Samstag, 11. Juli 2026

Pausentag oder wie man versehentlich ...

... zum Landschaftsgärtner wird.

Eigentlich war der Plan glasklar: Pausentag! Schließlich war Samstag und wir hatten beide so überhaupt keine Lust, irgendwelche großen Unternehmungen zu starten.
Nun ja... zumindest dachte ich das.
Katrin kam irgendwann auf die Idee, in die Stadt zum Shoppen zu fahren. Ich hätte mich – notgedrungen – wohl geopfert und wäre mitgegangen. Doch dann kam der entscheidende Satz:

„Ich geh auch allein.“
Tja... und damit war der Drops gelutscht.

Also setzte sich Katrin in die Fähre und schipperte davon, während ich es mir gemütlich auf dem Hof machte. Natürlich im Schatten – in der Sonne hätte man vermutlich Spiegeleier auf der Motorhaube braten können.

Während ich also versuchte, mich erfolgreich vom Nichtstun zu erholen, begannen unsere Gastgeber damit, den Garten auf Vordermann zu bringen. Hier wurde ein Busch geschnitten, dort der Rasen getrimmt, überall summten und brummten Maschinen.
Ich hielt es ganze zehn Minuten aus.
Dann bot ich meine Hilfe an. Erst nur ein bisschen... ganz unverbindlich... schließlich wollte ich mich ja nicht überarbeiten.

Denkste!

Plötzlich griff ein Zahnrad ins andere und wir arbeiteten im perfekten Team. Jeder wusste irgendwann, was zu tun war, und der Garten verwandelte sich Stück für Stück in eine Vorzeigeanlage.
Die musikalische Untermalung lieferte dabei Paloma Radio. Gefühlt liefen sämtliche Überlebens-Hits der letzten Jahrzehnte einmal komplett durchs Elbtal. Nach dem zwanzigsten Schlager war klar: Entweder das Radio oder ich...
Inzwischen kehrte auch Katrin erfolgreich von ihrer Shoppingtour zurück. Tasche abgestellt, Handschuhe angezogen und im nächsten Moment hing sie kopfüber im Beet und zog Disteln aus, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Zwischendurch durfte ich mir immer wieder anhören:
„Ach, so sieht das also aus, wenn man im Urlaub mal nichts macht...“

Als Paloma Radio schließlich endgültig an meinen Nerven sägte, griff ich kurzerhand zur Heckenschere. Die Rotbuche schrie förmlich nach einem neuen Haarschnitt. Paloma war nun weit weg und kaum zu hören.

Was soll ich sagen? Ein Meisterwerk des Baumschnittes!

Vorher hatte ich bereits den Fliederbusch geschniegelt und gestriegelt – natürlich mit einer frisch geschärften Schere. Weil das Schärfen so gut funktionierte, bekamen die anderen Gartenscheren gleich ebenfalls eine Wellnessbehandlung. Wenn schon, denn schon.

Irgendwann waren wir dann tatsächlich fertig. Körperlich am Ende, aber ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Also Grill an...
...dumm nur, dass keine Kohle mehr da war.

Also nochmal schnell zum Lidl, neue Säcke geholt und dann konnte der gemütliche Teil endlich beginnen.
Am Ende wurde es ein richtig schöner Abend, der sich bis 1 Uhr nachts zog – mit gutem Essen, netten Gesprächen und dem Gefühl, im Urlaub unfreiwillig den Garten des Jahres gestaltet zu haben.

Und morgen?
Mal sehen... entscheiden wir nach dem Aufstehen.
Im Moment wird Erholung jedenfalls ganz groß geschrieben. Wobei wir inzwischen gelernt haben, dass dieses Wort bei uns offenbar eine sehr kreative Bedeutung hat.

Eure Sandsteinjäger 

Freitag, 10. Juli 2026

Luft wie Kartoffelbrei

Manchmal gibt es Tage, die fangen schon so an, als wollten sie einen auf die Probe stellen.
Katrin war schnell zum Bäcker verschwunden und ich dachte mir, den Rest des Frühstücks bekomme ich schon irgendwie hin. Eier ins kochende Wasser – zack, das erste geplatzt. Kurz darauf das zweite. Das Wasser fing an zu schäumen und wollte den Topf verlassen. Mit der linken Hand versuchte ich, das Ei-Chaos einzudämmen, während ich mit der rechten Wasser in die Kaffeemaschine füllte. Vier Tassen sollten es werden. Blöd nur, dass bereits vier Tassen Wasser darin waren. Gleichzeitig kochte noch das Wasser für unseren Thermobehälter für unterwegs.
In meinem Kopf herrschte ungefähr die gleiche Ordnung wie auf dem Herd. Was erledige ich zuerst? Den Tisch decken? Die Eier retten? Die Kaffeemaschine? Das heiße Wasser?
Eigentlich... gar nichts.
Ich stand einfach da und schaute zu, wie das Wasser durch die geplatzzten Eier immer weiter überschäumte. Die Kaffeemaschine war noch immer kalt, als Katrin in der Tür stand und fragte, was dieser Blödsinn hier eigentlich werden sollte.
In diesem Moment fühlte ich mich wie ein Sechsjähriger am ersten Schultag, der gerade erklären muss, warum er seine Hausaufgaben vergessen hat.
Irgendwie ließ sich das Frühstücksdesaster dann doch noch klären. Die Eier waren zwar nicht mehr schön, aber essbar, der Kaffee wurde heiß und wir konnten schließlich doch noch gemütlich frühstücken.
Als wir endlich losmarschierten, stellte ich nach wenigen Metern fest, dass meine Kamera noch zu Hause lag. Also wieder zurück. Am ersten Anstieg angekommen dann die nächste Erkenntnis: Mein Trinkrucksack fehlte ebenfalls. Also... noch einmal zurück.

Und das alles bei einer Luft, die schon verdächtig nach Kartoffelbrei roch. Noch war es nicht unerträglich heiß, aber jeder Schritt ließ erahnen, was der Tag noch bereithalten würde. Meine Hirnzellen schienen sich wie Strohballen langsam von einer Kopfseite auf die andere zu bewegen, während Katrins Füße bereits beim Anmarsch über den Kellerfels ordentlich Feuer meldeten.
Unser Weg führte uns schließlich in Richtung Kleinhennersdorf. Vorbei ging es am Haus des Kurt-Schlosser-Bergsteigerchores, einem Ort, an dem sich Bergsport und Musik seit Jahrzehnten begegnen. Gleich daneben fiel uns ein Gedenkstein ins Auge: „Deutsche Arbeiter-Kaukasus-Expedition 1932/1982“.
Vor dem Haus des Kurt-Schlosser-Bergsteigerchores blieben wir noch kurz an einem Sandsteinrelief stehen. Es erinnert an die 1. Deutsche Arbeiter-Kaukasus-Expedition von 1932. Damals brachen Dresdner und Münchner Arbeiterbergsteiger zu einer außergewöhnlichen Tour in den Zentral-Kaukasus auf und kehrten mit zahlreichen Erstbesteigungen zurück. Fünfzig Jahre später setzte man ihnen hier ein Denkmal. Unsere heutige Expedition fiel zwar deutlich kleiner aus – sie führte weder über Gletscher noch auf Viertausender, doch nach zwei geplatzten Frühstückseiern, zweimaligem Rückmarsch wegen vergessener Ausrüstung und Temperaturen kurz vor Kartoffelbrei fühlten wir uns zumindest im Geiste schon ein wenig als Expeditionsmannschaft.

Weiter ging es bei stetig steigenden Temperaturen in Richtung Kessel, der uns auf den Kleinhennersdorfer Stein führen sollte. Eigentlich wollten wir oben weiter zum Schusterbänkel und anschließend noch zur Riedelaussicht. Doch Pläne sind eben nur so lange gut, bis die Realität dazwischenfunkt. Wegen der eingeschränkten Passierbarkeit von genau fünfzig Prozent unserer Mannschaft mussten wir die ursprüngliche Route etwas einkürzen.

Am Schusterbänkel gönnten wir uns deshalb erst einmal eine ausgiebige Pause. Bei diesen Temperaturen war jeder Schatten willkommen.
Bevor wir den Rückweg antraten, lockten uns noch die namenlosen Felsen oberhalb der Höhlen. Natürlich mussten wir da hinauf. Von oben wurden wir mit einem herrlichen Blick über die Landschaft belohnt. Besonders schön war der Blick hinüber zur Kleinen Hunskirche, die sich zwischen den Felsen versteckt und immer wieder ein lohnendes Fotomotiv ist.
Langsam neigte sich der Nachmittag dem Ende entgegen. Also machten wir uns auf den Rückweg in Richtung Liethenmühle, wo zunächst einmal die dringend notwendige Nahrungsaufnahme auf dem Programm stand. Nach den vielen kleinen Pannen, der Hitze und den zusätzlichen Kilometern schmeckte das Essen gleich doppelt so gut.

Zu Hause angekommen gab es dann nur noch einen Programmpunkt:
Schuhe aus.
Und den Tag mit einem Grinsen abhaken. Denn rückblickend sind es meistens genau diese chaotischen Touren, an die man sich später am liebsten erinnert.

Eure Sandsteinjäger 

Donnerstag, 9. Juli 2026

Auf Pferdesuche

Heute war mal ein Tag, der ganz nach meinem Geschmack begann – wir konnten tatsächlich ausschlafen! So richtig. Kein Wecker, kein Zeitdruck. Herrlich!
Naja... zumindest so lange, bis Katrin wieder der Meinung war, sämtliche Fenster aufreißen zu müssen. Ich wurde also nicht vom Wecker geweckt, sondern vom gefürchteten Fensterdurchzug. Manche Menschen nennen das "frische Luft". Ich nenne das einen persönlichen Albtraum.
Das kommt nicht von ungefähr. Ich habe seit meiner Kindheit ein ausgewachsenes Durchzugstrauma. Andere stellen sich in den Wind und genießen die Brise – ich bekomme schon beim leisesten Luftzug das Bedürfnis, alle Fenster im Umkreis von drei Kilometern zu schließen. Ich weiß, völlig irrational... aber so ist das eben.

Immerhin durfte ich danach noch ein wenig liegen bleiben. Gegen 10:40 Uhr ging unser Zug Richtung Königstein.
Von dort starteten wir unsere kleine Runde auf den Lilienstein. Ganz klassisch über den Kirchweg zum Nordaufstieg. Der Weg wird zum Schluss ja immer spannender, wenn die Eisenleitern auftauchen. Oben angekommen ging es natürlich erst einmal links herum über sämtliche Aussichtspunkte. Das Wetter war einfach perfekt und die Fernsicht traumhaft.

Unser Ziel war schließlich wieder unser Lieblingsplatz an der Drachenhöhle. Dort wurde dann gnadenlos alles vernichtet, was unsere Rucksäcke hergaben. Brote, Obst, Snacks... nichts überlebte die Mittagspause. Der schönste Nebeneffekt: Die Rucksäcke wurden endlich leichter.

Irgendwann meldete sich bei Katrin dann allerdings ein anderes Bedürfnis...
Direkt an der Gaststätte wäre das Problem eigentlich ganz einfach zu lösen gewesen. Allerdings hing dort ein Schild: Toilette für Nichtgäste: 2,00 €.
Zwei Euro.
Für einmal Pipi.
Ich musste das Schild bestimmt dreimal lesen. Für den Preis hätte ich eigentlich erwartet, dass man anschließend noch ein Handtuch gereicht bekommt, sanfte Klaviermusik läuft und einem jemand zum Abschied einen Gutschein für den nächsten Besuch in die Hand drückt. Vielleicht gibt es dort beheizte Klobrillen aus Gold oder das Toilettenpapier besteht aus Kaschmir. Anders kann ich mir den Preis kaum erklären.

Katrin entschied sich deshalb für die deutlich günstigere Variante: ein lauschiges Plätzchen zwischen Blaubeerbüschen und Tannennadeln. Die Natur verlangt schließlich keinen Eintritt.

Danach ging es bei bestem Wanderwetter wieder hinunter Richtung Königstein.

Unterwegs kamen wir an einer urigen Gaststätte vorbei. Katrin meinte noch: "Die müssen wir uns mal anschauen."
Kaum standen wir dort, wurden wir auch schon angesprochen.
"Habt ihr zufällig zwei Pferde gesehen?"
Äh... bitte was?
Offenbar waren zwei Pferde mit Halfter verschwunden. Wie genau man zwei komplette Pferde verliert, erschloss sich uns zwar nicht so ganz, aber gut. Die Besitzerin – ein junges Mädel, das aussah, als käme sie direkt aus dem Mittelalter – suchte sie überall. Also wurden wir kurzerhand zu ehrenamtlichen Pferdedetektiven befördert.

Von da an hielten wir bei jedem Gebüsch, jeder Wiese und jedem Waldstück Ausschau nach zwei herrenlosen Pferden.
Leider ohne Erfolg.
Bis zur Fähre... nichts.
Auf der Fähre... ebenfalls nichts.
Wir sollten anrufen, falls wir welche entdecken würden.

Später meinte Katrin noch ganz trocken:
"Eigentlich könnten wir auch anrufen und sagen, dass wir bis Bad Schandau gelaufen sind und auch keine Pferde gefunden haben."
Der Gedanke hatte durchaus Charme.

An der Fähre lernte Katrin dann noch eine Rentnerin aus Leipzig kennen. Die Überfahrt nach Krippen dauert gerade einmal zwanzig Minuten.
In diesen zwanzig Minuten schaffte Katrin es allerdings, der netten Dame gefühlt unsere gesamten letzten 26 Jahre zu erzählen. Natürlich inklusive sämtlicher empfehlenswerter Wanderungen, besonders derjenigen, die auch mit etwas weniger Kondition noch gut machbar sind. Schließlich war die Dame auf der Suche nach schönen, aber nicht allzu anstrengenden Touren. Ich wurde nur einmal nach einer Buslinie befragt.

Als wir in Krippen anlegten, war das Gespräch eigentlich noch lange nicht zu Ende.
Katrin hätte die Fähre am liebsten direkt bis Hřensko weiterfahren lassen. Nicht wegen der Landschaft...

...sondern damit sie ihre Wanderberatung in aller Ruhe hätte abschließen können.

Eure Sandsteinjäger 

Mittwoch, 8. Juli 2026

Ausschlafen deluxe, Phoenix-Wald und der St.-Pauli-Zwischenfall

Heute war erst einmal Ausschlafen angesagt. Naja... zumindest eine halbe Stunde länger. Was für ein Luxus! Das hatte allerdings einen ganz einfachen Grund: Wir wollten nicht mit dem völlig überfüllten Bus nach Schmilka fahren. Katrin hatte das anfangs zwar vorgeschlagen, aber nachdem wir gestern gesehen hatten, wie voll das Teil war, entschieden wir uns für die deutlich entspanntere Variante. Also ging es mit der Bahn bis Hirschmühle – ganze acht Minuten Fahrzeit. Länger hätten wir wahrscheinlich gebraucht, um uns über den Bus zu ärgern.

Der Zug war pünktlich (ja, das soll tatsächlich vorkommen) und auch die Fähre nach Schmilka legte erfreulich schnell ab. Gut so, denn auf der Elbe pfiff ein ordentlicher Wind. Während alle anderen geschniegelt und gestriegelt in Jacken dastanden, hatte ich natürlich nur kurze Sachen an. Frisch war gar kein Ausdruck.

In Schmilka bogen wir direkt auf den neuen grenzüberschreitenden Wanderweg Richtung Prebischtor ein. Den ersten Abschnitt kannten wir bereits, doch der neu angelegte Teil führte mitten durch das Gebiet der verheerenden Waldbrände von 2022. Was dort gerade entsteht, ist wirklich beeindruckend. Wie Phoenix aus der Asche wächst langsam ein neuer Wald heran – unzählige Birken schießen aus dem Boden. Gleichzeitig eröffnen sich Aussichten, die es früher hinter dichtem Wald gar nicht gab. Zirkelstein, Kaiserkrone, Zschirnstein und sogar der Schneeberg lagen plötzlich wie auf einem Präsentierteller vor uns. Faszinierend zu sehen, wie sich die Natur ihren Platz Stück für Stück zurückholt.

Je näher wir dem Prebischtor kamen, desto mehr Menschen tauchten auf. Am eigentlichen Wanderwegeingang herrschte schon ordentlich Betrieb und die meisten kamen uns bereits wieder entgegen. Der Weg zog sich allerdings noch ganz schön. Ein langer Sandweg ohne Schatten, ohne Baum, ohne Strauch – einfach immer weiter bergauf. Früher war das deutlich gemütlicher und vor allem wesentlich leerer. Mittlerweile erinnerte mich das Ganze ein wenig an die Bastei. Nur mit dem Unterschied, dass man dort bequem mit dem Auto vorfahren kann. Hier müssen eben alle denselben Weg hoch und wieder runter, weil der Gabrielensteig nach wie vor gesperrt ist.

Irgendwann wechselte der Sandweg in einen Granitweg, der seine besten Tage offensichtlich auch schon hinter sich hatte. Spätestens dort bekamen die Badelatschen-Stadtameisen ernsthafte Schwierigkeiten. Während wir weiter munter bergauf marschierten, wurde hinter uns gestolpert, balanciert und geflucht.

Oben angekommen lugte schließlich zwischen den Menschenmassen auch das Prebischtor hervor. Erst einmal zur Kasse. Knapp fünf Euro pro Nase kostet der Spaß inzwischen. Einige Familien drehten sofort wieder um – bezahlen wollten sie nicht. Nun ja, die Regeln machen andere. Wir gönnten uns dafür erst einmal die Aussicht und vernichteten unsere kompletten Essensvorräte.

Danach standen noch die weiteren Aussichtspunkte auf dem Programm. Vorher musste Katrin allerdings noch das örtliche Katakombenklo besuchen. Ihr Originalkommentar danach: "Die fünfzig Meter hin und zurück habe ich ohne zu atmen geschafft." Der Geruch muss also... nachhaltig gewesen sein.

Und dann passierte es.

Ich hatte mir gerade einen perfekten Fotostandpunkt gesucht, kniete auf dem Boden und konzentrierte mich voll auf das Prebischtor. Plötzlich höre ich neben mir einen Mann sagen: "Ich habe einen St.-Pauli-Aufkleber gesehen."
Ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken, kam von mir nur ein trockenes: "Abreißen!" Er musste lachen. Sie eher nicht.

Sie fragte sogar noch einmal nach und meinte dann ganz empört, so ein Aufkleber sei doch toll. Ich hielt es für klüger, keine weitere Diskussion zu eröffnen, packte wortlos meine Kamera ein und zog mit Katrin weiter. Wenig später liefen die beiden an uns vorbei und ich hörte nur noch den Kommentar: "St.-Pauli-Hasser."

Na gut... wenn sie deswegen den ganzen Abend wach liegt, soll es eben so sein. Sie wusste ja schließlich nicht, wo ich herkomme. Sonst hätte sie vermutlich noch ein größeres Fass aufgemacht.

Anschließend traten wir den Rückweg Richtung Hřensko an. Unten angekommen stand tatsächlich gerade ein Bus bereit. Perfektes Timing! Also rein und mit unseren hervorragenden Tschechischkenntnissen:
"Zweimal Hřensko." "Three Euro."
Katrin legte zwei Euro hin und wollte gerade den dritten zusammensuchen. Der Busfahrer winkte nur lächelnd ab und schickte uns nach hinten.

Na dann... Dankeschön!

Gefühlt 10 Minuten später waren wir schon in Hřensko. Katrin wollte natürlich noch schnell an einem Asiastand stöbern. Im Mittelpunkt stand diesmal ein Vogelhaus. Zwanzig Euro sollte das große kosten. Nach kurzer Begutachtung durfte es aber dort wohnen bleiben.

Von Hřensko liefen wir gemütlich im Stechschritt zurück nach Schmilka und nahmen von dort den Bus nach Bad Schandau. Direkt vor dem "Franz" stiegen wir wieder aus, gönnten uns unser Abendessen und schmiedeten bei Essen und Getränken bereits die Pläne für den nächsten Wandertag.

Unterm Strich standen heute rund 16 Kilometer und knapp 900 Höhenmeter auf der Uhr. Also praktisch ein kleiner Nachmittagsspaziergang. Spaß.

Eure Sandsteinjäger 

Dienstag, 7. Juli 2026

Kurze Brandrunde

Nachdem wir vorgestern bereits fleißig Kilometer gesammelt hatten, durfte heute natürlich der nächste frühe Start nicht fehlen. Urlaub ist schließlich dazu da, möglichst wenig auszuschlafen.

Mit dem Bus ging es zunächst ganz gemütlich ein Stück Richtung Brand. Diese angenehme Phase war allerdings schnell vorbei. Danach warteten die Brandstufen. Alte Bekannte sozusagen. 
Die hatten wir schon Anfang der 2000er einmal bezwungen. An vieles kann ich mich von damals nicht mehr erinnern. Eigentlich nur daran, dass es anstrengend war. Nach heute weiß ich wieder ganz genau, warum diese Erinnerung so nachhaltig geblieben ist.

Ich hatte mir unterwegs vorgenommen, die Stufen zu zählen. Eine hervorragende Idee – zumindest solange man nicht gleichzeitig versucht, den Berg hochzukommen. Irgendwann musste sich mein Gehirn entscheiden: atmen oder zählen. Es entschied sich glücklicherweise fürs Atmen. Mein Endstand lag irgendwo bei 840 Stufen. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Vielleicht habe ich zwischendurch auch zweimal dieselbe Stufe gezählt oder drei komplett vergessen. Unter Sauerstoffmangel wird selbst einfaches Zählen zu einer wissenschaftlichen Herausforderung.

Kurz vor uns kamen Wanderer entgegen. Mit einem Grinsen meinten sie: „Ach, das ist aber eine ganz lustige Ecke mit den vielen Stufen.“
Wir schauten uns an und dachten nur: Wenn ihr wüsstet...
Denn die Herrschaften hatten noch knapp 600 Stufen bergab vor sich. Natürlich wünschten wir ihnen freundlich „Viel Spaß!“. Man muss die Menschen ja motivieren. Oder zumindest so tun.

Unser eigentliches Ziel war heute aber gar nicht die bekannte Brandaussicht. Die kennen wir schließlich schon. Uns zog es diesmal zur Aussicht an der Thümmelgrotte. Dort waren wir tatsächlich noch nie gewesen. Warum eigentlich nicht? Gute Frage. Zusammen mit dem Blick auf die Hafersäcke war das heute ganz klar das Highlight der Tour. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass es selbst nach vielen Wanderjahren in der Sächsischen Schweiz noch Neues zu entdecken gibt.
Der Abstieg führte uns anschließend durch den Schulzengrund und über den Füllhölzelweg hinunter nach Rathen. Unten angekommen wartete die wohlverdiente Belohnung in Form eines Heidelbeereises.

Optisch war das allerdings... speziell.

Es sah aus, als hätte jemand eine Handvoll Schlümpfe frisch durch den Wolf gedreht und anschließend mit einem Hauch Minze verfeinert. Die Farbe war jedenfalls spektakulär. Geschmacklich gab es aber überhaupt nichts zu meckern – ganz im Gegenteil.

Nun lassen wir den Wandertag gemütlich ausklingen. Für heute Abend haben wir einen Tisch im Schlemmereck geplant. Nach gefühlt 840... oder 900... oder vielleicht doch 1.200 Stufen dürfte der Kalorienhaushalt jedenfalls ausreichend vorbereitet sein. Und falls nicht – morgen klingelt der Wecker bestimmt wieder früh.

Nachtrag zum Essen: Der Kalorienhaushalt wurde im Restaurant Franz ordentlich gefüllt. Dort haben wir auch vieles Neues erfahren, wenn es um die alten und neuen Dinge in Schandau geht. Der morgige Tag wurde geplant und wir schauen zufrieden zurück.

Eure Sandsteinjäger 

Montag, 6. Juli 2026

DREI

Regen? Perfekt! Shopping muss schließlich auch mal sein.
Nach dem gestrigen Gewaltmarsch haben wir uns heute mal gegönnt, richtig auszuschlafen. Erst gegen halb zehn krochen wir aus den Federn. So fühlt sich also Urlaub an! Danach wurde ausgiebig gefrühstückt – schließlich braucht der Körper Energie... auch wenn man eigentlich nur durch Geschäfte schlendert.

Draußen regnete es, und der Wetterbericht versprach, dass das auch so bleiben würde. Also beschlossen wir ganz mutig: Heute ist offizieller Erholungstag!

Mit der Fähre ging es von Krippen nach Bad Schandau. Kaum angekommen, begann die wichtigste Aufgabe des Tages: Speisekarten studieren. Man weiß ja nie, wann einen der große Hunger überfällt. Blöd nur, dass gefühlt 80 % der Gaststätten heute Ruhetag hatten. Aber Vorbereitung ist alles! Wir wollten schließlich genau wissen, wo es beim nächsten Mal Schnitzel, Eisbecher oder Riesenkloß gibt. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Danach ging es zu Bergsport Arnold. Kaum durch die Tür, wurden wir schon wieder erkannt. Das kann eigentlich nichts Gutes bedeuten. Und wie immer passierte das Unvermeidliche: Ich musste etwas kaufen. Obwohl ich wirklich... absolut... gar nichts brauchte. Aber irgendetwas findet sich ja immer. Wahrscheinlich verkaufen die dort auch leere Kartons, und ich würde denken: "Den könnte man irgendwann mal brauchen."

Anschließend arbeiteten wir uns gewissenhaft durch sämtliche Läden der Stadt. Und wie das eben so ist – aus jedem Laden musste natürlich irgendetwas mit. Bad Schandau scheint ein seltsames Gravitationsfeld zu besitzen: Geldbeutel werden dort wie von Geisterhand leichter.

Irgendwann meldete sich ein kleiner Hunger. Also Einkehr bei Ida's Café. Dort wartete eine Mangotorte auf uns. Und was soll ich sagen? Die war so lecker, dass sie wahrscheinlich auf Rezept erhältlich sein müsste.

Doch dann kamen wir zum Hollerbusch...

Ein wunderschöner Laden. Wirklich. Aber dann geschah etwas Merkwürdiges.
Ich stellte mich in eine Ecke... und kam nicht mehr weg.
Es war, als würde mich eine unsichtbare Kraft festhalten. Eine Energie. Ein Schwingungsfeld. Vielleicht lag es am Mond. Vielleicht an rückläufigem Merkur. Vielleicht hatte ich auch einfach den Ausgang übersehen.
Rings um mich herum stapelten sich Bücher und Produkte, die mich förmlich anflüsterten:

"Kauf mich... und deine Chakren jubeln!"

"Nimm mich mit... und deine Aura bekommt TÜV!"

"Mit diesem Räucherbündel sprechen deine Zimmerpflanzen wieder mit dir!"

Es gab dort wirklich alles:

Engelkarten für den direkten Draht zur himmlischen Service-Hotline.
Kraftsteine für Liebe, Erfolg, Reichtum, besseren Schlaf und wahrscheinlich auch gegen schiefe Sockenschubladen.
Pendel, mit denen man herausfinden kann, ob man heute lieber Kaffee oder Tee trinken sollte.
Aura-Sprays mit Düften wie "Kosmische Harmonie", "Mondenergie Deluxe" und vermutlich auch "Einhorn nach Sommerregen".
Räucherwerk gegen schlechte Energien... und wahrscheinlich auch gegen nervige Nachbarn.
Klangschalen, die angeblich sämtliche Blockaden lösen. Ich vermute auch hartnäckige Schrauben.
Bücher wie "Heile dein inneres Einhorn in sieben Mondphasen", "Fühle den Schmerz deiner Urgroßtante" oder "Warum dein Kühlschrank traurige Energien ausstrahlt".
Seminare für Chakrenausrichtung, Aura-Reinigung, Ahnenheilung, Engelkontakt, Delfinbewusstsein, energetische Wasserbelebung und vermutlich den Intensivkurs "Fühle den Frauenschmerz des Universums in nur drei Wochenenden."

Ich stand dort wie versteinert.
Nicht weil ich plötzlich erleuchtet war...
...sondern weil ich nicht wusste, ob ich lachen oder gleich laut lachen sollte.
Irgendwo hatte ich das Gefühl, dass mich die Bücher hypnotisieren wollten:

"Nimm mich mit... danach wirst du nie wieder Rückenschmerzen haben."

"Mit mir kannst du 48 Stunden wach bleiben... ganz ohne Kaffee!"

"Lies mich und dein drittes Auge findet endlich den Parkplatz."

Irgendwann konnte ich mich aus diesem energetischen Bann befreien und verließ den Laden – meine Aura leicht verwirrt, mein Geldbeutel aber erstaunlicherweise noch vollständig.

Ein erfolgreicher Erholungstag also. Wenig gelaufen, viel gesehen, viel gelacht und wieder einmal festgestellt:

Shopping kann anstrengender sein als jede Wanderung.

Eure Sandsteinjäger 

Sonntag, 5. Juli 2026

ZWO

Unser zweiter Wandertag zwischen Nieselregen, Nervenkitzel und einer Bremsen-Apokalypse

Der zweite Wandertag begann – wie sollte es auch anders sein – mit dem vertrauten 7:45‑Uhr‑Weckerklingeln. Wir wollten es gemütlich angehen, ohne Stress, ohne Hektik, einfach entspannt Richtung Bus schlendern. Nach einem richtig guten Frühstück (die Grundlage jeder erfolgreichen Expedition) ging es los: Der Bus brachte uns nach Kleingießhübel, dem Startpunkt unserer Tour hinauf zum Zschirnstein.

Das Wetter war als „unbeständig“ angekündigt – ein Wort, das Wanderer entweder nervös macht oder ihnen ein müdes Schulterzucken entlockt. Wir entschieden uns für Letzteres. Ein bisschen Nieselregen am Anfang? Geschenkt. Die Temperaturen waren angenehm, die Laune gut, und der lange Marsch hinauf zur Aussicht über den Forststeig machte uns irgendwann hungrig genug, um die Rucksäcke spürbar leichter zu futtern.

Der Rückweg führte über einen anderen Forststeig, der sich als etwas knüppeliger herausstellte. Und dann kamen sie: drei Radfahrer. Ja, richtig gelesen. Drei Menschen, die offenbar beschlossen hatten, dass Mountainbiken auf diesem Weg eine brillante Idee sei. Ich habe selbst schon viel Blödsinn gemacht, aber das hier war eine neue Kategorie. Vermutlich hatten sie sich verfahren – und am Ende gab es nicht einmal Platz zum Umdrehen. Immerhin lachten sie noch. Humor ist eben auch ein Fortbewegungsmittel.

Während wir weiterliefen, meinte Katrin, dass dieser Stein – der Zschirnstein – irgendwie immer etwas Negatives mitbringe. Irgendeinen Ärger, irgendeinen kleinen Zoff. Bis dahin war alles ruhig. Also musste ja noch was kommen. Und es kam.

Erst eine Kreuzung. Dann noch eine. Dann ein Abzweig. Wir blieben auf der richtigen Spur Richtung Wolfsberg. Und kurz vor dem Zwischenziel begann das Unheil: Erst eine Bremse. Dann mehrere. Dann gefühlt hunderte. Anti‑Brumm? Ein Witz. Unsere Körperwärme schien ein Leuchtfeuer für sämtliche Bremsen des Waldes zu sein.

Und als wäre das nicht genug, fing es plötzlich an zu regnen. Wir dachten kurz: „Gerettet! Endlich lassen die Biester von uns ab!“ Aber nein – die Bremsen blieben, wir wurden nur zusätzlich nass. Die Rucksäcke auch. In diesem Moment schrie Katrin durch den Wald, ich solle endlich meinen Regenschutz überziehen – Schutz gegen Regen und wahrscheinlich auch gegen Bremsen. Aber ich hatte genug damit zu tun, mich selbst vor dieser fliegenden Armee zu retten. Multitasking war keine Option.

Wir wurden immer schneller, ich fühlte mich zunehmend unwohl, und meine lange Hose war plötzlich mein bester Freund. Noch zwei oder drei Kilometer durch den Busch – begleitet von einer summenden, stechenden Armee.

Erst am Eingang des Panoramahotels Wolfsberg ließen sie von uns ab. Wir waren in Sicherheit. Endlich. Kuchen, Eis und Kaffee wurden zu unseren persönlichen Helden. Eine lange Pause, Erholung, Panoramaaussicht – wir hatten es uns verdient.

Weiter ging es nach Reinhardtsdorf, über die Wiese in Richtung Kleine Bastei. Eigentlich hätten wir auf den Bus warten sollen. Aber wir zwei wollten es ja mal wieder wissen und wollten Kilometer schruppen. Ab der Kleinen Bastei wurden die Füße schwerer, Katrins Fußsohlen meldeten sich deutlich. Und dann dieser Abstieg ab der Carolahöhe: Steine, Wurzeln, ausgewaschener Weg, Laub, Äste – ein Parcours, der uns alles abverlangte. Die letzten Meter wurden zur Qual. Das hätten wir uns sparen können.

Doch irgendwann tauchte Krippen im Tal auf. Wir hatten es geschafft. 13,8 Kilometer. Und um 19 Uhr wartete ein Tisch für zwei in der Eiche. Wandertag ZWO: bestanden.

Eure Sandsteinjäger 

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Samstag, 4. Juli 2026

EINS

Bereits um 3.30 Uhr sind wir aus dem Bett gestolpert wie zwei übernächtigte Abenteurer, die sich versehentlich für eine Expedition zum Südpol angemeldet haben. Um 4.00 Uhr saßen wir schon im Auto, noch halb im Traum, aber fest entschlossen, die Welt zu bezwingen. Die Autobahn lag ruhig vor uns und wir hatten eine erstaunlich gute Pace, die uns selbst beeindruckt hat. Natürlich ohne Raserei, denn wir wollten nicht als frühmorgendliche Asphaltrowdys enden. Nach exakt 4 Stunden und 51 Minuten standen wir schließlich in Kritzschwitz am Obstbauernhof, diesem sagenumwobenen Ort, an dem wir früher immer vorbeigefahren sind, als wäre er ein streng bewachtes Geheimprojekt. 
Heute jedoch haben wir ernst gemacht und die Sache gründlich unter die Lupe genommen. Wir haben zu erst unser Proviant vertilgt wie zwei hungrige Waldkobolde und uns dann durch die einheimischen Produkte des Markts gestöbert, vom Apfel bis zum Bier. Dabei fragten wir uns, warum es eigentlich keine Bananen gibt. Vielleicht ist sie hier nicht regional genug oder sie hat einfach Urlaub. 
Danach ging es weiter Richtung Königstein zum Edeka, Vorsicht Schleichwerbung. Dort fühlten wir uns wie zwei Undercover-Agenten, die streng geheime Lebensmittelmissionen erfüllen. Anschließend fuhren wir zum Bahnhof für den Wochenkartenvorverkauf, der sich als erstaunlich kompliziert herausstellte. Fahrscheine werden nämlich nur noch mit festem Anfangsdatum verkauft und Fahrpläne gibt es ausschließlich per QR Code. Und hier beginnt das eigentliche Drama. Dieser QR Code ist offenbar der neue Gott des öffentlichen Nahverkehrs. Ohne Smartphone bist du ab sofort ein Bürger zweiter Klasse, der Busse nur noch vom Hörensagen kennt. Was für ein Blödsinn. Der QR Code entscheidet inzwischen sogar, welche Busse existieren dürfen, denn einige fehlten einfach in der Übersicht, die wir herunterladen wollten. Wenn man die Fahrpläne dann doch findet, werden sie irgendwo auf dem Handy gespeichert, vermutlich in einem dunklen Datenverlies, wo sie leise kichern und darauf warten, nie wieder entdeckt zu werden. Also mussten wir neu scannen. 
Und neu scannen. 
Und neu scannen. 
Immerhin half am Ende die Wanderapp Mapy, denn dort stehen Busse drin. Wir wussten allerdings nicht, ob das alles stimmt oder ob Mapy einfach gute Laune hatte und uns ein paar Fantasiebusse präsentiert hat. Trotzdem ist die Tour für morgen fertig geplant. 
Auch wenn es jetzt ein wenig nieselt und das Wetter durchwachsen sein soll, machen wir das schon. Wir sind schließlich wetterfest wie zwei alte Wanderjacken. Unser Schönheitsschlaf von 15.30 bis 17.00 hat uns wieder in die Kategorie „halbwegs funktionierende Menschen“ katapultiert. 
Kuchen und Kaffee gab es ebenfalls schon in der Unterkunft mit Blick auf die Elbe, wo wir kleine gedankliche Rückschauen der letzten Jahre geteilt haben wie zwei nostalgische Philosophen. Jetzt kommt schon wieder der Hunger und gleich essen wir unser frisch eingekauftes Zeug. 
Danach wollen wir noch einmal raus. Vielleicht stolpern wir über einen weiteren QR Code. Vielleicht über eine Banane. Wer weiß. 
In diesem Sinne: schönen Urlaub ;-).

Eure Sandsteinjäger 

Nachtrag: Als wir dann gestern Abend nochmal los waren, um die Karten zu kaufen, trafen wir weder auf QR-Codes oder irgendwelche Bananen. Statt dessen wurden wir auf dem Bahnhof 30 Jahre zurück versetzt. Irgendwann in das Jahr 1987. Ein Bahnhof in einer Ostdeutschen Provinz, Fahrkartenschalter bereits seit 15:00 Uhr zu. Stille, Leere, Einsamkeit. Woher den Zugfahrschein jetzt nehmen? Also nach der Wende waren wir doch echt verwöhnt worden, überall wurden Automaten aufgebaut und man konnte einen Fahrschein nach Berlin über Bonn und Bentwisch kaufen. Das gibts jetzt nicht mehr. Der Automat war weg. Alles nur noch digital? Ich will Papier und dann abstempeln!!! Und warum steht neben dem Automaten, der nicht mehr da ist, ein Entwerter? Die Digitalisierung in ihrem vollem Lauf - wir sind gespannt ob der Busfahrer heute noch Bargeld annimmt.

Mittwoch, 10. Juni 2026

Zwischen Bikes, Blöcken und ...

Der Frühsommer 2026 fühlt sich an wie eine Zwischenwelt: nicht mehr Winter, noch nicht richtig Sommer, und irgendwo dazwischen jonglieren wir mit Fahrradfahren, Bouldern und der Vorbereitung auf unseren Sommerurlaub.
Und gleichzeitig ist da dieses Gefühl, dass man plant – aber eigentlich keine Ahnung hat, was Wetter, Laune oder Schulter so vorhaben.

Harz: Sonne, Wind und verbrannte Nasen.
 
Bevor es Richtung Sachsen geht, haben wir uns ein paar Tage im Harz gegönnt. Eiskalte Morgen, warme Tage, Wind wie auf einem Hochplateau und Sonne, die uns das Gesicht geröstet hat, als wären wir drei Wochen am Mittelmeer gewesen.
Rund um Wernigerode haben wir viel gesehen, viel gemacht und gut gegessen – und wieder gemerkt, wie schnell draußen alles anders läuft, als man denkt.

Der Dämpfer‑Krimi: Staffel 2
Und als wäre das nicht genug, lief parallel noch mein ganz persönliches Dämpfer‑Drama weiter. Ich hatte den Typen, der meinen Cane Creek reparieren sollte, endlich erreicht. Vor Ostern wollte er ihn fertig haben.
Hat er aber nicht. Also kam der Dämpfer irgendwann im Mai zurück – mit einem „tollen Gruß“ und der Hoffnung, dass jetzt endlich Ruhe ist.
War sie aber nicht.

Nach zwei Fahrten sackte mir der Dämpfer wieder komplett zusammen.
So viel Luft in der Negativkammer, dass das Ding einfach zusammengestaucht blieb – wie ein Luftballon, der falsch herum aufgepustet wurde.
Nochmal anschreiben? Hat nichts gebracht. Funkstille.

Am Ende half nur eins: die KI fragen, was man da macht.

Die Antwort war so simpel wie absurd:
200 psi reinpumpen, den Dämpfer einmal langziehen – und dann zischt es kurz, weil die überschüssige Luft aus der Negativkammer entweicht.  
Danach steht das Ding wieder wie es soll.
Manchmal ist Technik eben keine Raketenwissenschaft, sondern nur ein bisschen Physik und ein bisschen Mut.

Sommerurlaub in Sicht – aber mit Fragezeichen
Jetzt geht’s ans Packen für Sachsen.
Diesmal ohne Bike, weil die Bahn mit Baustellen und Zugausfällen die Touren ins Tschechische unmöglich macht. Also wird’s ein Urlaub auf zwei Beinen statt zwei Rädern.

Ein paar Wanderrouten stehen schon. Und dieses Jahr trauen wir uns auch an Wege, die wir früher eher ignoriert hätten – zu kurz, zu unscheinbar, zu „machen wir irgendwann mal“. Jetzt sehen wir sie mit anderen Augen: entdeckerisch, offen, ohne Druck.

Dazu kommen Touren, die wir letztes Jahr schon gemacht haben und diesmal vielleicht ausbauen, verlängern oder einfach anders erleben wollen.
Manchmal reicht ein anderer Startpunkt oder ein anderer Tag – und schon fühlt sich eine bekannte Strecke komplett neu an.

Fazit: Wir lassen kommen, was kommt. Wetter? Kann alles sein.
Schulter? Hoffentlich gnädig. Katrin? Muss schauen, wie es ihr geht.
Und wir? Wir nehmen’s, wie’s kommt.

Der Sommer 2026 darf uns überraschen. Aber nächstes Jahr kommen die Räder wieder mit!

Eure Sandsteinjäger 

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Sonntag, 30. November 2025

MTB Team Abschlussfahrt

Morgens um 10 Uhr in Doberan ging es los, das Wetter war frisch, aber immerhin nicht so kalt, dass man gleich wieder ins Bett wollte, und nach einer Woche Dauerregen wussten wir natürlich, dass die Wälder nicht wie ein gepflegter Park aussehen würden, sondern eher wie ein Schlammspielplatz für Erwachsene, ich selbst war allerdings so gar nicht in Bestform, denn die Muskelschwäche vom Bouldern hing mir noch in den Knochen und als wäre das nicht genug, war auch noch der Sattel falsch eingestellt, es passte einfach gar nichts, trotzdem rollten wir los und verbrachten drei Stunden im Wald, insgesamt 23 Kilometer, begleitet von einer Handdrohne, die uns wie ein hyperaktiver Hund hinterherflog, dabei ordentlich Krach machte und uns fast durch die Schlammlöcher gescheucht hätte, irgendwann fühlte es sich an, als ob wir nicht mehr das MTB-Team waren, sondern die Hauptdarsteller in einem Actionfilm mit Spezialeffekten, und dann kam mein persönliches Highlight, ich habe mich zum ersten Mal die Treppe am Bahnhof hinuntergetraut, bisher war das immer mein Endgegner, diesmal habe ich es gemeistert und fühlte mich kurz wie ein Profi, nach der Tour wartete im Doberaner Weihnachtsdorf ein reservierter Tisch, an dem wir bis um drei saßen, Glühwein tranken, erzählten und über alte Geschichten und Touren schwärmten, die Stimmung war so gut, dass man fast vergessen konnte, wie hoch mein Puls zwischendurch war, angeschlagene 200, gesund ist das sicher nicht, aber immerhin ein Beweis dafür, dass ich noch lebe, sauber war es natürlich auch nicht, aber genau das gehört dazu, am Ende bleibt eine Abschlussfahrt, die mehr nach Abenteuer als nach Sport klang, und in diesem Sinne: einen schönen Advent und möge der nächste Sattel besser eingestellt sein.

Eure Sandsteinjäger 

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Samstag, 22. November 2025

Von der Traumtour zum Naben-Drama – Nachbericht zum 8. September

Der 8. September sollte eigentlich ein Highlight unseres Urlaubs werden: eine richtig schöne Fahrradtour durch die Landschaft, Sonne im Gesicht, Wind um die Nase, und das Gefühl von Freiheit auf zwei Rädern. Doch wie es manchmal so läuft, wurde aus der Traumtour ein technisches Abenteuer, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Wir waren gerade mitten im Flow, als plötzlich die teure Vorderradnabe beschloss, ihren Dienst zu quittieren. Ich nenne es jetzt einfach mal „Totalschaden deluxe“. Statt weiter über Hügel und durch Täler zu rauschen, mussten wir den Rückzug antreten – langsam, fast schleichend, zurück zur Unterkunft. Die Bikes wurden in die Ecke gestellt, beleidigt und stumm, und wir beschlossen: Ab sofort wird der Urlaub eben zu Fuß erledigt.

Natürlich versuchte ich, den Händler zu erreichen, der das Rad damals vor einigen Jahren quasi „zusammen gemeißelt“ hatte. Aber das Telefonat brachte rein gar nichts – keine Lösung, keine Hilfe, nur das Gefühl, dass ich besser Rauchzeichen gesendet hätte.

Zum Glück meldete sich der Hersteller der Nabe blitzschnell zurück. „Das darf nicht passieren!“, hieß es, und schwupps gab es 50 % Rabatt auf eine neue Nabe. Ein halber Sieg, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Mein ursprünglicher Plan war, die Nabe selbst einzuspeichen und dann zentrieren zu lassen. Doch für 70 Euro ließ ich es in unserer Stadt erledigen – mit der kleinen Komplikation, dass beim Zentrieren links und rechts verwechselt wurden. Na ja, solche Details machen die Geschichte erst richtig rund. Am Ende sitzt die Nabe drin und läuft wieder wie sie soll.

Und weil Unglück bekanntlich Appetit macht, habe ich mir gleich noch neue Pedale gegönnt – die Raceface Turbine, passend zum Lenker im Kashmoney-Goldlook. Selten, nicht günstig, aber immerhin im Sale. Jetzt glänzt das Rad nicht nur technisch wieder, sondern auch optisch wie frisch vergoldet.

Beim Durchstöbern meiner Fotos kam dann die große Überraschung: Der Bruch war schon im August sichtbar! Ich bin also noch fröhlich mit kaputter Nabe herumgedonnert – Respekt an das Material, das trotzdem durchgehalten hat. Wahrscheinlich hätte ich den ganzen Urlaub fahren können, ohne dass etwas passiert wäre. Aber jetzt ist alles wieder heile, und ich kann wieder loslegen.

Nur der Dämpfer macht noch Probleme. Die Firma, die ihn zuletzt gewartet hat, scheint es nicht mehr zu geben – klassischer Fall von „Service ins Nirvana“. Aber egal: Die kalte Jahreszeit beginnt, und ich freue mich schon auf den ersten Schnee. Denn das wird richtig geil.

Fazit: Aus einer geplanten Traumtour wurde ein Naben-Drama mit Hotline-Desaster, Zentrier-Chaos und spontanen Fußmärschen. Doch am Ende sind die Sandsteinjäger wieder startklar – mit neuer Nabe, Raceface Turbine Pedalen und Kashmoney-Goldlenker. Bereit für die nächste Runde, diesmal hoffentlich ohne Totalschaden.


Eure Sandsteinjäger 

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Mittwoch, 17. September 2025

Zwischen Quirl und Chaos – sieben Tage Wanderglück

Es waren mal wieder diese typischen Sandsteinjäger-Urlaubstage: voller Entdeckungen, kleiner Pannen und großer Momente. Der Fahrraddefekt gleich zu Beginn war zwar ein Dämpfer für die geplanten Super-Spezial-Touren, aber wie heißt es so schön – wer braucht schon zwei Räder, wenn er zwei Beine hat?

Und die haben uns zuverlässig getragen: durch die Nikolsdorfer Wände, über den Kleinhennersdorfer Stein und rund um den Quirl, der sich als echtes Highlight entpuppte. Neue Pfade, teils verschlungen wie ein Spaghetti-Teller, wurden mutig erkundet – mit GPS in der einen Hand und Wanderkarte in der anderen. Manchmal war’s unheimlich, manchmal verwirrend, aber hey: Umdrehen geht immer. Und genau das ist auch unser Motto fürs nächste Jahr.

Die Planung? Sagen wir mal: improvisiert mit Tendenz zur Erholung. Früher war das alles durchgetaktet wie ein Schweizer Uhrwerk – heute eher wie ein alter Kompass mit leichtem Südhang. Aber ab Tag drei war klar: Die Räder bleiben künftig daheim, die Böhmische Schweiz muss warten, und wir machen das, was wir am besten können – Wandern, Wandern, Wandern. Die Wochenkarte wurde ausgereizt, linkselbisch wurde zur Komfortzone, und selbst der Regentag hatte seine Funktion: Zwangspause mit Sofa und Tee.

Der letzte Tag? Ohne Bus, ohne Bahn, aber mit Einkehr in der Liethenmühle – ein würdiger Abschluss. Insgesamt: sieben Wandertage, 73,69 Kilometer, 2220 Höhenmeter und ein Rucksack voller Erinnerungen. Jetzt heißt es: nur noch ein dreiviertel Jahr warten, dann geht’s wieder los. Diesmal wieder mit Bikes, mit Plan – oder auch ohne. Ich fang schon mal an zu tüfteln. Ein paar Routen kann man ja schon mal vorsortieren... 😉.

Eure Sandsteinjäger 

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Montag, 15. September 2025

Wild, nass und wunderschön

Nachdem wir gestern wettertechnisch eher das „Indoor-Programm“ gefahren sind – sprich: wir haben rein gar nichts erlebt außer dem Soundtrack des Regens auf dem Fensterbrett – wollten wir es heute nochmal wissen. Letzter Tag, letzte Chance, letzte Tour. Und siehe da: unsere Wochenkarte für die Öffis war erschöpft, die Wanderlust aber nicht. Timing? Perfekt.

Also stapften wir nach einem kräftigen Morgenregen den sagenumwobenen Täppigtsteig (in Komoot steht er als Täppichtsteig) hinauf. Jedes Mal fragen wir uns: Was bedeutet eigentlich „Täppigt“? Klingt wie ein Teppich, den man ausrollt – aber steil. Vielleicht ist es auch einfach sächsisch für „Hoch da mit euch, ihr Wandersleut!“. Die Antwort bleibt mystisch, aber die Aussicht war es definitiv wert.

Mit frischen 12°C und einem Wind, der uns fast die Mütze vom Kopf pfiff, ging’s los. Die Sonne lugte schüchtern hervor, die Wolken verzogen sich langsam – außer an den Berghängen, wo sie offenbar Urlaub machten. Während der Winterberg noch in Nebel gehüllt war, präsentierten sich die Schrammsteine schon in voller Pracht. Ein Naturkino vom Feinsten.

Durch Kleinhennersdorf ging’s am Wildgehege vorbei, Richtung Papststein – aber halt! Der war gar nicht unser Ziel. Stattdessen bogen wir auf einen kleinen Pfad zur Hunskirche ab. Dort gab’s eine wohlverdiente Kaffeepause und einen kleinen Mittagstisch. (Kaffee + Aussicht = Glücksformel.)

Frisch gestärkt ging’s weiter zum Königsteiner Weg, der uns – nach spontaner Routenbesprechung – wieder zum Kleinhennersdorfer Stein führte. An der Kreuzung Suppelsgrund entschieden wir uns für den Pfad „Der Kessel“. Und ja, hier bist du wirklich allein. Ein Märchenwald wie aus dem Bilderbuch, mit Wegen, die Geschichten erzählen.

Der Pfad endete nahe der Aussicht auf den KHS (Kleinhennersdorfer Stein – wir kürzen das jetzt einfach, sonst wird der Text länger als die Wanderung). Bei ordentlich Wind und bester Aussicht gab’s nochmal heißen Kaffee und einen neuen Plan: rüber zum Kohlbornstein. Doch die Uhr war gegen uns, also nahmen wir den Abstieg durch die Formschlucht – was auch immer dieser Name bedeuten mag. Klingt nach Yogaübung, war aber einfach urig und schön.

Zurück in Kleinhennersdorf suchten wir Unterschlupf bei der Feuerwehr – nicht wegen eines Brandes, sondern wegen der nächsten Regenfront, die mit dramatischer Wolkenkulisse heranrollte. Regensachen an, raus – und zack, der nächste Schauer. Also wieder zurück unter die Überdachung. Nach fünf Minuten: Sonne! Und die begleitete uns bis zur Liethenmühle, wo wir unser Abendbrot frühzeitig begannen. Forelle und „Au foir“ – wie immer, perfekt.

Nach einem kurzen Smalltalk mit dem Wirt ging’s mit einer letzten Regenpause bis Krippen hinunter. Ende des Urlaubs. Die Wanderschuhe dürfen jetzt ruhen, die Erinnerungen nicht.

Ein kleines Fazit folgt in den nächsten Tagen – aber eines steht fest: Tschüss Krippen, du warst wild, nass und wunderschön..

Eure Sandsteinjäger 

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Sonntag, 14. September 2025

Wenn es mal wieder regnet

Es ist Sonntag, ja Sonntag ohne Sonne - es regnet wie aus Eimern und wir hatten einen Plan. Leider verbringen wir die Zeit damit, endlich mal auszuschlafen und die Füße und schonen - welche Pech aber auch. Bis morgen

Eure Sandsteinjäger 

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Samstag, 13. September 2025

Zwei alte Bekannte

Es war einmal – also irgendwann zwischen dem letzten Dinosaurier und dem ersten GPS-Gerät – da machten wir eine Tour zum Quirl. Voller Tatendrang, wild und neugierig. Und was bekamen wir? Einen Stein. Einen enttäuschenden Stein. Der Quirl war für uns gestorben. Punkt. Basta. Aus. Wir haben ihn aus unserem Wanderherzen verbannt und ihm nie wieder einen Blick gegönnt. Doch wie das Leben so spielt: Vor ein paar Jahren zog es uns zu den Nikolsdorfer Wänden. Schluchten, Pfade, Magie! Leider auch ein Unwetter, das uns zur Umkehr zwang. Aber wir wären nicht die Sandsteinjäger, wenn wir nicht irgendwann sagen würden: „Neuer Anlauf!“ Und diesmal sollte es nicht nur zurück zu den Nikolsdorfer Wänden gehen, sondern auch dem Quirl eine zweite Chance gegeben werden. Zwei alte Bekannte, ein neuer Blick.

Der Wecker klingelte um 7:30 Uhr. Wer hat sich das ausgedacht? Wir wollten doch Abenteuer, keine Frühschicht! Aber gut, der Wille war da, der Hintern wurde hochgekriegt. Der Bus um 10:05 Uhr war brechend voll – offenbar wollten auch andere Leute wandern oder einfach nur raus aus dem Alltag. Nach Umsteigen, S-Bahn und nochmal Bus waren wir endlich da: Startpunkt Nikolsdorfer Wände. Die Gegend ist einfach traumhaft. Kleine Pfade, verwunschene Wege, ein Hauch von Alpenfeeling (laut Komoot, also muss es stimmen). Ein schmaler Felsspalt, ein paar Griffe – und zack, durch! Katrin hatte kurz zu kämpfen, aber wie immer: Heldin des Tages. Dann tauchten wir ein in einen Märchenwald. Felsen, Überhänge, Boofenplätze – es fehlten nur noch Elfen und ein sprechender Baum. Doch irgendwann mussten wir weiter. Der Patronenweg führte uns tief ins Tal – nur um uns gleich wieder hochzujagen. Danke, Höhenmeter!

Und dann kam der Moment, der alles veredelte: Erbsensuppe und Würstchen aus unserem neuen Warmahaltegerät von Origin. Ein kulinarisches Highlight mitten im Wald, das uns nicht nur gestärkt, sondern auch emotional gewärmt hat. Wer braucht schon Gourmetrestaurants, wenn man mit heißer Suppe auf einem Waldboden sitzt und sich wie ein König fühlt?

Und dann… der Quirl. Unser alter Feind. Doch was war das? Tolle Aussichten, schöne Plätze, und dann – der Diebskeller! Der Diebskeller, auch liebevoll Diebshöhle genannt, ist die größte Schichtfugenhöhle der Sächsischen Schweiz. 29 Meter lang, bis zu 8 Meter breit und zwei Etagen – das ist kein Keller, das ist ein unterirdisches Schloss für Sandsteinräuber! Mit Stirnlampe bewaffnet wagten wir uns hinein. Im vorderen Bereich: kühl und gemütlich. Im hinteren Teil: feucht, eng und irgendwie mystisch. Gerade stehen? Nur am Ende. Aber hey, wer braucht schon Komfort, wenn man Abenteuer hat! Das Gestein schimmerte in faszinierenden Farben, und wer genau hinschaut, entdeckt vielleicht sogar den geheimen Eingang zum sagenumwobenen Elfenkeller. Nein, wir haben keine Schulklasse beobachtet, die da rausgekrochen ist – aber wir hätten es uns gewünscht.

Die Zeit drängte, also machten wir uns auf Richtung Königstein. Dort gab’s Essen, Füße hochlegen und das stolze Fazit: 10,1 Kilometer, keine Schmerzen, viele Erinnerungen. Manchmal lohnt es sich eben doch, alten Feinden eine zweite Chance zu geben. Der Quirl hat uns überrascht, der Diebskeller hat uns begeistert – und unsere Füße haben uns nicht im Stich gelassen. Also: Rucksack packen, Stirnlampe einstecken und los geht’s. Vielleicht wartet euer nächstes Abenteuer ja genau dort, wo ihr es am wenigsten erwartet.

Eure Sandsteinjäger 

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Freitag, 12. September 2025

Nieselregen, Wochenkarte und Fototerror

Meine Güte, haben uns heute früh die Füße gebrannt. Und das nicht, weil wir über heiße Lava gelaufen sind – sondern einfach, weil die Lust auf Wanderschuhe irgendwo zwischen „nö“ und „lass uns einfach liegen bleiben“ lag. Der Himmel war grau, die Luft feucht, und die Sonne? Die hatte wohl Urlaub eingereicht.

Doch dann kam Katrin. Mit dem entschlossenen Blick einer Expeditionsleiterin und der Wochenkarte in der Hand. „Was Kurzes und Leichtes muss her – die Karte muss abgenutzt werden!“ sprach sie, und zack, saßen wir im Ostrauer Aufzug. Hoch ging’s, mit etwas weniger Gepäck als sonst (die Motivation war ja schon schwer genug), über die Ostrauer Scheibe bis zum Wegweiser zur Ostrauer Mühle. Dort, wo die Camper ihre Zelte hüten und der Kaffee morgens nach Abenteuer schmeckt.

Das Wetter blieb seinem Motto treu: „Ich kann auch feucht.“ Immer wieder nieselte es leicht, als wolle der Himmel uns sagen: „Ihr wolltet doch was Kurzes, oder?“ Im Kirnitzschtal wechselten wir die Talseite – ganz unpolitisch, einfach nur dem Weg folgend – und schlenderten den Flößersteig entlang bis nach Bad Schandau. Immer wieder Pausen. Immer wieder: „Ach, hier könnten wir auch einfach sitzen bleiben.“

Die große Pause gab’s am Abzweig zur Dorfbachklamm. Früher sind wir da mal hoch. Damals, als unsere Knie noch nicht bei jedem Höhenmeter protestierten. „Nur für geübte Wanderer“ steht da. Und wir? Halb geübt, halb bequem. Heute? Nein danke. Aber der Gedanke bleibt: Vielleicht mal wieder. Vielleicht.

In Bad Schandau war Oldtimer-Rallye angesagt. Ich hatte die WP im Blick – nicht die Weltpolitik, sondern die Wertungsprüfung. Die Fahrzeuge sollten weiter nach Gohrisch fahren, wir hingegen überlegten: Fahren sie über Krippen? Bekomme ich dort einen besseren Standort? Ich brauchte Licht, viel Licht für meine Unternehmung. Und weniger Touris im Hintergrund. Am Ende landete ich an einer Kurve, wo die Boliden nach der WP wieder losfuhren. Der Hintergrund? Naja. Die Touris? Viele. Aber der Fototerror begann dann um 16:04 Uhr und endete um 17:23 Uhr mit drei komplett vollen Speicherkarten. 159 Fahrzeuge, 158 erwischt. Beim Wechseln einer Speicherkarte ging mir mir einer durch die Lappen – heimlich, still und leise. Verräterisch.

Jetzt heißt es: am PC aussortieren. Scharf aussortieren. Nur das Beste bleibt. Vielleicht landet was auf Instagram. Vielleicht auch nicht. Unsere Wandertour vom heutigen Tage hatte jedenfalls auch ihre 9 Kilometer – und das zählt für die eigentliche Bilanz.

Morgen steht die große Tour an. Alles Überflüssige bleibt zu Hause. Nur das Nötigste kommt mit. Ich fülle noch schnell die Trinkblasen (nein, keine Party, nur Wasser), packe den Rucksack und überlege: Welche Kamera nehme ich mit? Hauptsache, der Rucksack wird nicht wieder zum mobilen Fitnessstudio.

Und bevor ich mich in die Horizontale verabschiede, muss noch etwas gesagt werden: Katrin ist heute und alle anderen Tage ein paar Extra-Kilometer gelaufen. Warum? Weil sie morgens zum Bäcker geht. Und weil sie den Frühstückstisch so liebevoll deckt, dass selbst die Sonne neidisch wäre – wenn sie denn mal erscheinen würde. Das rechne ich ihr hoch an. Sehr hoch.

Gute Nacht, Sächsische Schweiz. Morgen sehen wir uns wieder – mit weniger Gepäck und noch mehr Geschichten. 24 Stunden noch und und dann könnt ihr Euch wieder durchklicken. Viel Spaß.

Eure Sandsteinjäger 

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Donnerstag, 11. September 2025

Birken, Borkenkäfer und Beinflaute

Heute war Wandern auf Sparflamme angesagt. Die Füße meldeten sich schon beim Frühstück mit einem leisen „Bitte nicht schon wieder!“ – also dachten wir uns: etwas Kleines, Leichtes. Aber wer in der Sächsischen Schweiz „leicht“ sagt, bekommt gerne mal 500 Höhenmeter gratis dazu. Willkommen im Fitnessstudio der Natur.

Also lieber auf Nummer sicher – und auf Altbewährtes. Der Panoramaweg mit dem Scharwändeweg ist wie die Lieblingsjeans: sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Erst mal mit der Kirnitzschtalbahn bis zum Beuthenfall – ein Klassiker, der nie aus der Mode kommt. Danach ging’s am Beuthenbach entlang bergauf. Klingt idyllisch, wäre da nicht der Borkenkäfer, der sich hier als Landschaftsarchitekt versucht hat. Der Wald? Kaum wiederzuerkennen. Der Weg? Ein schmaler Grat am Abgrund, gesäumt von Birken, die aussehen wie Teenager auf dem Weg zur ersten Klassenfahrt – jung, wild und überall.

Die Scharwiese oben ist dann wie ein Wellnessbereich für Wanderseelen. Der Blick? Affensteine, Kleiner Dom, Schrammsteine – ein Panorama, das selbst die müdesten Füße kurz vergessen lässt, dass sie eigentlich streiken wollten. Kaum Treppen, kaum Steigungen, dafür viel „Ahhh“ und „Ohhh“. Das Schonprogramm deluxe.

Natürlich hatte ich mein Stativ und das zweite Objektiv dabei – man weiß ja nie. Und siehe da: ein Falke im Sturzflug! Ich hab ihn erwischt. Also fotografisch. Ob das Bild was taugt? Wird sich am Rechner zeigen. Aber allein der Moment war schon ein Volltreffer.

Weiter ging’s über Mittelndorf nach Altendorf, wo uns ein Doppeldecker AN-2 im Vorgarten anlachte – als Ferienwohnung! Wer braucht schon Airbnb, wenn man in einem Flugzeug schlafen kann? Großartig in Szene gesetzt, fast wie ein Kunstwerk mit Propeller.

Dann zurück Richtung Bad Schandau. Die Füße? Inzwischen eher Brei als Bein. Die Sohlen summten kein Lied, sondern klagten eine Ballade. Am Schlossberg war Schluss mit lustig – wir wollten nur noch essen. Nach 9,5 Kilometern war das Mahl verdient und, wie man so schön sagt: oberlecker.

Und dann, als wäre der Tag nicht schon voll genug, das blaue Wunder auf der Fähre: zwei Eisvögel beim Fischfang. Die Kamera? Natürlich tief im Rucksack vergraben. Timing ist alles – und meins war heute auf Pause.

Und morgen? Morgen soll eine Oldtimer-Rallye durch Krippen rollen. Wenn alles passt, gibt’s wieder Fotos. Vielleicht diesmal mit Kamera außerhalb des Rucksacks.

Eure Sandsteinjäger 

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Mittwoch, 10. September 2025

Wie aus der Kindheit

Heute war einer dieser seltenen Tage, an denen die Natur nicht nur mit ihrer Schönheit, sondern auch mit ihren Gerüchen verführt. Der Caspar-David-Friedrich-Weg – kurz CDF-Weg – hat uns erneut in seinen Bann gezogen. Von Krippen bis Krippen, im Uhrzeigersinn, sind wir die 15,1 Kilometer gewandert, diesmal ohne Abstecher zur Kaiserkrone, die wir uns für einen Sonnenuntergang aufheben wollen.

Der Weg, der dieses Jahr als schönster Wanderweg Deutschlands ausgezeichnet wurde, ist kein Unbekannter für uns. Schon im letzten Jahr haben wir ihn erkundet, doch heute war er anders. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht an der Stimmung – oder einfach am Duft. Dieser Tag roch nach Kindheit: nach frisch gemähtem Heu, nach wilden Wiesen am Badeteich, nach feuchtem Laub und alten Bäumen. Erinnerungen wurden wach, ganz ohne Worte.

Der Weg selbst ist eine gelungene Wiederentdeckung. Im Zuge des CDF-Jahres wurde ordentlich die Trommel gerührt. Jedes Dorf entlang der Strecke kramt seine Caspar-Anekdoten hervor – sei es ein Steak, das er gegessen haben soll, ein Bett, in dem er geschlafen hat, oder eine Katze, die er angeblich gemalt hat. Der Weg wurde freigeschnitten, beschildert und mit viel Liebe neu inszeniert. Und ja, er gefällt uns – sonst wären wir nicht wieder hier.

Oberhalb der Elbe öffnet sich der Blick ins Tal, und wir steigen bis zur Hunskirche hinauf. Die gehört zwar nicht zur offiziellen Route, bietet aber einen traumhaften Blick auf Schmilka. Dort gab’s die erste Pauseration – und den ersten Hauch von Sommerduft: trockene Wiesen, warme Felsen, ein Hauch von Waldhonig in der Luft.

Dann wurde es abenteuerlich. Der Rückweg zur Hauptroute war steil und ungemütlich, also entschieden wir uns für die „Abkürzung“ in den Hirschgrund. Anfangs leicht zu finden, doch bald versperrten umgestürzte Bäume den Weg, und eine seltsame Wegänderung ließ uns zweifeln. Aber wir kamen unten an – direkt an der Straße im Hirschgrund. Perfekt.

Weiter ging’s über den alten Elbhangweg zum Aschersteig, der uns bis zum Fuße der Kaiserkrone führte. Der Himmel zog sich zu, die Luft wurde schwül, und mit ihr kam ein weiterer Duftmoment: feuchte Erde, Pilze, Moos – wie nach einem warmen Sommerregen. Unsere nächste Pause war kulinarisch: warme Nudeln aus der Warmhaltebox. Einfach, ehrlich, lecker.

Durch den Ort ging’s weiter zum Wolfsberg, dann zur Wanderrast. Ein kleines Leckeis zur Belohnung, bevor der Püschelweg uns rief. Der Regen holte uns ein – erst Niesel, dann Landregen. Und mit ihm kam der Duft, der alles überlagerte: Heu, Wald, Pilze, Laub. Ein Tag, der nicht nur in den Beinen, sondern auch in der Nase hängen bleibt. Am Ende: „Zur Eiche“. Rein, Tisch für zwei, lecker essen. Ein würdiger Abschluss.

Heute Nacht soll es durchregnen. Wir hoffen auf besseres Wetter morgen. Die Planung steht bis Samstag – und wer weiß, vielleicht wartet noch ein Sonnenuntergang auf der Kaiserkrone auf uns.

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Dienstag, 9. September 2025

Platte Füße

Da war sie wieder – die Wettergöttin mit ihrem Hang zur Dramaturgie. Ursprünglich wollten Katrin und ich um 4 Uhr morgens auf den Lilienstein kraxeln, mitten in der Nacht, mit Stirnlampe und dem festen Glauben an einen epischen Sonnenaufgang. Doch je näher der Wecker rückte, desto mehr verwandelte sich unser Abenteuergeist in eine Mischung aus „Huch, ist das da draußen ein Wildschwein?“ und „Warum klingt der Wald wie ein Horrorfilm mit Surround-Sound?“ Die Geräusche waren eindeutig nicht von Disney inspiriert, und die Vorstellung, im Dunkeln durch den Wald zu tapsen, ließ Katrins Motivation auf ein Niveau sinken, das man nur noch mit einem sehr guten Kaffee hätte retten können.

Dann kam der Nebel. Und zwar nicht so ein bisschen mystisch-romantischer Schleier, sondern die volle Suppe – Sichtweite gleich null, Elbtal im Tarnmodus. Damit war klar: Der Lilienstein würde heute keine Show liefern. Katrin war plötzlich ganz entspannt, fast schon erleichtert. Der Nebel hatte ihr die Entscheidung abgenommen, und das ganz ohne Schuldgefühle. Also blieben wir einfach liegen. Kein schlechtes Gewissen, kein Sonnenaufgang, dafür ein sehr gemütlicher Start in den Tag – um Punkt 9 Uhr, mit warmem Bett und ohne Waldgeräusche.

Unsere eigentliche Tour begann dann ganz zivilisiert mit der Fähre und dem Bus nach Schmilka. Früh, ruhig, fast meditativ – wenn man Meditation mit Wanderschuhen und Müsliriegeln betreibt. Vorbei an der Mühle, rauf zur Zwieselhütte, weiter zum Lehnsteig. Der Lehnsteig ist wie ein Fitnessstudio mit Aussicht – viele Stufen, wenig Strecke, aber dafür ordentlich Höhenmeter. Kilometer macht man da nicht, aber Waden wie aus Granit.

Oben angekommen, ging’s über den Reitsteig und Zurückesteig – ja, der heißt wirklich so, und nein, man geht nicht rückwärts. Am Kleinen Dom gab’s dann die verdiente Pause. Die Aussicht: top. Die Wanderer: bunt gemischt. Von „Ich genieße jeden Schritt“ bis „Wo bin ich und warum schwitzt mein Rucksack?“ war alles dabei. Und trotz geschlossener Gaststätten und gestiegener Preise war ordentlich Betrieb – offenbar ist Wandern das neue Wellness.

Dann kam Katrins Moment: die Treppe am Sandloch. Eine Konstruktion, die aussieht, als hätte ein Huhn mit Höhenangst sie entworfen. Muffensausen inklusive, aber sie hat’s gemeistert – mit Stil und einem leichten Adrenalinkick. Weiter ging’s durch das Sandloch, über den Jordanweg (nein, kein religiöser Umweg) zum Nassen Grund. Dort wartete die Kirnitzschtalbahn – ein Klassiker, der uns zurück nach Bad Schandau schaukelte.

Die zehn Kilometer hatten ihre Spuren hinterlassen – vor allem an den Füßen. Aber was macht man nach einer gelungenen Tour? Richtig: Stadtbummel, neues Wanderaccessoire (man gönnt sich ja sonst nichts), und zwei Döner an der Elbe. Der war nicht nur verdient, sondern auch verdammt lecker. Jetzt ist die Sonne weg, die Beine müde, und der Kopf voller neuer Pläne. Morgen ruft – mal sehen, ob die Wettergöttin diesmal mit uns spielt oder wieder ihr eigenes Drehbuch schreibt.

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Montag, 8. September 2025

Keine Zeit verschwenden - Weiter gehts

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so richtig, was ich schreiben soll. Aber eins steht fest: Ich hab mich auf den heutigen Tag gefreut wie ein Eichhörnchen auf die Nuss. Endlich ging’s wieder los mit dem Bike! Bei richtig schönem Wetter sind wir gegen Mittag losgezogen – ganz gemütlich, ohne Stress. Eigentlich war der Plan, um vier Uhr aufzustehen und mit der Kamera auf den Lilienstein zu kraxeln. Aber stattdessen hab ich den Wecker einfach ausgemacht, mich umgedreht und weitergepennt. Tja, so wurde aus dem Fotoprojekt eine Biketour. Auch nicht schlecht.

Wir sind durchs Kirnitzschtal geradelt – frisch um die Oberarme, aber mit ordentlich Sonnenschein im Gepäck. Am Lichtenhainer Wasserfall ging’s dann bergauf Richtung Lichtenhain (das liegt irgendwo zwischen Altendorf und Sebnitz, für alle, die gerade die Landkarte zücken). Da muss man echt strampeln wie ein Hamster im Laufrad. Früher war’s hier schattiger, als noch Bäume ringsherum standen. Heute knallt die Sonne direkt auf den Schädel – in Lichtenhain kein Baum, kein Strauch, nur Sonne satt. Aber hey, man gewöhnt sich dran.

Weiter ging’s zur altbekannten Rasthütte, wo wir immer Pause machen. Kurz vor dem Panoramaweg gibt’s nochmal einen Spot mit richtig schöner Aussicht – perfekt, um die Wäsche zu trocknen. Alles schön drapiert, Fotos gemacht, Sattel nochmal zurechtgerückt… und dann: uhh, was ist das? Die Nabe ist angebrochen, vier Speichen baumeln lose herum, als hätten sie Feierabend. Nicht mehr an der Nabe befestigt. Wie kann das denn passieren? Das Problem hatte ich schon mal bei einem anderen Bike gesehen und dachte damals: „Einzelfall, passiert nie wieder.“ Zack – jetzt hat’s mich erwischt.

Glücklicherweise hatten wir erst 13 Kilometer hinter uns. Was nun? Plan A: Bis Amtshainersdorf fahren, dort in den Zug steigen und heimrollen. Plan B: Bis Lichtenhain und hoffen, dass ein Bus kommt. Plan C: Den gleichen Weg langsam zurückradeln. Die Felge hatte noch keine „Acht“, Spannung war noch da. Die restlichen 28 Speichen mussten jetzt zeigen, was sie draufhaben – und zum Glück ging’s nur noch bergab.

Ich hab die losen Teile mit Kabelbindern an die noch festen Speichen gezurrt, das Ganze mit einer ordentlichen Portion Klebeband umwickelt – und dann noch eine Prise Hoffnung dazu. Fertig war die Laube. Ab ins Tal!

Jetzt sitzen wir hier und überlegen, wie’s weitergeht. Fahrradfahren ist erstmal gestorben. Also: Wandern bis der Arzt kommt. Es gibt jetzt nur noch diese eine Richtung. Dann wollen wir mal.

Eure Sandsteinjäger 

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