Montag, 17. Oktober 2011

Auf in die kalte Saison

In diesem Sommer, der keiner war, fuhren wir mehr durch Schlamm und Pfützen als über trockene Steppen. Dieser Sommer war eine Saison zum Kette ölen. Es wurde mehr geputzt und gereinigt obwohl es nur einen Sinn ergab, den Sinn der Beweglichkeit aller anfälligen Bauteile. Da rüstet man sein Bike Jahr für Jahr auf und während der Fahrten verschwinden die interessanten Schriftzüge auf die man so stolz ist. So viel Geld für teures Material mit schönem Schriftzug. Der verbirgt sich nach 30 Minuten hinter Modder, Dreck und Schlamm. Aber irgendwie fand ich es auch toll. Solch Schlammtouren hatten wir lange nicht. Endlich das tun was wir als Kinder nie durften, und am Ende des Tages ist die Waschmaschine mein bester Freund.
Ich war noch so einige male vor, während und nach starken Regenfällen in unseren heimatlichen Wäldern unterwegs. Mal mit Freunden und mal allein. Jedes mal war es eine wahre Freude ohne langes Suchen überschwemmte Strecken zu durchqueren. Ob das Wasser im Quellental direkt von unten aus der Erde kam, oder uns der Starkregen von oben komplett durchtränkte und die Piste in einen Fluss verwandelte. Egal, wir nahmen es wie es gerade kam – sehr gelassen. Nach dem ich mich zu Hause aufgewärmt und mich wieder mal erholt hatte, wanderte die Fettspritze übers Rad. Nach solch einer Tour knackt und knirscht alles was eine metallische Verbindung hat.
Der Frust sitzt tief. Jetzt kommen wir zudem auch noch in die Zeit der immer kürzer werdenden Tage. Wann soll ich jetzt noch fahren? Ok, am Wochenende wenn es dann passt oder ich die Lust nicht verliere. Und ich will mit dieser mentalen Einstellung im nächsten Jahr das Doberaner Rennen mitfahren? Allein bei dem Engagement sollte ich wohl besser zu Hause bleiben. Trainingsrückstand habe ich zu Genüge.
Doch gab es auch lustige Zeiten. Es war die ersten Sonnenstrahlen nach den stärksten Regenfällen und Überschwemmungen im Land. Nach einer langen Waldtour und übermäßigen Schlammschlacht kamen wir bei bestem Sommerwetter in unserer Raststätte an. Wir wurden mit Staunen und mit leisem Gelächter empfangen. „Schau dir mal das Rad an.“, ich dachte weil es so toll ist und wollte gleich darauf antworten, da kam der zweite Spruch: „wo waren die denn?“, „Boahh sind die dreckig.“ Der Tag sprengte wirklich den Rahmen. Von Helm bis zur Sohle waren wir zwei total eingesaut. Ich wollte meinem Mitfahrer eigentlich nur unseren heimischen Wälder zeigen und zeigen wie wir in M-V MTB fahren. Keine Straßentour und sauber bleiben gibt’s auch nicht. Ich steckte ihn während der Fahrt an und jetzt spielten zwei Kinder im Schlamm. Und so wurden wir zwei dann auch empfangen. Immerhin hat man uns bemerkt. Letztendlich suchten wir uns noch einen Sitzplatz wo uns jeder sehen konnte.
Im Augenblick habe ich nur einen Wunsch: endlich mal wieder eine längere Tour zu unternehmen. Eine Darminfektion, wenig Freizeit, schlechtes Wetter und ein Hinterradproblem machten mir zu schaffen. Das Hinterrad drehte sich schlecht. Fett und Dreck hatten sich festgesetzt. Nachdem ich die Nabe und ihre Innereien komplett entfettet, neu eingestellt und nur noch geölt habe, läuft alles jetzt wieder super. Bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Zu einer Wochenendtour im Oktober wollte ich eine Tour unternehmen, jedoch hat es mich wieder einmal im schönen goldenen Herbst außer Gefecht gesetzt. Eine Woche später zog ich dann mit 8 Leuten durch den matschigen Wald. Wir ließen es richtig krachen. Feuchte und matschige Wiesenabfahrten und steile Waldauffahrten. Alles war wieder dabei. Den Neulingen in der Gruppe, die mit Schutzblech kamen, zeigten wir warum man kein Schutzblech braucht – ganz einfach, weil es ohne mehr Spaß macht. Kurz vor der Fahrt hatte ich mir den 91er Hit "Gonna make you sweat" reingezogen. Wie ich darauf kam, kann ich so recht nicht sagen. Jedenfalls hatte ich den Titel die ganze Zeit im Ohr und ich fühlte mich gut. Wir alle hatten viel Spaß. Nach der Fahrt ließ ich den Dreck am Rad trocknen und ging dann mit einem Kompressor drüber. So bekam ich den feinen Sand aus allen Ecken raus. Der Rest blieb dran - als Tarnung versteht sich, den gestern war es wieder so weit. Treffpunkt beim Fischer um 10 Uhr bei 4°C. Wir trotzten der Kälte und die Sonne gab ihr Bestes. Anfangs zog ich gut mit doch bald verließen mich die Kräfte. Ich erkannte die Gruppe nur noch von hinten. Bergab konnte ich zwar wieder Zeit und Weg gutmachen, doch nach jeder Abfahrt geht’s auch wieder bergauf. So hatte ich lang nicht zu tun. Das einzige was mich noch hielt waren die Ziele die ich mir selbst vorgegeben hatte. Es hatte zwar nicht geregnet doch unsere Lieblingsstellen sollten wohl nicht ausgetrocknet sein. Auch wenn ich öfters weit hinten lag, die Gruppe wartete immer auf mich. Im Kellerswald verloren wir uns einmal, konnten aber via Handy wieder zueinander finden. Ich konnte mich nun etwas erholen. Später ging es dann zum Quellental zum Fitneß-Teller-Essen. Wir haben viel gelacht und ich ließ den Spot meiner heutigen Schwäche über mich ergehen. Meine 4 Kroketten sollten mir den gewissen Energieschub geben. Den brauchte ich für unseren „Schweineberg“, ein kurzer schmaler Kanten mit ein paar tückischen Wurzeln im oberen Drittel. Gewissermaßen verliert man immer mehr an Geschwindigkeit und kriecht den Berg hoch und dann kommen die fiesen Dinger. Oft hatte ich es hier versucht die Ideallinie zu finden. und nie geschafft. Ich begann diesmal die Auffahrt als Erster und schaffte ihn mit letzter Kraft zu bezwingen. Anfangs machten sich einige aus der Gruppe lustig: „… ich warte, denn er schiebt gleich und steht im Wege.“ Die mit der größten Klappe mussten dann schieben während ich schon längst oben war und an meinem Getränk nippte. Ich konnte mich später jedoch revanchieren.
Als letztes wieder einmal auf einem Hügel angekommen, ging es steil in eine Senke. Eine gute 6 Meter unübersichtliche schlammige Stelle machte sich vor mir breit. Während einer links und ein anderer rechts herum schob und ein Mädel vor mir im Sumpf stecken blieb, zeigte ich mit einem gutem Anlauf und einem lauten „Jeepeeeee“ wo mein Reifen die Stollen hat. Endlich hatten die beiden auch mal einen Schwung abbekommen. Ich hab es schön öfters beobachtet wie sie um die Pfützen herumfuhren. Endlich war die Zeit gekommen. Auf unserem Super-Trail jedoch versagten wieder meine Kräfte und ich zog mit unserer Frau, die die Quote an weiblichem Interesse an Mountainbike hochhält, durch diesen „schwierigen“ Teil. Vorbei an gefällten Tannen die hoffentlich bald weggeräumt sind und durch Traktorenspuren hindurch kamen wir als letztes an.
Die Gruppe hatte mich mal wieder an meine Grenzen geführt. Ich fühle es heute noch.

Bis zum nächsten Bericht.
Euer Sandsteinjäger

P.S. Heute bekam ich von meiner Sandsteinjägerin die Nachricht, das wir am 1. Juli in Dresden sein werden. Dort findet das alljährliche Fahrradfest statt. Ich habe mich bereits für die 70 Kilometer-Tour entschieden. Diese hat hat ca. 300 Höhenmeter die in der letzten Hälfte zu bewältigen sind.