Der Wetterbericht zeigte für heute bewölkten Himmel und maximal 20°C. Das klang gut für unsere Tour, denn heute ging es auf den Hohen Schneeberg. Katrin hatte heute eine neue Strecke für uns herausgesucht. Anfangs sollte die Route in Decin enden und dann an der Elbe bzw. Labe zurück gehen. Es kam alles anders.
Wir zogen nach Kleingießhübel. Der kleine Ort ist immer eine Art Station. Bis hier hat man schon einige Meter überwunden. Leicht aber fein schlängelt sich die Straße am Krippenbach entlang bevor wir mit dem Bach in den Wald einbiegen. Ab jetzt fahren wir die Forstautobahn bis zum Taubenteich. Diese kleine und kurze Strecke hat es in sich. Die meisten Kurven und Anstiege aus dem letzten Jahr hatten wir vergessen. Es war vielleicht auch besser so, denn sonst hätten wir es uns nach dem gestrigen Tag doch noch überlegt. Stetig ging es bergauf. Katrin schob öfters und ich fuhr neben ihr her. Sitzen war mir lieber als den Bock zu schieben. Es kam auch soweit das ich Katrins Rad den Berg hinauf fuhr und sie mein Bike hinauf schob. Danach war ich ganz schön platt. Der erneute Tausch zu meinem Rad war dann wieder eine Freude. Wie leicht meins doch war. Einfach herrlich. Dafür habe ich gern Geld ausgegeben. Katrin meint jetzt schon, dass sie so was auch haben will, jedoch mit Rücktritt. Na ja.
Der Taubenteich ist wohl „umgekippt“. Es sieht wohl so aus, als wenn dort nichts mehr drin leben möchte. Von zwei Jahren saßen hier noch Entlein drauf und ließen sich füttern. Dies war uns nur ein kurzes Foto wert. Der Fuchsteich, unsere eigentliche kleine Zwischenstation mit Fresspause, war nicht weit von hier entfernt. Wir mussten aber noch gewaltig strampeln, denn es ging mal wieder … , richtig bergauf. Aber wenn es auch mal hoch geht, so geht es auch wieder runter und das ist auch Sinn der Sache.
Mit etwas Müh und wenig Not erreichten wir unser Lager. Ein langer Stopp ließ uns hier verweilen. So konnten wir neue Energie tanken und uns auf den Tag freuen der noch folgen sollte. Unser Ziel war ja noch nicht erreicht - noch lange nicht.
Katrin machte nun von ihrem „Wochenbestimmer“ – Passus Gebrauch und änderte kurzerhand die Route. Anfänglich mit Zwischenstopp über Decin, sollte es nun vom Schneeberg nach Ostrov, dann weiter ins Bilatal, dann nach Rosenthal und über Cunnersdorf, Papstdorf und Kleinhennersdorf zur Liethenmühle zurück. Wir hätten dann gleich essen können und müssten nicht gleich wieder von zu Hause los. „Gute Idee“, meinte ich, während sie mit ihrem Finger über ihre neue Karte wischte und die Wege die für Räder erlaubt waren in ihrem Kopf einscannte. So sollte es dann auch sein. Vorerst fuhren wir dann erstmal auf den Schneeberg. Vom Ort aus waren es 3 Kilometer mit satten 230 Höhenmetern an Steigung. Mit Schieben und fahren machten wir uns an die Arbeit. Ich teilte mir mit Katrin einen Powerriegel, den sie für ekelhaft hielt. Ich fand meinen Fahrstil im Schritttempo und ließ sie dann aber auch stehen. Sie machte hier und da ein paar Fotos und kam ein paar Minuten später nach mir an. Das Plateau erreichten wir an der Dresdner Aussicht. Zwar konnte man heute nicht bis Dresden schauen, doch reichte es für die umliegenden großen Berge. Wir wurden für unsere Anstrengung mit Sonnenstrahlen und um die 25° C belohnt. Nach der letzten Stärkung für die letzte Etappe ging es dann auch weiter zur Schneeberg-Aussicht. Wie beim letzten Mal hatten wir auch hier tollen Blick nach Decin und Jelové. Da wir diesmal nicht die übliche Tour hinunter nahmen, ging es einen Wanderweg zur Südwestseite des Bergs entlang. Unglaublich diese Aussichten. Irgendwann endete der Wanderweg in einen steilen Pfad hinunter. Rechts ging ein Weg ins Nirgendwo. Nicht ausgeschildert. Nur ein matschiger kleiner Pfad der meines Erachtens auf die Hauptstraße führen musste. So war es denn auch. Angekommen waren wir wieder an der Dresdner Aussicht. Eine kleine Rundtour auf dem Schneeberg.
Jetzt ging es aber hinab zum Ort Sneznik, der am Fuß des Berges liegt und dann weiter in Richtung Ostrov. Hier führte nach Karte ein einfacher Radweg in den Ort. Da hatte sich die Katrin aber mächtig geschnitten. Anfangs super, später dann meiner Meinung ein guter Fahrradweg für mich. Action, Steine, Gefälle – alles was man so haben möchte. Dieser war halt nur etwas schlechter ausgebaut. Ich hatte meinen Spaß bis Ostrov hinunter.
Jetzt ging es weiter bis ins Bilatal über den alten Grenzübergang. Der Weg führte nun ins Tal. Wir entspannten uns im sitzen und surften auf dem Schotterweg. Unsere Hintern taten wieder weh.
Der Weg von Bilatal nach Rosenthal ging am Großvaterstuhl vorbei. Wieder erst schieben, dann Pause machen und dann wieder in den nächsten Ort hineinradeln. Endlich waren wir in Rosenthal. Unser Ziel war jetzt nur noch Liethenmühle. Alles andere interessierte jetzt nicht mehr. Zwar hatten wir zwischendurch noch tolle Blickpunkte in die Ferne gehabt, doch Entspannung war nun was anderes. Wer trägt schon gern sein Rad auf einen Berg um Fotos zu machen und dann auf der anderen Seite wieder runter zu fahren? Wir natürlich.
Nach der Rosenthal – Cunnersdorf Strecke waren wir dann endgültig bedient. Die Winterleitenstraße, anfangs gut geteert, war 1876 zum letzten Mal in der Laufbahn geändert und renoviert worden. Man sah und fühlte es. Glücklicherweise mussten wir nun nicht mehr treten. Es ging nur noch hinab über Stock und Stein. Die Füße surrten auf den Pedalen. Es fühlte sich an, als wenn sie langsam einschliefen. Katrin fuhr mittig über den Grünstreifen. Der bremste jedoch aus, so blieb ich immer schön in der Spur und verlangte dem Material alles ab.
Leider mussten wir von Cunnersdorf wieder mal hinauf nach Papstdorf. Der letzte schreckliche Berg vor Kleinhennersdorf und der Liethenmühle empfing uns mit etwas Gegenwind. Das hatten wir jetzt noch gebraucht. Tapfer kämpften wir uns an den Essentisch.
Eure Sandsteinjäger
P.S. Katrin hatte sehr oft ihren Spaß, denn ihr Rad wurde oft beäugt. Sie merkte, dass man bei ihrem Rad vergeblich den Motor suchte.
Heute waren es 57 Kilometer und 870 Höhenmeter.