Wieder war es mal einer dieser letzten Tage. Wie so oft wollten
wir noch mal einen Knüller setzen, einen Schlusspunkt, einen richtigen Burner, einen Brüller.
Ich wollte in das Khaatal, Katrin wollte nochmal in die Schrammsteine, genau
gesagt über den Gratweg. Katrin hatte gewonnen. Der Aufstieg über den Obrigensteig bis zum Schrammtor
war gar nicht so beschwerlich, obwohl wir schon jetzt über 110 Wanderkilometer
auf dem Buckel bzw. an den Füßen hatten.
Der Weg war ziemlich leer, dass wir
dachten man könne heute mal in ruhigen Zügen den Gratweg genießen. Im
Gegenteil, um so höher wir kamen, um so voller wurde es auf den Wegen. Hinauf
über den Wildschützensteig im Kletterakt. Katrin ging schon jetzt die Muffe.
Doch der Knaller sollte ja noch kommen. Heute ließen wir die
Schrammsteinaussicht aus und marschierten gleich weiter.
Nach kurzer
Verschnaufpause ging es dann endlich los. Anfangs ziemlich schnell, kamen wir
dann an die erste Schlüsselstelle für Höhenängstige. Auf den Gratweg selbst
standen 6 oder 7 Rentner, die sich uneinig waren ob man hier weitergehen
könnte. Einige waren bedient, denn es war denen zu hoch und zu gefährlich,
standen aber immer noch dort und gingen weder vor noch zurück. Die angebliche
Reiseleiterin hatte keinen Plan mehr und suchte vergebens ihre anderen
zurückgelassenen Schäfchen. Wer jetzt wo war, wer wohin wollte und wenn es so
weitergeht hier oben sterben möchte, war Katrin eigentlich scheißegal. Sie
wollte nur durch. Eigentlich geht Katrin bei solchen Aktionen immer vor, damit
ich den Abstand der hinteren Drängler immer sehr groß halte. Dann fühlt sie
sich sicherer. Wir wurden dann angesprochen ob wir durchwollten, wurden aber
dennoch nicht durchgelassen. Dabei machte ich dann den ersten Schritt und ging vor.
Der Weg wurde immer noch „versperrt“ und es wurde sich immer noch gestritten ob
es denn nun weitergeht oder wieder zurück. Plötzlich neue Fragen: „ Kommt man von
hier auch nach Postelwitz?“ Sie hatten doch ihre Reiseleiterin dabei, aber ich
meinte freundlich: „Ja sicher, aber sie müssen dann auch wieder ein Stück zurück, denn
der Wildschützensteig ist eine Einbahnstraße.“ Katrin wollte schon sagen, dass man
von hier auch an die Ostsee kommt. Endlich wurden wir nach einem weitern Zwist der Gruppe durchgelassen. Von der
Reiseleiterin war keine Spur mehr zu sehen. Vielleicht war es auch sie, die
Angst und die Hosen voll hatte. Katrin´s Adrenalinhunger war damit für heute
gestillt. An der Aussicht zur Breiten Kluft vorbei gingen wir zum Domerker.
Eine Aussichtsplattform die nur als Pfad gekennzeichnet ist und nicht
ausgeschildert ist. Welch Vorteil. Hier verweilten wir wieder sehr lange. Diese
Aussicht braucht sich echt nicht verstecken. Wieder mal ein Geheimtipp für uns.
Hinab ging es über das Sandloch, die Katrin leider nicht mehr so Erinnerung
hatte. Steil an einer Holzleiter, ein paar kleine Angstgriffe in der Wand und
nur ein 1 Meter bis zum Abgrund. Auf dem Video sieht es schon sehr lustig aus
wie Katrin die Leiter rückwärts nimmt und nach dem Ende sucht. Am Ende stand
ihr wieder mal Schweiß auf der Stirn. Ha, das war der zweite Kick zum heutigen
Tage, den sie eigentlich nicht mehr wollte.
Nun begann ein kleiner Spurt. Nur
noch 1 Stunde bis zur Vorführung und Ostrau war noch weit. Wir wollten zur
Falknerei nach Ostrau, denn dort begann um 16 Uhr eine Vorführung über seine
Falken, Kautze, Eulen und Steinadler. Wir hatten es pünktlich geschafft und es
war nochmal ein Highlight am heutigen Tage und für jeden zu empfehlen. Am Ende des Tages hatten wir dann schon wieder mal einen neuen Tagesrekord zu verzeichnen. Mit exakt 16 Kilometern und wieder mal 600 Höhenmetern waren wir jedoch nicht so geschafft wie die Tage zu vor. Vielleicht lag es bei mir daran, dass ich die doppelte Tragebelastung nicht hatte.
Eure Sandsteinjäger