Heute früh packten wir erstmal unsere Räder ins Auto und fuhren dann nach Drei-Annen-Hohne. Von Drei-Annen-Hohne bis Schierke war aber ordentlich zu treten. Von dort aus sollte die Tour zum Brocken gehen. Zweigeteilt natürlich, denn Katrin nahm ab Schierke den Zug und ich die Straße zum Brocken. Insofern kann ich wenig über Katrin berichten, nur das sie einen Zug früher als geplant genommen hat und das bezweckt natürlich das sie auch sehr früh schon oben war.
Ich fuhr derweilen die Brockenstraße hinauf. Langsam und immer in einem Tempo. Kleine Ziele hatte ich mir gesteckt und die erreichte ich dann auch planmäßig. Alle 100 Höhenmeter zeigte sich ein Schild am Wegesrand und half mir diese brachiale Tour zu überstehen. Einige Passagen gingen fast waagerecht entlang, andere gingen steil nach oben und forderten alles Erdenkliche. Der Berg wehrte sich gegen meine Bemühungen.
Noch war ich auf der Brockenstraße allein unterwegs. Einen Biker traf ich an einer Brücke. Er pausierte gerade. Ich machte ihm unmissverständlich klar, dass wir uns oben sehen werden. Irgendwie hatte ich aber das Gefühl das er mich noch einholen würde. Ohne Pause zog ich voran, aber irgendwann schmiss auch mein Bock mich ab und bettelte nach einer Pause. Zwei Minuten gab ich meinem Rad sich zu erholen, dann aber musste ich weiter. Ich wollte Katrin ja nicht warten lassen.
Nach vielen Kurven und Steigungen kam ich endlich der letzten Etappe entgegen. Hier trafen sich Pferdewagen und Touris an einer beliebten Stelle, um für viel Geld nach oben kutschiert zu werden. Jedoch kam ich dem Pferdewagen, der mittig die Fahrbahn besetzte, immer näher und ich dachte nur: „wenn du da jetzt vorbeifährst, nicht das die Pferde aufscheuen“.
Der Wagen kam immer näher und ich war gut 2-3 Km/h schneller als er. Wie auf der Autobahn, wenn sich zwei LKW überholen. Alles ging glatt.
Jetzt kam der Punkt an dem die Kräfte spürbar nachließen und der Energiepegel sprunghaft in den Keller ging. Nun musste mein Energie-Gel helfen. Schnell verschlungen und Wasser hinterher, denn der Pferdewagen kam schon wieder in Steinwurfweite. Jetzt befand ich mich aber schon auf der Etappe auf der sich viele Fußgänger tummeln. Also im Schlengellauf und mit einem Schnitt von 5-6 Km/h prügelte ich mich hoch. Ich spürte die Blicke der Fußgänger. „Kippt er gleich“ oder „soll ich schieben“, bis hin zu „alle Achtung“. Alles war mir Recht, sie hatten mich wenigstens bemerkt. Der Getränkevorrat neigte sich dem Ende und ich spürte den eisigen Wind der über die Klippen wehte. Keine Bäume mehr die Schutz boten. Ein Blick nach rechts – Weite, unendliche Weite bis zum Schleier der sich in der Ferne aufmachte. Aber sonst geile Sicht. War das hier etwa das, was mir das Horoskop versprochen hatte? Erstmal Katrin suchen, sie müsste ja seit einer dreiviertel Stunde hier sein. Hoch zum Punkt: Foto machen. Keine Katrin. Dann erblickte ich sie an der Fressbude und fuhr ihr entgegen. Sie hatte noch einen Zug früher erwischt und war also nun kurz etwas über eine Stunde hier auf dem kalten, frostigen und windigen Berg. So sah sie auch aus. Noch ging es mir in meinen nassen Sachen gut. Wir verspeisten eine lauwarme Erbsensuppe mit einer Edeka-Wurst und gingen dann noch mal zum Brockenfelsen. Und wen traf ich da? Der Biker von der Brücke. Er war gerade angekommen und fix und fertig. Ich kam mit ihm ins Gespräch und wir erzählten eine Weile während Katrin eine Runde über die Plattform drehte. Er kam aus Wismar – klein ist die Welt. Schnell noch Fotos für die daheimgebliebenen und dann gings ab in das Tal. Erst Straße und dann fuhr auch Katrin mit mir durch den Wald über Stock und Stein. Ihr war alles plötzlich egal (drecktechnisch gesehen). Jetzt wurde 7 Kilometer lang gerockt was das Zeug hielt. Nur bergab. Hier im Wald konnte man es endlich wieder aushalten und krachen lassen. Sofern die Sonne zu sehen war, wurde es auch mal warm am Körper. Wir sind da oben ganz schön durchgefroren worden. Leider waren wir zu schnell wieder am Auto, denn die Abfahrt war richtig toll. Im Auto war es aber richtig schön warm.
Geile Tour, kurz und steil.
Gruß, die Sandsteinjäger