Dienstag, 14. Juli 2026

Cameron

Eigentlich wollten wir es heute ganz gemütlich angehen lassen. Der Wetterbericht sprach schließlich dafür: Zwischen 9 und 10 Uhr sollte es regnen und gegen 16 Uhr sollten uns schwere Gewitter heimsuchen. Also waren wir auf alles vorbereitet. Regenjacken, Regenhose, wasserdichte Socken, wasserdichte Schlüpfer … und für den absoluten Ernstfall hätten eigentlich nur noch Schwimmflügel, eine Signalpistole und ein Schlauchboot im Rucksack gefehlt. Entsprechend hatten unsere Rucksäcke inzwischen das Gewicht eines ausgewachsenen Maultiers – eine wahre Wohltat für Rücken und Bandscheiben.

Zum Glück sollte es ja nur eine kleine Runde werden.

Mit der Kirnitzschtalbahn ging es zunächst hinauf bis zur Endhaltestelle Wasserfall. Die Bahn war allerdings derart überfüllt, dass man sich fragte, ob ganz Sachsen beschlossen hatte, heute den Kuhstall zu besuchen.
Und wie das nun einmal so ist: Es gibt viele verschiedene Menschen. Niemand ist perfekt. Ich rege mich wahrscheinlich manchmal auch zu schnell auf. Aber wenn Eltern ihre Kinder nicht im Griff haben, die Kleinen lautstark verkünden: „Ich will wieder nach Hause!“, während die Mutter verzweifelt versucht, ihre sechsköpfige Drachenfamilie zu bändigen und der Vater lieber auf sein Handy starrt und sich lautstark darüber aufregt, dass es in diesem „verfluchten Tal“ kein Netz gibt – dann fällt Gelassenheit nicht immer leicht.
Alternativ hätte man sich auch auf die Berliner Wandergruppe vom Stamm der „Schwerhörigen“ konzentrieren können. Die unterhielten sich nämlich quer durch den Wagen in einer Lautstärke, bei der vermutlich selbst der Schaffner am anderen Ende der Strecke jedes Wort verstand. Natürlich in bestem Berliner Dialekt.
Irgendwann blendete ich das alles aus und hörte nur noch das vertraute Schaben der Räder auf den Schienen und das Quietschen der Bahn in den Kurven. Musik in meinen Ohren.

Endlich: Endhaltestelle. Raus aus der Bahn.

Katrin ordnete an, den Umleitungsweg zum Kuhstall zu nehmen. Eine ausgezeichnete Idee, denn so mussten wir den Stadtameisen in Badelatschen nicht ständig in die Hacken treten.

Ab diesem Moment kehrte endlich Ruhe ein. Gemeinsam zogen wir Richtung Südaufstieg und weiter über die Himmelsleiter nach oben.
Katrin marschierte voraus und entdeckte schon von Weitem ein hyperaktives Deutschlandtrikot, das uns entgegenkam. Mit einem deutlichen „Das ist eine Einbahnstraße!“ pfiff sie den jungen Mann zurück. Er wich tatsächlich zurück – mitsamt seiner Familie. Hinter uns schob sich inzwischen eine lange Wandererschlange die Himmelsleiter hinauf. Ein weiterer Versuch, hier bergab zu laufen, wäre vermutlich in einem Dominoeffekt geendet, bei dem unten keiner mehr gewusst hätte, warum er eigentlich liegt.

Der Junge hieß übrigens Cameron [ˈkæmərən].

Ja … Cameron. Und Cameron wollte Spaß.

Es ist mir letztlich völlig egal, wie jemand heißt oder warum Eltern sich für bestimmte Namen entscheiden. Aber irgendwie bleibt einem so ein Name eben im Gedächtnis. Und Cameron wollte Abenteuer.

Während wir oben an einer Eiche die Aussicht genossen, zog die Familie an uns vorbei. Cameron sprang von Fels zu Fels. Irgendjemand mahnte ihn zur Vorsicht. Die Antwort kam prompt:

„Er springt, wo und wann er will.“

Und Cameron will klettern. Na gut.

Zurück auf dem Plateau wollte ich noch einmal zum Schneiderloch. Kurz vorher kommt man an einer Stelle vorbei, an der man um einen Felsen herumgehen kann. Nichts für Menschen mit übertriebenem Sicherheitsbedürfnis.

Genau dort kam diese Familie mit den kleinen Jungs herausgekrochen, zum Schluss der Vater – und plötzlich hörte man nur noch:

„Cameron hat sich verletzt!“

Er hielt sich den Ellenbogen und hatte sichtlich starke Schmerzen. Als ich vom Schneiderloch zurückkam, war sein Ellenbogen bereits mit einem T-Shirt geschient und kunstvoll verknotet. Das Abenteuer war für ihn damit wohl beendet. Morgen würde wohl ein Arzt übernehmen.

Eines musste man der Sache allerdings lassen: Ab diesem Zeitpunkt war die ganze Familie plötzlich erstaunlich leise.

Katrin und ich hingegen hatten uns unser verspätetes Frühstück redlich verdient und kehrten in der Berggaststätte ein. Eine Kleinigkeit zu essen, etwas zu trinken und einfach nur den Blick schweifen lassen – genau so muss eine Wanderpause aussehen.

Danach ging es gemütlich hinunter zur Bahn. Die Rückfahrt durchs Kirnitzschtal verlief deutlich entspannter als die Hinfahrt. Vielleicht waren inzwischen alle müde geredet oder die Berliner Wandergruppe hatte ihre Stimmen verloren. Man weiß es nicht. Dafür wurde es draußen immer wärmer. Diese typische Gewitterluft lag in der Luft. Schwer. Schwül. Irgendwie wartete alles auf den großen Knall.

Nur der blieb aus.

Am Kuhstall hatte es einmal ganz kurz genieselt – mehr war vom angekündigten Weltuntergang nicht übrig geblieben. Stattdessen zeigte sich die Sächsische Schweiz wieder von ihrer schönsten Seite. Wolkiger Himmel, grüne Wälder und einfach nur ein herrlicher Nachmittag.

Zurück im Tal wurde noch schnell eingekauft. Danach schauten wir noch bei Arnold vorbei. Eigentlich stand nur ich auf der Einkaufsliste, doch plötzlich war Katrin der Meinung, dass neue Wanderschuhe vielleicht doch keine schlechte Investition wären. Und siehe da – sie wurde tatsächlich fündig.

Es wurden ein Paar Meindl aus echtem Leder. Das Besondere daran: Jeder Schuh besitzt eine eigene Nummer, über die sich tatsächlich nachvollziehen lässt, von welcher Kuh das Leder stammt. Also gleich nachgesehen.

Und siehe da – die Dame kam aus Michaelaberg bei Schladming.

Da mussten wir beide erst einmal lachen. Ausgerechnet dort waren wir vor einigen Jahren schon einmal im Michaelaberghaus eingekehrt und haben hervorragend gegessen. Wer hätte gedacht, dass sich unsere Wanderwege und die einer österreichischen Kuh Jahre später in einem Schuhgeschäft in Bad Schandau noch einmal kreuzen würden? Vielleicht hat sie damals schon auf der Wiese gestanden, uns beim Essen beobachtet und sich gedacht: "Die beiden sehe ich irgendwann wieder." Dass sie uns später einmal auf Schritt und Tritt begleiten würde, konnte damals allerdings wirklich niemand ahnen.

Zum Abschluss kehrten wir noch bei Franzl ein und ließen den Tag bei einem guten Essen ausklingen. Danach ging es ganz entspannt mit der Fähre nach Hause.

Und was bleibt von heute?

Kein Dauerregen.
Kein Gewitter.
Keine Überschwemmung.
Die wasserdichten Schlüpfer völlig umsonst eingepackt.
Und Cameron hatte Spaß.

Aber dafür wieder ein wunderschöner Tag in der Sächsischen Schweiz.

Und irgendwo dort draußen wird Cameron seinem Ellenbogen inzwischen erklärt haben, dass Felsen leider nicht nachgeben. Während Katrin nun mit einer Kuh aus Michaelaberg unterwegs ist, die offensichtlich beschlossen hat, unsere Wanderungen künftig höchstpersönlich zu begleiten.

Eure Sandsteinjäger 

Montag, 13. Juli 2026

Wandern und Garen

Für heute waren weit über 30 Grad angekündigt. Also genau das Wetter, bei dem vernünftige Menschen den Sonnenschirm aufspannen, den Ventilator auf Stufe "Orkan" stellen und sich höchstens bis zum Kühlschrank bewegen. Aber vernünftig waren wir bekanntlich noch nie.
Interessant ist ja immer wieder, wie unterschiedlich das Wetter hier in den Tälern ausfällt. Im einen Dorf könnte man meinen, man lebt in einem Backofen, zwei Kilometer weiter zieht plötzlich ein Lüftchen durch. Man braucht also manchmal einfach Glück. Heute hatten wir... nennen wir es einmal "Erfahrung".
Da aktuell montags wegen der aktuellen Linienänderungen der Bahn hier sowieso nichts fährt, fiel die Entscheidung leicht: Wandern! Der übliche Verdächtige sollte es werden – der CDF-Weg von Krippen nach Schöna. Eine Tour, die wir schon unzählige Male gelaufen sind und eigentlich fast im Schlaf finden würden.

Kaum traten wir allerdings aus der Haustür, gab der gelbe Stern am Himmel alles, was er im Sortiment hatte. Die ersten Stufen hinauf zum Wanderweg reichten bereits aus, um sich zu fragen, ob man nicht doch besser wieder umdrehen sollte. Zwar lag der Einstieg noch im Schatten, doch der Wald hatte sich in eine angenehm... nein, streichen wir das... in eine leicht schwülwarme Sauna verwandelt.
Und immer dort, wo die Bäume fehlten, knallte die Sonne erbarmungslos auf den Schädel. Man hatte zeitweise das Gefühl, die eigenen Synapsen würden langsam anfangen zu köcheln.
Das Gemeine an solchen Tagen ist ja: Das dicke Ende kommt meistens erst gegen 14, 15 oder 17 Uhr. Man läuft also stundenlang durch den Vorheizmodus, bevor der eigentliche Backvorgang beginnt.
Eigentlich müssten wir heute die einzigen zwei Doofen gewesen sein, die freiwillig mit Rucksack durch die Gegend marschieren. Jeder Mensch mit etwas Grips bleibt bei solchen Temperaturen zuhause, schleppt nicht sein Gepäck auf irgendeinen Aussichtsfelsen, anschließend wieder herunter und freut sich danach auch noch darüber, dass er sein T-Shirt bereits zum dritten Mal wechseln darf.

Dachten wir zumindest.

Zu unserer Überraschung begegneten uns tatsächlich noch einige andere Gestalten, die offensichtlich dieselbe brillante Idee gehabt hatten. Alle sahen mehr oder weniger gleich aus: leicht verzweifelt, gut durchgegart und mit diesem Blick, der fragte: "Warum machen wir das eigentlich?"
Der vor zwei Jahren offiziell eingeweihte CDF-Weg, den wir übrigens schon Anfang der 2000er gelaufen sind – damals mussten wir ihn stellenweise noch selbst freischneiden – beginnt inzwischen langsam wieder der Natur zu gehören. Birken wachsen munter auf den Weg, einige Schilder wurden kreativ beschmiert. Willkommen in der Realität. Mal sehen, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt. Eigentlich ist diese Runde für uns immer ein gemütlicher Einstieg gewesen. Heute fühlte sie sich eher nach einem Survival-Kurs an.

Oberhalb des Aschersteigs tauchte schließlich die Kaiserkrone im dunstigen Sommerlicht auf. Wunderschön anzusehen – allerdings auch wunderschön aufgeheizt.
Am Fuß des Berges legten wir erst einmal eine längere Pause ein. Kleidung trocknen, etwas trinken, philosophieren und überlegen, ob das mit der Kaiserkrone wirklich eine gute Idee sei.
Für Katrin gab es da allerdings keine Diskussion. Das Tagesziel stand fest.

Also Aufmarsch!

Der Anstieg ging erstaunlich flott, doch oben wartete die eigentliche Überraschung. Die Metallgeländer hatten ungefähr die Temperatur einer Herdplatte auf höchster Stufe. Die Treppen strahlten die Hitze förmlich zurück, und wer die Geländer ohne nachzudenken anfasste, wusste sofort wieder, warum Reflexe überlebenswichtig sind.
Oben versuchten wir trotzdem einen Rundblick zu genießen und quetschten uns anschließend unter eine einzelne Kiefer. Dort ging tatsächlich ein kleines Lüftchen. Also... zumindest genug, um sich einzureden, dass es etwas kühler geworden sei.
Beim Abstieg hatte ich eigentlich genug. Mein Plan war klar: Ab ins Dorf und direkt zum Bus.

Katrin hatte allerdings andere Pläne.

Mit bemerkenswerter Überzeugungskraft schaffte sie es, mich noch zum Wolfsberg zu lotsen. Natürlich nicht auf direktem Weg, sondern mit einem schönen Umweg – immerhin größtenteils im Schatten. Also stapften wir weiter bis zum Panoramahotel Wolfsberg.
Die Bedienung war heute etwas gemütlicher unterwegs. Unter normalen Umständen hätte man vielleicht ungeduldig auf die Uhr geschaut. Heute war das eher ein Geschenk. So konnte man langsam wieder herunterfahren, den Puls in normale Bereiche bringen und einfach sitzen bleiben.

Das Essen war wie immer sehr gut, reichlich und erfreulich preiswert.
Nun begann allerdings der spannendste Teil des Tages. Der letzte Bus ab Reinhardtsdorf fuhr um 17:59 Uhr. Den wollten wir auf keinen Fall verpassen. Also marschierten wir zügig zurück Richtung Bushaltestelle, immer mit einem Auge auf die Uhr. Diesmal passte alles perfekt.

Pünktlich stiegen wir in den Bus und ließen uns die letzten Kilometer gemütlich zurück nach Krippen fahren. 
Um 18:10 Uhr standen wir wieder im Ort. Das Thermometer zeigte dort immer noch stolze 29,8 Grad.

Es gibt Tage, an denen fragt man sich ernsthaft, warum man sich das antut.
Und dann gibt es genau diese Tage, über die man später am liebsten erzählt..

Eure Sandsteinjäger 

Sonntag, 12. Juli 2026

Der Herr des Aufzugs

Heute haben wir es tatsächlich etwas ruhiger angehen lassen. Nach dem gestrigen Garteneinsatz wurde erst einmal ausgeschlafen. Anschließend gab es ein ausgiebiges Frühstück – genau so, wie sich das im Urlaub gehört.

Dann stellte sich die große Frage:
Wo soll's heute hingehen?

Nach kurzer Beratung stand der Plan fest: Mit dem Personenaufzug hinauf nach Ostrau und von dort eine schöne Runde über die Ostrauer Scheibe bis zur Hohen Liebe und anschließend hinunter zum Flößersteig.

Kaum waren wir ein paar Schritte auf dem Weg zur Fähre unterwegs, durfte ich allerdings schmunzeln. Vorgestern hatte ich mich ja bereits mit meiner Vergesslichkeit zum Affen gemacht – heute war Katrin an der Reihe.
Plötzlich blieb sie stehen.
„Mein Handy...“
Also wieder zurück.
Kaum war das Handy eingesammelt, kam der nächste Geistesblitz:
„Das heiße Wasser!“
Also nochmals zurück, Wasserkocher an, Thermosflaschen gefüllt und anschließend im Eiltempo wieder hinunter zur Fähre.
Ich musste schon ein wenig grinsen. Geteiltes Leid ist eben halbes Leid.

Mit der Fähre ging es nach Bad Schandau und weiter zum Personenaufzug.

Am Aufzug angekommen, trafen wir auf den Herrn des Aufzugs. Nach seiner Art zu urteilen, war er nicht nur der Wächter, sondern vermutlich auch Hausmeister, Geschäftsführer, Chefingenieur und Mitkonstrukteur in Personalunion. Entsprechend bestimmt erklärte er uns, dass unsere Wochenkarten hier selbstverständlich nicht gültig seien. Es folgte ein ausführlicher Vortrag darüber, wer der Betreiber sei, warum das so wäre und überhaupt...

Wir zwei zückten kurzerhand die Handys, riefen die Tarifinformationen auf und zeigte ihm schwarz auf weiß, dass unsere Wochenkarten sehr wohl auch für den Aufzug gelten.
Mit Katrin ist da nicht zu spaßen. Und die Friedenspfeife hatte Katrin bestimmt nicht dabei.
Der gute Mann wurde plötzlich ganz ruhig, schaute noch einmal durch seine Luke und meinte schließlich:

„Da muss ich mich wohl mal informieren.“
Na bitte.

So konnten wir doch noch unsere – nicht gerade günstigen – Wochenkarten sinnvoll nutzen.
Oben angekommen ging es über die Ostrauer Scheibe in Richtung Hohe Liebe und später hinunter zum Flößersteig.
Heute war die Hitze allerdings eine echte Herausforderung. Es war gar nicht einmal extrem heiß, aber die Luft stand förmlich im Wald. Schon nach kurzer Zeit war uns beiden ins Gesicht geschrieben, wie warm uns inzwischen geworden war.
Zum Glück hatte ich Wechselklamotten dabei.
Man schleppt ja schließlich gern zusätzliches Gewicht durch die Sächsische Schweiz...

Nachdem wir den Garten in Krippen gestern praktisch in einen vorzeigbaren Zustand versetzt hatten, gab es dort heute natürlich nichts mehr zu tun. Also blieb uns nichts anderes übrig, als wieder wie die Bekloppten durch die Sächsische Schweiz zu marschieren. Rauf über die Steine, runter über die Steine und immer in der Hoffnung, dass wenigstens die Bremsen und Mücken heute mal frei haben würden. Pustekuchen – die warteten offenbar schon auf uns.

Es gibt wirklich kaum etwas Schöneres, als bei sommerlichen Temperaturen mit einem 9-Kilo-Rucksack, einer Kamera samt dem größten Teleobjektiv meiner Sammlung und komplett durchgeschwitzten Klamotten durch den Wald zu stapfen. Zwischendurch immer die Hoffnung, dass hinter der nächsten Kurve endlich ein kühles Lüftchen wartet – Fehlanzeige.

Als wäre das noch nicht genug gewesen, mussten wir am Ende der Tour natürlich auch noch der Kirnitzschtalbahn hinterherrennen.
Warum gemütlich zum Bahnhof laufen, wenn man die letzten Reserven auch noch in einen Zielsprint investieren kann?
Geil... einfach geil!
Nach rund 11 Kilometern war dann endgültig Feierabend.

Denkste. Einmal die Straße überquert und schon blieb sie stehen, nein nicht die Zeit, Katrin blieb an einem Sperrmüllhaufen stehen und wühlte darin rum. Aua, nicht schon wieder. Ich saß 20 Meter weiter weg und gehörte nicht dazu und schaute auch nicht hin. Irgendwann kam sie mit einem Lächeln im Gesicht und ihrer Ausbeute. Vom Räuchermännchen bis zum Modellauto.

Jetzt sind die Beine schwer, die Kleidung wieder trocken und wir freuen uns auf einen entspannten Abend.

Mal sehen, was der morgige Tag für uns bereithält. Erfahrungsgemäß endet ein geplanter Erholungstag bei uns ohnehin wieder ganz anders. Aber genau deshalb lieben wir unseren Urlaub.

Eure Sandsteinjäger 

Samstag, 11. Juli 2026

Pausentag oder wie man versehentlich ...

... zum Landschaftsgärtner wird.

Eigentlich war der Plan glasklar: Pausentag! Schließlich war Samstag und wir hatten beide so überhaupt keine Lust, irgendwelche großen Unternehmungen zu starten.
Nun ja... zumindest dachte ich das.
Katrin kam irgendwann auf die Idee, in die Stadt zum Shoppen zu fahren. Ich hätte mich – notgedrungen – wohl geopfert und wäre mitgegangen. Doch dann kam der entscheidende Satz:

„Ich geh auch allein.“
Tja... und damit war der Drops gelutscht.

Also setzte sich Katrin in die Fähre und schipperte davon, während ich es mir gemütlich auf dem Hof machte. Natürlich im Schatten – in der Sonne hätte man vermutlich Spiegeleier auf der Motorhaube braten können.

Während ich also versuchte, mich erfolgreich vom Nichtstun zu erholen, begannen unsere Gastgeber damit, den Garten auf Vordermann zu bringen. Hier wurde ein Busch geschnitten, dort der Rasen getrimmt, überall summten und brummten Maschinen.
Ich hielt es ganze zehn Minuten aus.
Dann bot ich meine Hilfe an. Erst nur ein bisschen... ganz unverbindlich... schließlich wollte ich mich ja nicht überarbeiten.

Denkste!

Plötzlich griff ein Zahnrad ins andere und wir arbeiteten im perfekten Team. Jeder wusste irgendwann, was zu tun war, und der Garten verwandelte sich Stück für Stück in eine Vorzeigeanlage.
Die musikalische Untermalung lieferte dabei Paloma Radio. Gefühlt liefen sämtliche Überlebens-Hits der letzten Jahrzehnte einmal komplett durchs Elbtal. Nach dem zwanzigsten Schlager war klar: Entweder das Radio oder ich...
Inzwischen kehrte auch Katrin erfolgreich von ihrer Shoppingtour zurück. Tasche abgestellt, Handschuhe angezogen und im nächsten Moment hing sie kopfüber im Beet und zog Disteln aus, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Zwischendurch durfte ich mir immer wieder anhören:
„Ach, so sieht das also aus, wenn man im Urlaub mal nichts macht...“

Als Paloma Radio schließlich endgültig an meinen Nerven sägte, griff ich kurzerhand zur Heckenschere. Die Rotbuche schrie förmlich nach einem neuen Haarschnitt. Paloma war nun weit weg und kaum zu hören.

Was soll ich sagen? Ein Meisterwerk des Baumschnittes!

Vorher hatte ich bereits den Fliederbusch geschniegelt und gestriegelt – natürlich mit einer frisch geschärften Schere. Weil das Schärfen so gut funktionierte, bekamen die anderen Gartenscheren gleich ebenfalls eine Wellnessbehandlung. Wenn schon, denn schon.

Irgendwann waren wir dann tatsächlich fertig. Körperlich am Ende, aber ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Also Grill an...
...dumm nur, dass keine Kohle mehr da war.

Also nochmal schnell zum Lidl, neue Säcke geholt und dann konnte der gemütliche Teil endlich beginnen.
Am Ende wurde es ein richtig schöner Abend, der sich bis 1 Uhr nachts zog – mit gutem Essen, netten Gesprächen und dem Gefühl, im Urlaub unfreiwillig den Garten des Jahres gestaltet zu haben.

Und morgen?
Mal sehen... entscheiden wir nach dem Aufstehen.
Im Moment wird Erholung jedenfalls ganz groß geschrieben. Wobei wir inzwischen gelernt haben, dass dieses Wort bei uns offenbar eine sehr kreative Bedeutung hat.

Eure Sandsteinjäger 

Freitag, 10. Juli 2026

Luft wie Kartoffelbrei

Manchmal gibt es Tage, die fangen schon so an, als wollten sie einen auf die Probe stellen.
Katrin war schnell zum Bäcker verschwunden und ich dachte mir, den Rest des Frühstücks bekomme ich schon irgendwie hin. Eier ins kochende Wasser – zack, das erste geplatzt. Kurz darauf das zweite. Das Wasser fing an zu schäumen und wollte den Topf verlassen. Mit der linken Hand versuchte ich, das Ei-Chaos einzudämmen, während ich mit der rechten Wasser in die Kaffeemaschine füllte. Vier Tassen sollten es werden. Blöd nur, dass bereits vier Tassen Wasser darin waren. Gleichzeitig kochte noch das Wasser für unseren Thermobehälter für unterwegs.
In meinem Kopf herrschte ungefähr die gleiche Ordnung wie auf dem Herd. Was erledige ich zuerst? Den Tisch decken? Die Eier retten? Die Kaffeemaschine? Das heiße Wasser?
Eigentlich... gar nichts.
Ich stand einfach da und schaute zu, wie das Wasser durch die geplatzzten Eier immer weiter überschäumte. Die Kaffeemaschine war noch immer kalt, als Katrin in der Tür stand und fragte, was dieser Blödsinn hier eigentlich werden sollte.
In diesem Moment fühlte ich mich wie ein Sechsjähriger am ersten Schultag, der gerade erklären muss, warum er seine Hausaufgaben vergessen hat.
Irgendwie ließ sich das Frühstücksdesaster dann doch noch klären. Die Eier waren zwar nicht mehr schön, aber essbar, der Kaffee wurde heiß und wir konnten schließlich doch noch gemütlich frühstücken.
Als wir endlich losmarschierten, stellte ich nach wenigen Metern fest, dass meine Kamera noch zu Hause lag. Also wieder zurück. Am ersten Anstieg angekommen dann die nächste Erkenntnis: Mein Trinkrucksack fehlte ebenfalls. Also... noch einmal zurück.

Und das alles bei einer Luft, die schon verdächtig nach Kartoffelbrei roch. Noch war es nicht unerträglich heiß, aber jeder Schritt ließ erahnen, was der Tag noch bereithalten würde. Meine Hirnzellen schienen sich wie Strohballen langsam von einer Kopfseite auf die andere zu bewegen, während Katrins Füße bereits beim Anmarsch über den Kellerfels ordentlich Feuer meldeten.
Unser Weg führte uns schließlich in Richtung Kleinhennersdorf. Vorbei ging es am Haus des Kurt-Schlosser-Bergsteigerchores, einem Ort, an dem sich Bergsport und Musik seit Jahrzehnten begegnen. Gleich daneben fiel uns ein Gedenkstein ins Auge: „Deutsche Arbeiter-Kaukasus-Expedition 1932/1982“.
Vor dem Haus des Kurt-Schlosser-Bergsteigerchores blieben wir noch kurz an einem Sandsteinrelief stehen. Es erinnert an die 1. Deutsche Arbeiter-Kaukasus-Expedition von 1932. Damals brachen Dresdner und Münchner Arbeiterbergsteiger zu einer außergewöhnlichen Tour in den Zentral-Kaukasus auf und kehrten mit zahlreichen Erstbesteigungen zurück. Fünfzig Jahre später setzte man ihnen hier ein Denkmal. Unsere heutige Expedition fiel zwar deutlich kleiner aus – sie führte weder über Gletscher noch auf Viertausender, doch nach zwei geplatzten Frühstückseiern, zweimaligem Rückmarsch wegen vergessener Ausrüstung und Temperaturen kurz vor Kartoffelbrei fühlten wir uns zumindest im Geiste schon ein wenig als Expeditionsmannschaft.

Weiter ging es bei stetig steigenden Temperaturen in Richtung Kessel, der uns auf den Kleinhennersdorfer Stein führen sollte. Eigentlich wollten wir oben weiter zum Schusterbänkel und anschließend noch zur Riedelaussicht. Doch Pläne sind eben nur so lange gut, bis die Realität dazwischenfunkt. Wegen der eingeschränkten Passierbarkeit von genau fünfzig Prozent unserer Mannschaft mussten wir die ursprüngliche Route etwas einkürzen.

Am Schusterbänkel gönnten wir uns deshalb erst einmal eine ausgiebige Pause. Bei diesen Temperaturen war jeder Schatten willkommen.
Bevor wir den Rückweg antraten, lockten uns noch die namenlosen Felsen oberhalb der Höhlen. Natürlich mussten wir da hinauf. Von oben wurden wir mit einem herrlichen Blick über die Landschaft belohnt. Besonders schön war der Blick hinüber zur Kleinen Hunskirche, die sich zwischen den Felsen versteckt und immer wieder ein lohnendes Fotomotiv ist.
Langsam neigte sich der Nachmittag dem Ende entgegen. Also machten wir uns auf den Rückweg in Richtung Liethenmühle, wo zunächst einmal die dringend notwendige Nahrungsaufnahme auf dem Programm stand. Nach den vielen kleinen Pannen, der Hitze und den zusätzlichen Kilometern schmeckte das Essen gleich doppelt so gut.

Zu Hause angekommen gab es dann nur noch einen Programmpunkt:
Schuhe aus.
Und den Tag mit einem Grinsen abhaken. Denn rückblickend sind es meistens genau diese chaotischen Touren, an die man sich später am liebsten erinnert.

Eure Sandsteinjäger 

Donnerstag, 9. Juli 2026

Auf Pferdesuche

Heute war mal ein Tag, der ganz nach meinem Geschmack begann – wir konnten tatsächlich ausschlafen! So richtig. Kein Wecker, kein Zeitdruck. Herrlich!
Naja... zumindest so lange, bis Katrin wieder der Meinung war, sämtliche Fenster aufreißen zu müssen. Ich wurde also nicht vom Wecker geweckt, sondern vom gefürchteten Fensterdurchzug. Manche Menschen nennen das "frische Luft". Ich nenne das einen persönlichen Albtraum.
Das kommt nicht von ungefähr. Ich habe seit meiner Kindheit ein ausgewachsenes Durchzugstrauma. Andere stellen sich in den Wind und genießen die Brise – ich bekomme schon beim leisesten Luftzug das Bedürfnis, alle Fenster im Umkreis von drei Kilometern zu schließen. Ich weiß, völlig irrational... aber so ist das eben.

Immerhin durfte ich danach noch ein wenig liegen bleiben. Gegen 10:40 Uhr ging unser Zug Richtung Königstein.
Von dort starteten wir unsere kleine Runde auf den Lilienstein. Ganz klassisch über den Kirchweg zum Nordaufstieg. Der Weg wird zum Schluss ja immer spannender, wenn die Eisenleitern auftauchen. Oben angekommen ging es natürlich erst einmal links herum über sämtliche Aussichtspunkte. Das Wetter war einfach perfekt und die Fernsicht traumhaft.

Unser Ziel war schließlich wieder unser Lieblingsplatz an der Drachenhöhle. Dort wurde dann gnadenlos alles vernichtet, was unsere Rucksäcke hergaben. Brote, Obst, Snacks... nichts überlebte die Mittagspause. Der schönste Nebeneffekt: Die Rucksäcke wurden endlich leichter.

Irgendwann meldete sich bei Katrin dann allerdings ein anderes Bedürfnis...
Direkt an der Gaststätte wäre das Problem eigentlich ganz einfach zu lösen gewesen. Allerdings hing dort ein Schild: Toilette für Nichtgäste: 2,00 €.
Zwei Euro.
Für einmal Pipi.
Ich musste das Schild bestimmt dreimal lesen. Für den Preis hätte ich eigentlich erwartet, dass man anschließend noch ein Handtuch gereicht bekommt, sanfte Klaviermusik läuft und einem jemand zum Abschied einen Gutschein für den nächsten Besuch in die Hand drückt. Vielleicht gibt es dort beheizte Klobrillen aus Gold oder das Toilettenpapier besteht aus Kaschmir. Anders kann ich mir den Preis kaum erklären.

Katrin entschied sich deshalb für die deutlich günstigere Variante: ein lauschiges Plätzchen zwischen Blaubeerbüschen und Tannennadeln. Die Natur verlangt schließlich keinen Eintritt.

Danach ging es bei bestem Wanderwetter wieder hinunter Richtung Königstein.

Unterwegs kamen wir an einer urigen Gaststätte vorbei. Katrin meinte noch: "Die müssen wir uns mal anschauen."
Kaum standen wir dort, wurden wir auch schon angesprochen.
"Habt ihr zufällig zwei Pferde gesehen?"
Äh... bitte was?
Offenbar waren zwei Pferde mit Halfter verschwunden. Wie genau man zwei komplette Pferde verliert, erschloss sich uns zwar nicht so ganz, aber gut. Die Besitzerin – ein junges Mädel, das aussah, als käme sie direkt aus dem Mittelalter – suchte sie überall. Also wurden wir kurzerhand zu ehrenamtlichen Pferdedetektiven befördert.

Von da an hielten wir bei jedem Gebüsch, jeder Wiese und jedem Waldstück Ausschau nach zwei herrenlosen Pferden.
Leider ohne Erfolg.
Bis zur Fähre... nichts.
Auf der Fähre... ebenfalls nichts.
Wir sollten anrufen, falls wir welche entdecken würden.

Später meinte Katrin noch ganz trocken:
"Eigentlich könnten wir auch anrufen und sagen, dass wir bis Bad Schandau gelaufen sind und auch keine Pferde gefunden haben."
Der Gedanke hatte durchaus Charme.

An der Fähre lernte Katrin dann noch eine Rentnerin aus Leipzig kennen. Die Überfahrt nach Krippen dauert gerade einmal zwanzig Minuten.
In diesen zwanzig Minuten schaffte Katrin es allerdings, der netten Dame gefühlt unsere gesamten letzten 26 Jahre zu erzählen. Natürlich inklusive sämtlicher empfehlenswerter Wanderungen, besonders derjenigen, die auch mit etwas weniger Kondition noch gut machbar sind. Schließlich war die Dame auf der Suche nach schönen, aber nicht allzu anstrengenden Touren. Ich wurde nur einmal nach einer Buslinie befragt.

Als wir in Krippen anlegten, war das Gespräch eigentlich noch lange nicht zu Ende.
Katrin hätte die Fähre am liebsten direkt bis Hřensko weiterfahren lassen. Nicht wegen der Landschaft...

...sondern damit sie ihre Wanderberatung in aller Ruhe hätte abschließen können.

Eure Sandsteinjäger 

Mittwoch, 8. Juli 2026

Ausschlafen deluxe, Phoenix-Wald und der St.-Pauli-Zwischenfall

Heute war erst einmal Ausschlafen angesagt. Naja... zumindest eine halbe Stunde länger. Was für ein Luxus! Das hatte allerdings einen ganz einfachen Grund: Wir wollten nicht mit dem völlig überfüllten Bus nach Schmilka fahren. Katrin hatte das anfangs zwar vorgeschlagen, aber nachdem wir gestern gesehen hatten, wie voll das Teil war, entschieden wir uns für die deutlich entspanntere Variante. Also ging es mit der Bahn bis Hirschmühle – ganze acht Minuten Fahrzeit. Länger hätten wir wahrscheinlich gebraucht, um uns über den Bus zu ärgern.

Der Zug war pünktlich (ja, das soll tatsächlich vorkommen) und auch die Fähre nach Schmilka legte erfreulich schnell ab. Gut so, denn auf der Elbe pfiff ein ordentlicher Wind. Während alle anderen geschniegelt und gestriegelt in Jacken dastanden, hatte ich natürlich nur kurze Sachen an. Frisch war gar kein Ausdruck.

In Schmilka bogen wir direkt auf den neuen grenzüberschreitenden Wanderweg Richtung Prebischtor ein. Den ersten Abschnitt kannten wir bereits, doch der neu angelegte Teil führte mitten durch das Gebiet der verheerenden Waldbrände von 2022. Was dort gerade entsteht, ist wirklich beeindruckend. Wie Phoenix aus der Asche wächst langsam ein neuer Wald heran – unzählige Birken schießen aus dem Boden. Gleichzeitig eröffnen sich Aussichten, die es früher hinter dichtem Wald gar nicht gab. Zirkelstein, Kaiserkrone, Zschirnstein und sogar der Schneeberg lagen plötzlich wie auf einem Präsentierteller vor uns. Faszinierend zu sehen, wie sich die Natur ihren Platz Stück für Stück zurückholt.

Je näher wir dem Prebischtor kamen, desto mehr Menschen tauchten auf. Am eigentlichen Wanderwegeingang herrschte schon ordentlich Betrieb und die meisten kamen uns bereits wieder entgegen. Der Weg zog sich allerdings noch ganz schön. Ein langer Sandweg ohne Schatten, ohne Baum, ohne Strauch – einfach immer weiter bergauf. Früher war das deutlich gemütlicher und vor allem wesentlich leerer. Mittlerweile erinnerte mich das Ganze ein wenig an die Bastei. Nur mit dem Unterschied, dass man dort bequem mit dem Auto vorfahren kann. Hier müssen eben alle denselben Weg hoch und wieder runter, weil der Gabrielensteig nach wie vor gesperrt ist.

Irgendwann wechselte der Sandweg in einen Granitweg, der seine besten Tage offensichtlich auch schon hinter sich hatte. Spätestens dort bekamen die Badelatschen-Stadtameisen ernsthafte Schwierigkeiten. Während wir weiter munter bergauf marschierten, wurde hinter uns gestolpert, balanciert und geflucht.

Oben angekommen lugte schließlich zwischen den Menschenmassen auch das Prebischtor hervor. Erst einmal zur Kasse. Knapp fünf Euro pro Nase kostet der Spaß inzwischen. Einige Familien drehten sofort wieder um – bezahlen wollten sie nicht. Nun ja, die Regeln machen andere. Wir gönnten uns dafür erst einmal die Aussicht und vernichteten unsere kompletten Essensvorräte.

Danach standen noch die weiteren Aussichtspunkte auf dem Programm. Vorher musste Katrin allerdings noch das örtliche Katakombenklo besuchen. Ihr Originalkommentar danach: "Die fünfzig Meter hin und zurück habe ich ohne zu atmen geschafft." Der Geruch muss also... nachhaltig gewesen sein.

Und dann passierte es.

Ich hatte mir gerade einen perfekten Fotostandpunkt gesucht, kniete auf dem Boden und konzentrierte mich voll auf das Prebischtor. Plötzlich höre ich neben mir einen Mann sagen: "Ich habe einen St.-Pauli-Aufkleber gesehen."
Ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken, kam von mir nur ein trockenes: "Abreißen!" Er musste lachen. Sie eher nicht.

Sie fragte sogar noch einmal nach und meinte dann ganz empört, so ein Aufkleber sei doch toll. Ich hielt es für klüger, keine weitere Diskussion zu eröffnen, packte wortlos meine Kamera ein und zog mit Katrin weiter. Wenig später liefen die beiden an uns vorbei und ich hörte nur noch den Kommentar: "St.-Pauli-Hasser."

Na gut... wenn sie deswegen den ganzen Abend wach liegt, soll es eben so sein. Sie wusste ja schließlich nicht, wo ich herkomme. Sonst hätte sie vermutlich noch ein größeres Fass aufgemacht.

Anschließend traten wir den Rückweg Richtung Hřensko an. Unten angekommen stand tatsächlich gerade ein Bus bereit. Perfektes Timing! Also rein und mit unseren hervorragenden Tschechischkenntnissen:
"Zweimal Hřensko." "Three Euro."
Katrin legte zwei Euro hin und wollte gerade den dritten zusammensuchen. Der Busfahrer winkte nur lächelnd ab und schickte uns nach hinten.

Na dann... Dankeschön!

Gefühlt 10 Minuten später waren wir schon in Hřensko. Katrin wollte natürlich noch schnell an einem Asiastand stöbern. Im Mittelpunkt stand diesmal ein Vogelhaus. Zwanzig Euro sollte das große kosten. Nach kurzer Begutachtung durfte es aber dort wohnen bleiben.

Von Hřensko liefen wir gemütlich im Stechschritt zurück nach Schmilka und nahmen von dort den Bus nach Bad Schandau. Direkt vor dem "Franz" stiegen wir wieder aus, gönnten uns unser Abendessen und schmiedeten bei Essen und Getränken bereits die Pläne für den nächsten Wandertag.

Unterm Strich standen heute rund 16 Kilometer und knapp 900 Höhenmeter auf der Uhr. Also praktisch ein kleiner Nachmittagsspaziergang. Spaß.

Eure Sandsteinjäger 

Dienstag, 7. Juli 2026

Kurze Brandrunde

Nachdem wir vorgestern bereits fleißig Kilometer gesammelt hatten, durfte heute natürlich der nächste frühe Start nicht fehlen. Urlaub ist schließlich dazu da, möglichst wenig auszuschlafen.

Mit dem Bus ging es zunächst ganz gemütlich ein Stück Richtung Brand. Diese angenehme Phase war allerdings schnell vorbei. Danach warteten die Brandstufen. Alte Bekannte sozusagen. 
Die hatten wir schon Anfang der 2000er einmal bezwungen. An vieles kann ich mich von damals nicht mehr erinnern. Eigentlich nur daran, dass es anstrengend war. Nach heute weiß ich wieder ganz genau, warum diese Erinnerung so nachhaltig geblieben ist.

Ich hatte mir unterwegs vorgenommen, die Stufen zu zählen. Eine hervorragende Idee – zumindest solange man nicht gleichzeitig versucht, den Berg hochzukommen. Irgendwann musste sich mein Gehirn entscheiden: atmen oder zählen. Es entschied sich glücklicherweise fürs Atmen. Mein Endstand lag irgendwo bei 840 Stufen. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Vielleicht habe ich zwischendurch auch zweimal dieselbe Stufe gezählt oder drei komplett vergessen. Unter Sauerstoffmangel wird selbst einfaches Zählen zu einer wissenschaftlichen Herausforderung.

Kurz vor uns kamen Wanderer entgegen. Mit einem Grinsen meinten sie: „Ach, das ist aber eine ganz lustige Ecke mit den vielen Stufen.“
Wir schauten uns an und dachten nur: Wenn ihr wüsstet...
Denn die Herrschaften hatten noch knapp 600 Stufen bergab vor sich. Natürlich wünschten wir ihnen freundlich „Viel Spaß!“. Man muss die Menschen ja motivieren. Oder zumindest so tun.

Unser eigentliches Ziel war heute aber gar nicht die bekannte Brandaussicht. Die kennen wir schließlich schon. Uns zog es diesmal zur Aussicht an der Thümmelgrotte. Dort waren wir tatsächlich noch nie gewesen. Warum eigentlich nicht? Gute Frage. Zusammen mit dem Blick auf die Hafersäcke war das heute ganz klar das Highlight der Tour. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass es selbst nach vielen Wanderjahren in der Sächsischen Schweiz noch Neues zu entdecken gibt.
Der Abstieg führte uns anschließend durch den Schulzengrund und über den Füllhölzelweg hinunter nach Rathen. Unten angekommen wartete die wohlverdiente Belohnung in Form eines Heidelbeereises.

Optisch war das allerdings... speziell.

Es sah aus, als hätte jemand eine Handvoll Schlümpfe frisch durch den Wolf gedreht und anschließend mit einem Hauch Minze verfeinert. Die Farbe war jedenfalls spektakulär. Geschmacklich gab es aber überhaupt nichts zu meckern – ganz im Gegenteil.

Nun lassen wir den Wandertag gemütlich ausklingen. Für heute Abend haben wir einen Tisch im Schlemmereck geplant. Nach gefühlt 840... oder 900... oder vielleicht doch 1.200 Stufen dürfte der Kalorienhaushalt jedenfalls ausreichend vorbereitet sein. Und falls nicht – morgen klingelt der Wecker bestimmt wieder früh.

Nachtrag zum Essen: Der Kalorienhaushalt wurde im Restaurant Franz ordentlich gefüllt. Dort haben wir auch vieles Neues erfahren, wenn es um die alten und neuen Dinge in Schandau geht. Der morgige Tag wurde geplant und wir schauen zufrieden zurück.

Eure Sandsteinjäger 

Montag, 6. Juli 2026

DREI

Regen? Perfekt! Shopping muss schließlich auch mal sein.
Nach dem gestrigen Gewaltmarsch haben wir uns heute mal gegönnt, richtig auszuschlafen. Erst gegen halb zehn krochen wir aus den Federn. So fühlt sich also Urlaub an! Danach wurde ausgiebig gefrühstückt – schließlich braucht der Körper Energie... auch wenn man eigentlich nur durch Geschäfte schlendert.

Draußen regnete es, und der Wetterbericht versprach, dass das auch so bleiben würde. Also beschlossen wir ganz mutig: Heute ist offizieller Erholungstag!

Mit der Fähre ging es von Krippen nach Bad Schandau. Kaum angekommen, begann die wichtigste Aufgabe des Tages: Speisekarten studieren. Man weiß ja nie, wann einen der große Hunger überfällt. Blöd nur, dass gefühlt 80 % der Gaststätten heute Ruhetag hatten. Aber Vorbereitung ist alles! Wir wollten schließlich genau wissen, wo es beim nächsten Mal Schnitzel, Eisbecher oder Riesenkloß gibt. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Danach ging es zu Bergsport Arnold. Kaum durch die Tür, wurden wir schon wieder erkannt. Das kann eigentlich nichts Gutes bedeuten. Und wie immer passierte das Unvermeidliche: Ich musste etwas kaufen. Obwohl ich wirklich... absolut... gar nichts brauchte. Aber irgendetwas findet sich ja immer. Wahrscheinlich verkaufen die dort auch leere Kartons, und ich würde denken: "Den könnte man irgendwann mal brauchen."

Anschließend arbeiteten wir uns gewissenhaft durch sämtliche Läden der Stadt. Und wie das eben so ist – aus jedem Laden musste natürlich irgendetwas mit. Bad Schandau scheint ein seltsames Gravitationsfeld zu besitzen: Geldbeutel werden dort wie von Geisterhand leichter.

Irgendwann meldete sich ein kleiner Hunger. Also Einkehr bei Ida's Café. Dort wartete eine Mangotorte auf uns. Und was soll ich sagen? Die war so lecker, dass sie wahrscheinlich auf Rezept erhältlich sein müsste.

Doch dann kamen wir zum Hollerbusch...

Ein wunderschöner Laden. Wirklich. Aber dann geschah etwas Merkwürdiges.
Ich stellte mich in eine Ecke... und kam nicht mehr weg.
Es war, als würde mich eine unsichtbare Kraft festhalten. Eine Energie. Ein Schwingungsfeld. Vielleicht lag es am Mond. Vielleicht an rückläufigem Merkur. Vielleicht hatte ich auch einfach den Ausgang übersehen.
Rings um mich herum stapelten sich Bücher und Produkte, die mich förmlich anflüsterten:

"Kauf mich... und deine Chakren jubeln!"

"Nimm mich mit... und deine Aura bekommt TÜV!"

"Mit diesem Räucherbündel sprechen deine Zimmerpflanzen wieder mit dir!"

Es gab dort wirklich alles:

Engelkarten für den direkten Draht zur himmlischen Service-Hotline.
Kraftsteine für Liebe, Erfolg, Reichtum, besseren Schlaf und wahrscheinlich auch gegen schiefe Sockenschubladen.
Pendel, mit denen man herausfinden kann, ob man heute lieber Kaffee oder Tee trinken sollte.
Aura-Sprays mit Düften wie "Kosmische Harmonie", "Mondenergie Deluxe" und vermutlich auch "Einhorn nach Sommerregen".
Räucherwerk gegen schlechte Energien... und wahrscheinlich auch gegen nervige Nachbarn.
Klangschalen, die angeblich sämtliche Blockaden lösen. Ich vermute auch hartnäckige Schrauben.
Bücher wie "Heile dein inneres Einhorn in sieben Mondphasen", "Fühle den Schmerz deiner Urgroßtante" oder "Warum dein Kühlschrank traurige Energien ausstrahlt".
Seminare für Chakrenausrichtung, Aura-Reinigung, Ahnenheilung, Engelkontakt, Delfinbewusstsein, energetische Wasserbelebung und vermutlich den Intensivkurs "Fühle den Frauenschmerz des Universums in nur drei Wochenenden."

Ich stand dort wie versteinert.
Nicht weil ich plötzlich erleuchtet war...
...sondern weil ich nicht wusste, ob ich lachen oder gleich laut lachen sollte.
Irgendwo hatte ich das Gefühl, dass mich die Bücher hypnotisieren wollten:

"Nimm mich mit... danach wirst du nie wieder Rückenschmerzen haben."

"Mit mir kannst du 48 Stunden wach bleiben... ganz ohne Kaffee!"

"Lies mich und dein drittes Auge findet endlich den Parkplatz."

Irgendwann konnte ich mich aus diesem energetischen Bann befreien und verließ den Laden – meine Aura leicht verwirrt, mein Geldbeutel aber erstaunlicherweise noch vollständig.

Ein erfolgreicher Erholungstag also. Wenig gelaufen, viel gesehen, viel gelacht und wieder einmal festgestellt:

Shopping kann anstrengender sein als jede Wanderung.

Eure Sandsteinjäger 

Sonntag, 5. Juli 2026

ZWO

Unser zweiter Wandertag zwischen Nieselregen, Nervenkitzel und einer Bremsen-Apokalypse

Der zweite Wandertag begann – wie sollte es auch anders sein – mit dem vertrauten 7:45‑Uhr‑Weckerklingeln. Wir wollten es gemütlich angehen, ohne Stress, ohne Hektik, einfach entspannt Richtung Bus schlendern. Nach einem richtig guten Frühstück (die Grundlage jeder erfolgreichen Expedition) ging es los: Der Bus brachte uns nach Kleingießhübel, dem Startpunkt unserer Tour hinauf zum Zschirnstein.

Das Wetter war als „unbeständig“ angekündigt – ein Wort, das Wanderer entweder nervös macht oder ihnen ein müdes Schulterzucken entlockt. Wir entschieden uns für Letzteres. Ein bisschen Nieselregen am Anfang? Geschenkt. Die Temperaturen waren angenehm, die Laune gut, und der lange Marsch hinauf zur Aussicht über den Forststeig machte uns irgendwann hungrig genug, um die Rucksäcke spürbar leichter zu futtern.

Der Rückweg führte über einen anderen Forststeig, der sich als etwas knüppeliger herausstellte. Und dann kamen sie: drei Radfahrer. Ja, richtig gelesen. Drei Menschen, die offenbar beschlossen hatten, dass Mountainbiken auf diesem Weg eine brillante Idee sei. Ich habe selbst schon viel Blödsinn gemacht, aber das hier war eine neue Kategorie. Vermutlich hatten sie sich verfahren – und am Ende gab es nicht einmal Platz zum Umdrehen. Immerhin lachten sie noch. Humor ist eben auch ein Fortbewegungsmittel.

Während wir weiterliefen, meinte Katrin, dass dieser Stein – der Zschirnstein – irgendwie immer etwas Negatives mitbringe. Irgendeinen Ärger, irgendeinen kleinen Zoff. Bis dahin war alles ruhig. Also musste ja noch was kommen. Und es kam.

Erst eine Kreuzung. Dann noch eine. Dann ein Abzweig. Wir blieben auf der richtigen Spur Richtung Wolfsberg. Und kurz vor dem Zwischenziel begann das Unheil: Erst eine Bremse. Dann mehrere. Dann gefühlt hunderte. Anti‑Brumm? Ein Witz. Unsere Körperwärme schien ein Leuchtfeuer für sämtliche Bremsen des Waldes zu sein.

Und als wäre das nicht genug, fing es plötzlich an zu regnen. Wir dachten kurz: „Gerettet! Endlich lassen die Biester von uns ab!“ Aber nein – die Bremsen blieben, wir wurden nur zusätzlich nass. Die Rucksäcke auch. In diesem Moment schrie Katrin durch den Wald, ich solle endlich meinen Regenschutz überziehen – Schutz gegen Regen und wahrscheinlich auch gegen Bremsen. Aber ich hatte genug damit zu tun, mich selbst vor dieser fliegenden Armee zu retten. Multitasking war keine Option.

Wir wurden immer schneller, ich fühlte mich zunehmend unwohl, und meine lange Hose war plötzlich mein bester Freund. Noch zwei oder drei Kilometer durch den Busch – begleitet von einer summenden, stechenden Armee.

Erst am Eingang des Panoramahotels Wolfsberg ließen sie von uns ab. Wir waren in Sicherheit. Endlich. Kuchen, Eis und Kaffee wurden zu unseren persönlichen Helden. Eine lange Pause, Erholung, Panoramaaussicht – wir hatten es uns verdient.

Weiter ging es nach Reinhardtsdorf, über die Wiese in Richtung Kleine Bastei. Eigentlich hätten wir auf den Bus warten sollen. Aber wir zwei wollten es ja mal wieder wissen und wollten Kilometer schruppen. Ab der Kleinen Bastei wurden die Füße schwerer, Katrins Fußsohlen meldeten sich deutlich. Und dann dieser Abstieg ab der Carolahöhe: Steine, Wurzeln, ausgewaschener Weg, Laub, Äste – ein Parcours, der uns alles abverlangte. Die letzten Meter wurden zur Qual. Das hätten wir uns sparen können.

Doch irgendwann tauchte Krippen im Tal auf. Wir hatten es geschafft. 13,8 Kilometer. Und um 19 Uhr wartete ein Tisch für zwei in der Eiche. Wandertag ZWO: bestanden.

Eure Sandsteinjäger 

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Samstag, 4. Juli 2026

EINS

Bereits um 3.30 Uhr sind wir aus dem Bett gestolpert wie zwei übernächtigte Abenteurer, die sich versehentlich für eine Expedition zum Südpol angemeldet haben. Um 4.00 Uhr saßen wir schon im Auto, noch halb im Traum, aber fest entschlossen, die Welt zu bezwingen. Die Autobahn lag ruhig vor uns und wir hatten eine erstaunlich gute Pace, die uns selbst beeindruckt hat. Natürlich ohne Raserei, denn wir wollten nicht als frühmorgendliche Asphaltrowdys enden. Nach exakt 4 Stunden und 51 Minuten standen wir schließlich in Kritzschwitz am Obstbauernhof, diesem sagenumwobenen Ort, an dem wir früher immer vorbeigefahren sind, als wäre er ein streng bewachtes Geheimprojekt. 
Heute jedoch haben wir ernst gemacht und die Sache gründlich unter die Lupe genommen. Wir haben zu erst unser Proviant vertilgt wie zwei hungrige Waldkobolde und uns dann durch die einheimischen Produkte des Markts gestöbert, vom Apfel bis zum Bier. Dabei fragten wir uns, warum es eigentlich keine Bananen gibt. Vielleicht ist sie hier nicht regional genug oder sie hat einfach Urlaub. 
Danach ging es weiter Richtung Königstein zum Edeka, Vorsicht Schleichwerbung. Dort fühlten wir uns wie zwei Undercover-Agenten, die streng geheime Lebensmittelmissionen erfüllen. Anschließend fuhren wir zum Bahnhof für den Wochenkartenvorverkauf, der sich als erstaunlich kompliziert herausstellte. Fahrscheine werden nämlich nur noch mit festem Anfangsdatum verkauft und Fahrpläne gibt es ausschließlich per QR Code. Und hier beginnt das eigentliche Drama. Dieser QR Code ist offenbar der neue Gott des öffentlichen Nahverkehrs. Ohne Smartphone bist du ab sofort ein Bürger zweiter Klasse, der Busse nur noch vom Hörensagen kennt. Was für ein Blödsinn. Der QR Code entscheidet inzwischen sogar, welche Busse existieren dürfen, denn einige fehlten einfach in der Übersicht, die wir herunterladen wollten. Wenn man die Fahrpläne dann doch findet, werden sie irgendwo auf dem Handy gespeichert, vermutlich in einem dunklen Datenverlies, wo sie leise kichern und darauf warten, nie wieder entdeckt zu werden. Also mussten wir neu scannen. 
Und neu scannen. 
Und neu scannen. 
Immerhin half am Ende die Wanderapp Mapy, denn dort stehen Busse drin. Wir wussten allerdings nicht, ob das alles stimmt oder ob Mapy einfach gute Laune hatte und uns ein paar Fantasiebusse präsentiert hat. Trotzdem ist die Tour für morgen fertig geplant. 
Auch wenn es jetzt ein wenig nieselt und das Wetter durchwachsen sein soll, machen wir das schon. Wir sind schließlich wetterfest wie zwei alte Wanderjacken. Unser Schönheitsschlaf von 15.30 bis 17.00 hat uns wieder in die Kategorie „halbwegs funktionierende Menschen“ katapultiert. 
Kuchen und Kaffee gab es ebenfalls schon in der Unterkunft mit Blick auf die Elbe, wo wir kleine gedankliche Rückschauen der letzten Jahre geteilt haben wie zwei nostalgische Philosophen. Jetzt kommt schon wieder der Hunger und gleich essen wir unser frisch eingekauftes Zeug. 
Danach wollen wir noch einmal raus. Vielleicht stolpern wir über einen weiteren QR Code. Vielleicht über eine Banane. Wer weiß. 
In diesem Sinne: schönen Urlaub ;-).

Eure Sandsteinjäger 

Nachtrag: Als wir dann gestern Abend nochmal los waren, um die Karten zu kaufen, trafen wir weder auf QR-Codes oder irgendwelche Bananen. Statt dessen wurden wir auf dem Bahnhof 30 Jahre zurück versetzt. Irgendwann in das Jahr 1987. Ein Bahnhof in einer Ostdeutschen Provinz, Fahrkartenschalter bereits seit 15:00 Uhr zu. Stille, Leere, Einsamkeit. Woher den Zugfahrschein jetzt nehmen? Also nach der Wende waren wir doch echt verwöhnt worden, überall wurden Automaten aufgebaut und man konnte einen Fahrschein nach Berlin über Bonn und Bentwisch kaufen. Das gibts jetzt nicht mehr. Der Automat war weg. Alles nur noch digital? Ich will Papier und dann abstempeln!!! Und warum steht neben dem Automaten, der nicht mehr da ist, ein Entwerter? Die Digitalisierung in ihrem vollem Lauf - wir sind gespannt ob der Busfahrer heute noch Bargeld annimmt.

Mittwoch, 10. Juni 2026

Zwischen Bikes, Blöcken und ...

Der Frühsommer 2026 fühlt sich an wie eine Zwischenwelt: nicht mehr Winter, noch nicht richtig Sommer, und irgendwo dazwischen jonglieren wir mit Fahrradfahren, Bouldern und der Vorbereitung auf unseren Sommerurlaub.
Und gleichzeitig ist da dieses Gefühl, dass man plant – aber eigentlich keine Ahnung hat, was Wetter, Laune oder Schulter so vorhaben.

Harz: Sonne, Wind und verbrannte Nasen.
 
Bevor es Richtung Sachsen geht, haben wir uns ein paar Tage im Harz gegönnt. Eiskalte Morgen, warme Tage, Wind wie auf einem Hochplateau und Sonne, die uns das Gesicht geröstet hat, als wären wir drei Wochen am Mittelmeer gewesen.
Rund um Wernigerode haben wir viel gesehen, viel gemacht und gut gegessen – und wieder gemerkt, wie schnell draußen alles anders läuft, als man denkt.

Der Dämpfer‑Krimi: Staffel 2
Und als wäre das nicht genug, lief parallel noch mein ganz persönliches Dämpfer‑Drama weiter. Ich hatte den Typen, der meinen Cane Creek reparieren sollte, endlich erreicht. Vor Ostern wollte er ihn fertig haben.
Hat er aber nicht. Also kam der Dämpfer irgendwann im Mai zurück – mit einem „tollen Gruß“ und der Hoffnung, dass jetzt endlich Ruhe ist.
War sie aber nicht.

Nach zwei Fahrten sackte mir der Dämpfer wieder komplett zusammen.
So viel Luft in der Negativkammer, dass das Ding einfach zusammengestaucht blieb – wie ein Luftballon, der falsch herum aufgepustet wurde.
Nochmal anschreiben? Hat nichts gebracht. Funkstille.

Am Ende half nur eins: die KI fragen, was man da macht.

Die Antwort war so simpel wie absurd:
200 psi reinpumpen, den Dämpfer einmal langziehen – und dann zischt es kurz, weil die überschüssige Luft aus der Negativkammer entweicht.  
Danach steht das Ding wieder wie es soll.
Manchmal ist Technik eben keine Raketenwissenschaft, sondern nur ein bisschen Physik und ein bisschen Mut.

Sommerurlaub in Sicht – aber mit Fragezeichen
Jetzt geht’s ans Packen für Sachsen.
Diesmal ohne Bike, weil die Bahn mit Baustellen und Zugausfällen die Touren ins Tschechische unmöglich macht. Also wird’s ein Urlaub auf zwei Beinen statt zwei Rädern.

Ein paar Wanderrouten stehen schon. Und dieses Jahr trauen wir uns auch an Wege, die wir früher eher ignoriert hätten – zu kurz, zu unscheinbar, zu „machen wir irgendwann mal“. Jetzt sehen wir sie mit anderen Augen: entdeckerisch, offen, ohne Druck.

Dazu kommen Touren, die wir letztes Jahr schon gemacht haben und diesmal vielleicht ausbauen, verlängern oder einfach anders erleben wollen.
Manchmal reicht ein anderer Startpunkt oder ein anderer Tag – und schon fühlt sich eine bekannte Strecke komplett neu an.

Fazit: Wir lassen kommen, was kommt. Wetter? Kann alles sein.
Schulter? Hoffentlich gnädig. Katrin? Muss schauen, wie es ihr geht.
Und wir? Wir nehmen’s, wie’s kommt.

Der Sommer 2026 darf uns überraschen. Aber nächstes Jahr kommen die Räder wieder mit!

Eure Sandsteinjäger 

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