Doch dann kam Katrin. Mit dem entschlossenen Blick einer Expeditionsleiterin und der Wochenkarte in der Hand. „Was Kurzes und Leichtes muss her – die Karte muss abgenutzt werden!“ sprach sie, und zack, saßen wir im Ostrauer Aufzug. Hoch ging’s, mit etwas weniger Gepäck als sonst (die Motivation war ja schon schwer genug), über die Ostrauer Scheibe bis zum Wegweiser zur Ostrauer Mühle. Dort, wo die Camper ihre Zelte hüten und der Kaffee morgens nach Abenteuer schmeckt.
Das Wetter blieb seinem Motto treu: „Ich kann auch feucht.“ Immer wieder nieselte es leicht, als wolle der Himmel uns sagen: „Ihr wolltet doch was Kurzes, oder?“ Im Kirnitzschtal wechselten wir die Talseite – ganz unpolitisch, einfach nur dem Weg folgend – und schlenderten den Flößersteig entlang bis nach Bad Schandau. Immer wieder Pausen. Immer wieder: „Ach, hier könnten wir auch einfach sitzen bleiben.“
Die große Pause gab’s am Abzweig zur Dorfbachklamm. Früher sind wir da mal hoch. Damals, als unsere Knie noch nicht bei jedem Höhenmeter protestierten. „Nur für geübte Wanderer“ steht da. Und wir? Halb geübt, halb bequem. Heute? Nein danke. Aber der Gedanke bleibt: Vielleicht mal wieder. Vielleicht.
In Bad Schandau war Oldtimer-Rallye angesagt. Ich hatte die WP im Blick – nicht die Weltpolitik, sondern die Wertungsprüfung. Die Fahrzeuge sollten weiter nach Gohrisch fahren, wir hingegen überlegten: Fahren sie über Krippen? Bekomme ich dort einen besseren Standort? Ich brauchte Licht, viel Licht für meine Unternehmung. Und weniger Touris im Hintergrund. Am Ende landete ich an einer Kurve, wo die Boliden nach der WP wieder losfuhren. Der Hintergrund? Naja. Die Touris? Viele. Aber der Fototerror begann dann um 16:04 Uhr und endete um 17:23 Uhr mit drei komplett vollen Speicherkarten. 159 Fahrzeuge, 158 erwischt. Beim Wechseln einer Speicherkarte ging mir mir einer durch die Lappen – heimlich, still und leise. Verräterisch.
Jetzt heißt es: am PC aussortieren. Scharf aussortieren. Nur das Beste bleibt. Vielleicht landet was auf Instagram. Vielleicht auch nicht. Unsere Wandertour vom heutigen Tage hatte jedenfalls auch ihre 9 Kilometer – und das zählt für die eigentliche Bilanz.
Morgen steht die große Tour an. Alles Überflüssige bleibt zu Hause. Nur das Nötigste kommt mit. Ich fülle noch schnell die Trinkblasen (nein, keine Party, nur Wasser), packe den Rucksack und überlege: Welche Kamera nehme ich mit? Hauptsache, der Rucksack wird nicht wieder zum mobilen Fitnessstudio.
Und bevor ich mich in die Horizontale verabschiede, muss noch etwas gesagt werden: Katrin ist heute und alle anderen Tage ein paar Extra-Kilometer gelaufen. Warum? Weil sie morgens zum Bäcker geht. Und weil sie den Frühstückstisch so liebevoll deckt, dass selbst die Sonne neidisch wäre – wenn sie denn mal erscheinen würde. Das rechne ich ihr hoch an. Sehr hoch.
Gute Nacht, Sächsische Schweiz. Morgen sehen wir uns wieder – mit weniger Gepäck und noch mehr Geschichten. 24 Stunden noch und und dann könnt ihr Euch wieder durchklicken. Viel Spaß.Eure Sandsteinjäger