Dann kam der Nebel. Und zwar nicht so ein bisschen mystisch-romantischer Schleier, sondern die volle Suppe – Sichtweite gleich null, Elbtal im Tarnmodus. Damit war klar: Der Lilienstein würde heute keine Show liefern. Katrin war plötzlich ganz entspannt, fast schon erleichtert. Der Nebel hatte ihr die Entscheidung abgenommen, und das ganz ohne Schuldgefühle. Also blieben wir einfach liegen. Kein schlechtes Gewissen, kein Sonnenaufgang, dafür ein sehr gemütlicher Start in den Tag – um Punkt 9 Uhr, mit warmem Bett und ohne Waldgeräusche.
Unsere eigentliche Tour begann dann ganz zivilisiert mit der Fähre und dem Bus nach Schmilka. Früh, ruhig, fast meditativ – wenn man Meditation mit Wanderschuhen und Müsliriegeln betreibt. Vorbei an der Mühle, rauf zur Zwieselhütte, weiter zum Lehnsteig. Der Lehnsteig ist wie ein Fitnessstudio mit Aussicht – viele Stufen, wenig Strecke, aber dafür ordentlich Höhenmeter. Kilometer macht man da nicht, aber Waden wie aus Granit.
Oben angekommen, ging’s über den Reitsteig und Zurückesteig – ja, der heißt wirklich so, und nein, man geht nicht rückwärts. Am Kleinen Dom gab’s dann die verdiente Pause. Die Aussicht: top. Die Wanderer: bunt gemischt. Von „Ich genieße jeden Schritt“ bis „Wo bin ich und warum schwitzt mein Rucksack?“ war alles dabei. Und trotz geschlossener Gaststätten und gestiegener Preise war ordentlich Betrieb – offenbar ist Wandern das neue Wellness.
Dann kam Katrins Moment: die Treppe am Sandloch. Eine Konstruktion, die aussieht, als hätte ein Huhn mit Höhenangst sie entworfen. Muffensausen inklusive, aber sie hat’s gemeistert – mit Stil und einem leichten Adrenalinkick. Weiter ging’s durch das Sandloch, über den Jordanweg (nein, kein religiöser Umweg) zum Nassen Grund. Dort wartete die Kirnitzschtalbahn – ein Klassiker, der uns zurück nach Bad Schandau schaukelte.
Die zehn Kilometer hatten ihre Spuren hinterlassen – vor allem an den Füßen. Aber was macht man nach einer gelungenen Tour? Richtig: Stadtbummel, neues Wanderaccessoire (man gönnt sich ja sonst nichts), und zwei Döner an der Elbe. Der war nicht nur verdient, sondern auch verdammt lecker. Jetzt ist die Sonne weg, die Beine müde, und der Kopf voller neuer Pläne. Morgen ruft – mal sehen, ob die Wettergöttin diesmal mit uns spielt oder wieder ihr eigenes Drehbuch schreibt.Eure Sandsteinjäger

