich unter die Lupe genommen. Wir haben zu erst unser Proviant vertilgt wie zwei hungrige Waldkobolde und uns dann durch die einheimischen Produkte des Markts gestöbert, vom Apfel bis zum Bier. Dabei fragten wir uns, warum es eigentlich keine Bananen gibt. Vielleicht ist sie hier nicht regional genug oder sie hat einfach Urlaub.
Danach ging es weiter Richtung Königstein zum Edeka, Vorsicht Schleichwerbung. Dort fühlten wir uns wie zwei Undercover-Agenten, die streng geheime Lebensmittelmissionen erfüllen. Anschließend fuhren wir zum Bahnhof für den Wochenkartenvorverkauf, der sich als erstaunlich kompliziert herausstellte. Fahrscheine werden nämlich nur noch mit festem Anfangsdatum verkauft und Fahrpläne gibt es ausschließlich per QR Code. Und hier beginnt das eigentliche Drama. Dieser QR Code ist offenbar der neue Gott des öffentlichen Nahverkehrs. Ohne Smartphone bist du ab sofort ein Bürger zweiter Klasse, der Busse nur noch vom Hörensagen kennt. Was für ein Blödsinn. Der QR Code entscheidet inzwischen sogar, welche Busse existieren dürfen, denn einige fehlten einfach in der Übersicht, die wir herunterladen wollten. Wenn man die Fahrpläne dann doch findet, werden sie irgendwo auf dem Handy gespeichert, vermutlich in einem dunklen Datenverlies, wo sie leise kichern und darauf warten, nie wieder entdeckt zu werden. Also mussten wir neu scannen.
Und neu scannen.
Und neu scannen.
Immerhin half am Ende die Wanderapp Mapy, denn dort stehen Busse drin. Wir wussten allerdings nicht, ob das alles stimmt oder ob Mapy einfach gute Laune hatte und uns ein paar Fantasiebusse präsentiert hat. Trotzdem ist die Tour für morgen fertig geplant.
Auch wenn es jetzt ein wenig nieselt und das Wetter durchwachsen sein soll, machen wir das schon. Wir sind schließlich wetterfest wie zwei alte Wanderjacken. Unser Schönheitsschlaf von 15.30 bis 17.00 hat uns wieder in die Kategorie „halbwegs funktionierende Menschen“ katapultiert.
Kuchen und Kaffee gab es ebenfalls schon in der Unterkunft mit Blick auf die Elbe, wo wir kleine gedankliche Rückschauen der letzten Jahre geteilt haben wie zwei nostalgische Philosophen. Jetzt kommt schon wieder der Hunger und gleich essen wir unser frisch eingekauftes Zeug.
Danach wollen wir noch einmal raus. Vielleicht stolpern wir über einen weiteren QR Code. Vielleicht über eine Banane. Wer weiß.
In diesem Sinne: schönen Urlaub ;-).
Eure Sandsteinjäger
Nachtrag: Als wir dann gestern Abend nochmal los waren, um die Karten zu kaufen, trafen wir weder auf QR-Codes oder irgendwelche Bananen. Statt dessen wurden wir auf dem Bahnhof 30 Jahre zurück versetzt. Irgendwann in das Jahr 1987. Ein Bahnhof in einer Ostdeutschen Provinz, Fahrkartenschalter bereits seit 15:00 Uhr zu. Stille, Leere, Einsamkeit. Woher den Zugfahrschein jetzt nehmen? Also nach der Wende waren wir doch echt verwöhnt worden, überall wurden Automaten aufgebaut und man konnte einen Fahrschein nach Berlin über Bonn und Bentwisch kaufen. Das gibts jetzt nicht mehr. Der Automat war weg. Alles nur noch digital? Ich will Papier und dann abstempeln!!! Und warum steht neben dem Automaten, der nicht mehr da ist, ein Entwerter? Die Digitalisierung in ihrem vollem Lauf - wir sind gespannt ob der Busfahrer heute noch Bargeld annimmt.