Die letzte Nacht in Krippen war genau so, wie man sich den Abschluss von zwei wunderbaren Wochen wünscht. Nachdem wir gestern Abend wieder bis halb zwölf mit unseren Gastgebern und Freunden draußen gesessen hatten, schliefen wir herrlich. Es wurde über das alte Krippen philosophiert, über Geschichten von früher und natürlich über die Flutjahre 2002 und 2013 gesprochen. Vieles kannten wir bereits, manches war völlig neu und wir hingen förmlich an den Lippen. Obwohl die Ereignisse damals alles andere als lustig waren, wurde zwischendurch auch herzlich gelacht. Genau so muss ein Abend sein.
Heute Morgen wachten wir deshalb geschniegelt, geschniegelt... na gut... zumindest ausgeschlafen auf.
Für den letzten Wandertag hatten wir uns noch einmal den Kohlbornstein vorgenommen. Von dort wollten wir Krippen ein letztes Mal von oben betrachten und uns gebührend verabschieden.
Oben angekommen, blieb es dann nicht beim kurzen Abschiedsgruß. Wir saßen lange dort, genossen die Aussicht und verlegten unser kleines Picknick kurzerhand in den Schatten. Der Wind hatte ordentlich zugelegt und die Temperaturen waren endlich wieder wanderfreundlich. Nach den vergangenen Hitzetagen fühlten sich die paar Grad weniger fast schon wie Wellness an.
Der Aufstieg erfolgte über den bekannten Wanderweg. Dabei stellten wir fest, dass sich dieser ganz schön verändert hat. Durch abgestorbene und gefällte Bäume kommt wieder viel Licht in den Wald und das nutzen Farne, Büsche und Birken gnadenlos aus. Die Natur arbeitet offensichtlich mit Hochdruck daran, den Wanderweg wieder einzuziehen. Noch ein, zwei Jahre und man braucht dort keinen Wanderführer mehr, sondern einen Mähdrescher.
Eigentlich wollten wir auf dem Rückweg noch einen alten Pfad ausprobieren. Der Plan war gut... der Weg leider nicht mehr. Beziehungsweise: Der Weg war vermutlich noch irgendwo vorhanden, allerdings unter einer biologisch wertvollen Mischung aus Farnen, Brombeeren und allem, was Dornen hat. Wir beschlossen deshalb einstimmig, den Heldenmut für heute aufzusparen, drehten unterhalb des Kohlbornsteins noch eine schöne Ehrenrunde und nahmen den Aufstiegsweg einfach wieder als Abstieg.
Zurück in Krippen liefen wir noch einmal an den Bahngleisen entlang, vorbei am Gelände von Fruchtimex. Dort wurden zu DDR-Zeiten die Südfrüchte aus Bulgarien, Ungarn und den anderen sonnigen Bruderländern auf Schädlinge kontrolliert. Man munkelt allerdings, dass erstaunlich viele besonders schöne Bananen, Orangen und Mandarinen den strengen Qualitätskontrollen zum Opfer fielen. Sie waren für den Verkauf leider völlig ungeeignet und mussten deshalb selbstverständlich... privat entsorgt werden. Rein aus hygienischen Gründen, versteht sich. Schließlich konnte man den Bürgern der Hauptstadt unmöglich zumuten, solch hochgefährliche Südfrüchte zu essen.
Zurück in unserer Ferienwohnung begann dann die Disziplin, die jedes Urlaubsende einläutet: Packen. Anschließend folgte das traditionelle Kofferraum-Tetris. Erst denkt man: „Das passt niemals.“ Dann wird geschoben, gedrückt, gedreht und geflucht – und plötzlich ist doch alles drin. Einschließlich unseres neuen Freundes, auf den wir jetzt ganz besonders gut aufpassen müssen. Der bekam natürlich einen Ehrenplatz und durfte nicht irgendwo zwischen Wanderschuhen und Schmutzwäsche verschwinden.
Morgen heißt es dann leider Abschied nehmen. Nach zwei herrlichen Wochen geht es wieder nach Hause. Aber eines steht schon heute fest: Nächstes Jahr sind die Sandsteinjäger wieder da! Das Elbsandsteingebirge wird uns also nicht los – und ehrlich gesagt wird es uns nach diesen zwei Wochen auch vermissen, so wie wir es vermissen werden.
Und weil heute unser letzter Abend in Krippen ist, gibt es zum Abschluss noch einmal echtes Elbtal-Leben.
In Postelwitz steigt heute Abend das alljährliche Sommerfest bis in die Nacht heinein. Das bedeutet: Es wird geschunkelt, getanzt, gelacht, gesoffen und selbstverständlich läuft die musikalische Elite der deutschen Schlagerszene in Endlosschleife. Irgendwann denkt man, das Elbtal wird langsam ruhiger. Die Wanderer verschwinden, die Vögel zwitschern, die letzten Autos fahren vorbei... und genau in diesem Moment wünschen sich Ingo und Kati, und Ralf und Anette zum zwanzigsten Mal ihren Lieblingssong.
Also legt IBO noch einmal nach, Wolle Petry darf selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen und irgendwo wird garantiert schon die nächste Polonaise vorbereitet. Wer den DJ bezahlt hat, möchte schließlich auch etwas für sein Geld hören.
Wir sind uns ziemlich sicher, dass morgen früh sämtliche Tiere des Elbtals leicht übernächtigt sind. Biber, Schwarzstorch, Eisvogel und Seeadler sitzen vermutlich mit Watte in den Ohren in ihren Verstecken und beraten, ob man für eine Nacht nicht doch lieber in die Oberlausitz umzieht. Erst wenn Mitte der Woche wieder die Eurofighter ihre Übungsrunden durchs Elbtal drehen, kehrt für sie endlich wieder die gewohnte Ruhe ein... (Achtung: Dieser Absatz enthält Spuren von Sarkasmus!)
Das Schönste an der Sache ist allerdings: Manche der Besucher, die heute Abend ihre Schlagermusik mit gefühlten 180 Dezibel feiern (was uns übrigens überhaupt nicht stört – jeder soll feiern, wie er mag), gehören oft zu den Ersten, die sich beschweren, wenn einmal in der Woche ein Eurofighter durchs Tal donnert. Das Leben schreibt eben die besten Pointen.
In diesem Sinne wünschen die Sandsteinjäger allen Feiernden viel Spaß, allen Tieren starke Nerven und euch eine gute Nacht.
Wir verabschieden uns nun aus einem wunderschönen Urlaub mit vielen neuen Eindrücken, tollen Wanderungen, netten Begegnungen und unvergesslichen Momenten. Danke an unsere Gastgeber für die herzliche Gastfreundschaft und die vielen interessanten Gespräche.
Bis nächstes Jahr, Krippen – die Sandsteinjäger kommen wieder!
Eure Sandsteinjäger