Der gestrige Tag war komplett bekloppt. Uns hat das Wetter so gefrustet, dass wir keinen neuen Eintrag schreiben brauchten. Gegen abend wollte es leicht aufhören zu regnen und wir zogen unsere Monturen an, um zur Liethenmühle zu fahren. Wir hatten noch nicht einmal das Haus verlassen als der Starkregen wieder begann. Danach probierten wir die "Eiche" aus. Na ja, es war das letzte mal. Heute morgen rissen wir die Augen auf und trauten unseren Augen nicht. Die ganze Nacht musste es geschüttet haben und es regnete wieder. Doch um Punkt 9.55 Uhr (wir wollen das mal hier so festhalten) kam tatsächlich die Sonne raus. Plötzlich stieg die Temperatur auf gute 18°C. Unser Plan von gestern ging also doch noch auf. Als wir mit unseren Sachen fertig waren und alles gepackt hatten, zogen wir gegen Mittag los. Es sollte uns durch das Schrammsteingebiet bis zum Kuhstall führen. Diese Tour war eigentlich immer unsere Einführungstour. Das es diesmal so kommen würde hätten wir nicht gedacht. Es warteten ca. 33 Kilometer auf uns.
Wie immer mussten wir die Straße von Postelwitz nach Ostrau hoch. Der Höhenunterschied den wir überwinden wollten kann ganz schön in die Knochen gehen. Wir beide fuhren jedoch unser Tempo und liessen uns nicht von der Zeit treiben. Diese erste Tour wollten wir ja genießen. Und dann immer wieder diese kurzen knackigen Steigungen. Katrin fiel weit zurück und ich wartete dann am nächsten Punkt auf sie. Nach einer kleinen Pause ging es weiter. An der Kreuzung zur "Wilden Hölle" machten wir dann eine längere Rast. Wandersleute aus Schwaben saßen schon etwas länger dort und wir konnten mitbekommen das sie heute noch zum Kuhstall wollten. Katrin lachte und sprach: "Wer wohl zuerst dort oben ist?" Wir hatten zwar noch den dreifachen Weg vor uns als die Fußgänger, könnten aber trotzdem schneller sein. Irgendwann zogen wir dann los und verabschiedeten uns. Ich wollte schon sagen: "Bis nachher". Das verkniff ich mir aber besser.
Katrin und ich fuhren wieder auf und ab, aber das eine "ab" werde ich so schnell nicht vergessen. Ich fuhr wieder vorran und wusste auch um die Beschaffenheit der Strecke. Starkes Gefälle mit 60-80° Kurven. Dazu kurze Geraden auf denen man besser schon langsamer fährt, um die Kurven satt zu fahren. Ich war etwas zu schnell, aber nur ein bisschen. Meinen Sattel hätte ich vorher doch noch verstellen sollen, aber das half nun nichts mehr. Zu schnell ging es in die Linkskurve. Ich kam immer weiter von der Strecke ab und die Büsche kamen immer dichter. Leichtes Bremsen half nichts mehr. Der Weg war zu lang und die Kurve immer länger. Ich sah dann eine Person den Berg heraufkommen und wollte mich jetzt bloß nicht blamieren. Ich zog straff mit 3"F" an der Bremse und riss das Rad herum. Ich fuhr ja bereits durch den Wegesrand. Erst flog der Splitt durch die Gegend, dann ein bisschen Gras und schwups war ich wieder auf dem Weg. Was ich nun aber erkannte war ein großes Emblem auf dem Ärmel des Wanderers. Oh Scheiße - ein Ranger. Der mahnte mich dann mit eine Handbewegung das ich es doch etwas ruhiger angehen sollte. Ich grüßte freundlich zurück und fuhr den Rest des Berges dann etwas vorsichtiger. Nicht das ich daraus gelernt hatte...
Nach unserer Pause am Wettinplatz wusste ich wieder an der nächsten Abfahrt wie es um die Straße beschaffen war. Gefälle und Art waren mir noch vom letzten Jahr in guter Erinnerung. Also diesmal Sattel tiefer - sehr tief sogar, dann ein bissl an der Bremse gespielt und ab ging es in die Tiefe. Die Schotterpiste war schön gewalzt und ich wurde immer schneller. Ich wurde auch wieder zu schnell. Nach einer Bodenwelle kam ich wieder zu weit an den Wegesrand. Diesmal half auch kein einfaches Verzögern. Einfach die Buscherei fahren und dann mal kurz am Hebel ziehen. Da ging mir aber auch die Muffe. In der nächsten Zeit sollten keine Hügel mehr kommen, daher war ich mit normalem Fahren mit Katrin beschäftigt. Das Highlight sollte ja auch noch kommen: Die Auffahrt zum Kuhstall.
Die Zeit lief und ich quälte mich die ersten steilen Meter. Danach wurde es etwas "besser". Die Strecke hinauf ist öde. Jeder Baum und jede Kurve sehen gleich aus. Man hat kein Gefühl wie weit es noch bis zum Ziel sein könnte. Anhand meiner Zeit vom letzten Jahr mit 15 Minuten konnte ich mir ungefähr vorstellen wo ich bin. Eine Kurve nach der anderen schlängelt sich durch den Wald den Berg hinauf. Nach dem Überholen zweier Wanderer kam die letzte Kurve - nein doch nicht. Doch noch zwei und ich war endlich oben. Berg Heil. 12 Minuten.
7 Minuten nach mir traf Katrin dann ein. Mit ihr hatte ich noch gar nicht gerechnet. Wir vertilgten erstmal unsere restliche Nahrung und machten Späße über Touris. Katrin lachte Tränen. 20 Minuten später kamen dann die Schwaben. Wir hatten schon sehnsüchtig auf die 4 gewartet und wollten deren Blicke sehen. Sie haben uns auch wieder erkannt - natürlich mit großen Blicken.
Und weil wir uns so schön hinauf gequält hatten, durften wir schnell auch wieder runter. Ich brauchte 2 Minuten und Katrin traf kurz nach mir ein.
Jetzt ging es weiter durch das Kirnitzschtal, wo wir noch einige Zerstörungen der Flut vom letzten Jahr gesehen hatten, in Richtung Bad Schandau. Dort genossen wir bei Sonnenschein unsere Eisschokolade und dachten an all die Leute die jetzt leider Arbeiten müssen - oohhhhhhh. Wir habens aber gut.
Weiter zum Fleischer im Ort. Als wir dann in Richtung Rosengasse gingen, schoss mir in den Kopf "TREPPEN". Diese kleine Gasse führte durch ein Haus mit gut 20 Stufen. Ich sagte nichts und Katrin warf mir einen garstigen Blick zu und rief: "Hier fährts du nicht runter". Das kam aber nicht böse, nein, doch mehr befehlend bis strafend. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Katrin hiefte ihren Bock runter. Ich stand vor den Stufen wie ein Skispringen der nur noch auf die Ampel wartet. Sattel runter. Hinter mir reihte sich ein älteres Ehepaar ein. Ich dachte die wollten runter, aber sie schauten nur zu. Toll, endlich Zuschauer, jedoch kein Beifall. Mustergültig schepperte ich die Stufen herunter. Nach 4 Sekunden war alles vorbei und ich freute mich wie ein Schuljunge. Danach ging es wieder über die Brücke nach Krippen zurück. Am Ende waren es dann wegen der Streckenverlängerungen satte 41 Kilometer und 640 Höhenmeter.
Heute abend gehts dann wieder mit dem Bike in die Liethenmühle.
P.S. Vielen Dank an meine Lieblingsschwiegermutter für die Post. Ich Dussel hab nämlich für unsere Tschechien-Touren meinen Ausweis zu Hause liegen lassen.
Viele liebe Grüße
Eure fröhlichen Sandsteinjäger

