Das Wetterchen begann so wie gestern. Mit Nebel und Sonnenschein stiegen wir aus dem Bett. Der Wetterbericht sagte wieder gutes voraus. Mit ca. 24°C sollte es heute durch den Tag gehen, doch diese Temperatur hatten wir dann nur im stickigen Zug, der uns nach Mikulasovice brachte. Die Stadt die früher auch das Böhmische Solingen genannt wurde empfing uns wieder mal auf einem Bahnsteig der besonderen Art. Ich glaube die Menschen hier freuen sich nur, dass der Zug überhaupt fährt. Alles andere ist doch egal. Ich selbst will ja auch nicht hier auf dem Bahnsteig meinen Urlaub verbringen, doch irgendwie wird einem schon mulmig wenn man sein Bike in die Hand nimmt und aus dem Zug springen muss, um diese Höhe zwischen Zug und Bahnsteig zu überwinden. Es gibt sogar Bahnhöfe, nein Haltepunkte nenne ich sie, da kann man nur aus der vorderen Tür aussteigen. Der Haltepunkt ist dann halt nicht so lang wie er eigentlich sein sollte. Bei diesen Temperaturen wachsen dort auch alle Arten von Pflanzen und sieht damit aus wie ein Bio-Vorgarten.
Jedenfalls mussten wir nun durch den Ort Mikulasovice. Früher eine reiche Industriestadt, heute ein Ort der an einer Straße liegt. Teilweise stehen hier immer noch schöne alte Häuser an der Straße und ziemlich versteckt an den Hängen. Die Straße führte uns zur alten Messerfabrik wo heute noch immer Messer der Extraklasse verkauft werden. Immer weiter und weiter, als schien der Ort kein Ende zu nehmen, reihten sich nun noch einige Fabriken ein. Die Straße zeigte langsam ihr wahres Gesicht. Stetig ging es nur bergauf, selbst als der Ort nun zu Ende war, war von einer Abfahrt nichts zu sehen. Wir machten Pause an einer Dreifaltigkeitskirche, die auch als Dreieck gebaut worden war. Leider ist dies nur noch eine Ruine, hat aber an Wirkungsgrad immer noch nicht verloren. Es ging jetzt wieder weiter in die nächste Ortschaft und immer weiter bergauf. Ich schaute auf mein GPS Gerät, welches mir dann verriet, dass wir gut 8 Kilometer bereits rauf gefahren sind. Das muss doch irgendwann ein Ende haben? Und wie… Das Schild deutete es an: Bahnübergang und gleichzeitig 12% Gefälle. Was zuerst kommt wäre egal, beides schien gefährlich. Es näherte sich eine Warnbake und dann kam der Übergang. Obwohl alles in Ordnung schien, schaute ich doch lieber mal nach. Dann kam die Abfahrt wofür wir 10 Kilometer lang gekämpft hatten. Das oben beschriebene Gefälle inkl. 2 Doppel-S-Kurven, die mir persönlich auf der schlechten Straße die Tränen in die Augen steigen ließen. Jetzt nur nicht die nächste Abzweigung nach Kopec wegen des starken Adrenalin-Spiegels verpassen. Schnell und kalt war es. Note empfehlenswert. Nun ging es durch den Wald in Richtung Kopec, einem verschlafenen und niedlichem Örtchen, wo der alte Großvater mit der Sense klappert und die Heidi mit den Tieren spielt. Es roch nach Heu. Das war so ein Nest ganz weit weg vom Alltag. Man muss sich nur den Überlebensgeist mitbringen.
Von Kopec aus ging es wieder zur Grenze zurück. Lange fuhren wir durch den Wald der so mystisch war. Bei Daubitz machten wir die große Pause. Es war Mittagszeit. Wir hatten Hunger und ich immer noch Kopfschmerzen. Die Pause tat gut. Aber die Sonne blendete mehr anstatt sie wärmen sollte. Immer noch waren Schleierwolken am Himmel zu sehen und Wind frischte teilweise auf, so dass es an einigen Stellen richtig frisch war. Hinter der Grenze machten wir uns auf nach Hinterhermsdorf, aber nicht die übliche Strecke hinauf, sondern über den Schäferräumicht. Einer Bergauf-Passage, die wir uns wahrscheinlich nicht noch mal vornehmen werden. In einem Schlengelkurs führte uns dieser dann zur Emmabank. Hier pausierten wir dann wieder. Die Sonne blendete mich und der Wind kühlte uns etwas aus. Egal, schön war es trotzdem. Katrin tüftelte an einer neuen Route, die uns zurück nach Schandau führen sollte. Irgendwo in Hinterhermsdorf bogen wir dann links ab und durchfuhren ein kleines Gebiet, in dem man eigentlich nicht mit dem Fahrrad fährt. Das sollte eigentlich so sein und wir halten uns auch daran, doch was Katrin dazu bewegte diesen Weg zu nehmen um abzukürzen, dass weiß ich nicht. Immer Sommer hatte sie sich noch beschwert als wir den Damengrund bei Pötzscha gefahren sind (mit Treppen und wilder Abfahrt). Der allerdings lag nicht in der Kernzone. Aber na ja, wir sind durchgefahren und das war es auch schon. Jetzt hatten wir den Anschluss an den Radweg im Nationalpark erreicht und fuhren an der Kirnitzsch entlang, bis wir dann auch endlich zur Straße kamen, die uns weiter nach Schandau führen sollte. Wir wurden auch immer schneller, denn wir hatten irgendwie Kaffeedurst und ein wenig Appetit. Wir hauten uns den Milchkaffee zwischen die Ohren, also in den Kopf, und verschlangen unser Eis.
Das war es mal wieder für heute und mein Tacho zeigt 45 Kilometer an. Die Höhenmeter bekomme ich noch raus und trag die dann nach.
Das war es mal wieder für heute und mein Tacho zeigt 45 Kilometer an. Die Höhenmeter bekomme ich noch raus und trag die dann nach.
Eure Sandsteinjäger