Grenzerfahrungen kennt jeder von Euch. Heute hatten wir nicht nur eine Grenze überschritten, sondern gleich mehrere. Gestern Abend hatten wir uns eine neue Tour herausgesucht, bei der man im Notfall schnell abkürzen kann. In den letzten Jahren waren wir mit dem Zug nach Amtshainersdorf gefahren, um dann zum Weifberg zu kommen. Jetzt sollte es mal anders funktionieren. Es ging über die Elbbrücke und durch Schandau hindurch in Richtung Lichtenhainer Wasserfall. Es geht leicht und stetig bergauf. Katrin gab das Tempo an. Ich merkte ihr bis dato nicht an, dass sie am Ende ist. Die Grenze schien heute schon erreicht worden zu sein, bevor wir unser Ziel erreicht hatten. Wir machten uns Mut und wie schon beschrieben konnten wir abkürzen.
Vom Lichtenhainer Wasserfall geht eine Straße steil bergauf nach Lichtenhain. Den hatten wir schon mal erklommen und wussten daher worauf wir uns eingelassen hatten. Im Schatten der Bäume strampelten wir was das Zeug hielt. Ich schaltete schon auf das kleinste Kettenblatt, doch was war das? Irgendetwas hakte dort. Man sah es erst beim zweiten hinsehen. Es löste sich gerade eine Kettenblattschraube. Oh, und zwei andere fehlten bereits komplett. Schöner Mist. Ich wollte mir das Teil schon komplett abbauen, befestigte sie aber dann gut mit den letzten zwei Schrauben. Die letzten Tage gingen so und so auf das Material. Es hatte genauso wie wir sehr zu leiden.
Bei brütender Hitze erreichten wir dann endlich den Abzweig der uns am Nationalpark vorbei in Richtung Hohe Straße führen sollte. Hier standen nur noch vereinzelnd Bäume als Schattenspender. Viel Flüssigkeit ging hier verloren. Der Weg war nicht einfach, da der Regen die Wege ausgespült hatte und das Wasser noch im Boden steckte. Katrin quälte sich sehr mit ihren schlanken Reifen über die Trasse hinauf zum Panoramaweg. Schließlich erreichten wir wieder ein Stückchen Wald zur Erholung. Entspannend war es aber trotzdem nicht. Die Hitze zog nun auch in die Wälder hinein. Später machten wir dann Halt in einer Hütte und machten unser ersehntes Frühstückspäuschen. Es gab Bratwürstchen und Brötchen. Lecker.
Unser nächstes Ziel lag nur noch 1,5 Kilometer weit weg. Der Grenzübergang nach Tschechien. Gleich dahinter liegt der Ort Tomasov mit der kleinen Kapelle, nicht größer als eine Kleingarage. Vorab fand Katrin noch die ersten Bauteile eines Eichelhähers in guter Ausführung. Die bunten Federn steckte sie sich gleich ein. Na ja, außer den graubraunen Federn war ja eh nichts mehr da. Dann schoben wir in den Ort hinein. Hier war heute viel los. Das kleine Ferienlager war voll belegt. Die Gaststätte war voll. Jetzt hatte der Ort um das 20-fache an Einwohnern zugenommen. Auf dieser Strecke war allemal sehr viel los. Das kannten wir gar nicht. Wir nahmen es eigentlich als Geheimtipp.
Wir verließen die Straße, die nach Mikulasovice führt und bogen wieder in einen Waldweg ein. Dieser Weg führte uns in Richtung Weifberg. Vor ein paar Tagen waren wir hier schon einmal, jedoch kamen wir hier vom Tanzplan und bogen etwas früher zum Wachberg ab. Der Weg war wie jeder gut befestigte Waldweg, etwas matschig aber dennoch gut zu befahren. Katrin drückte ich noch ein paar Bar auf die Reifen drauf. Sie versackte teilweise komplett im feuchten Sand und tat sich sehr schwer. Ich schob sie dann beim Fahren immer wieder an. Wir tauschten dann auch die Räder. Hätte sie die Sitzhöhe einstellen können, wäre sie mir wohl davongefahren.
Der Weg zum Weifberg war sehr ausgespült worden. Der Regen der letzten Tage und Wochen hatte große Steine freigelegt und die seitlichen Gräben zugesetzt. Das Wasser lief also nun den Weg hinunter und nahm bei den Niederschlägen alles lose Geröll mit nach unten. Der Weg war sonst so schön. Jetzt mussten wir beide aufpassen. Ich war schon einige Meter voraus und hatte ein tolles Tempo drauf. Die Steine störten jetzt nicht mehr so, denn ich flog mehr drüber als ich fuhr. Ein Wanderpärchen am Rande sah oder hörte mich schon von weitem. Ein lautes „Hallo“ zeugte von meinem Gruß an die beiden. Katrin meinte später zu mir: „Na die haben vielleicht bescheuert geguckt“. Sie hatte die Zwei auch gegrüßt, es kam aber nichts zurück. Da waren die wieder mal nicht die Einzigen. Es kommt sehr oft vor. Ich meine Rennradfahrer grüße ich auch nicht, aber Wanderer die sowieso im Wald „Vorfahrt“ haben und MTBler mit Helm sind meines Erachtens zu grüßen.
Der spaßige Trail war zu Ende und der Weifberg war in Sicht. Katrin wollte nicht mehr rauf, also würdigten wir ihm nur ein kurzen und liebevollen Blick und fuhren wieder weiter nach Hinterhermsdorf mit kleiner Zwischenpause am Wegesrand. Wir mussten uns stärken, denn nach dem Ort ging es wieder mal steil nach oben. Es waren nur ein paar Hundert Meter zur Buchenparkkapelle. Sie kamen uns vor wie tausend Kilometer. Zur Belohnung holten wir uns einen Eiskaffee, der uns für die nächste tolle Abfahrt nach Hinterdittersbach helfen sollte. Schotterpiste bergab. Das hatten wir schon einmal. Der Weg war geil und lang. Ohne Pause einfach nur rollen lassen. Rollen ist kein Ausdruck – wir flogen in das Tal. Es kamen uns tatsächlich diesen Weg Leute mit dem Rad entgegen. Da müsste mir echt einer fehlen hier hoch zu kutschen. Die Abfahrt kann man doch nur so wie wir genießen.
Schade, schon angekommen im Tal der Kirnitzsch. Ab über die Grenze. Jetzt ging es wieder langsam aber stetig hoch. Es ging gerade noch so. Katrin half ich wieder beim schieben. Und dann, dann kam dieser ekelhafte Hügel vor dem jeder Respekt haben sollte. Schlechte Straße, linke Kurve mit Steigung von ca. 30°, dann wieder Linkskurve mit unterschiedlichen Steigungen, dann rechts links Kombination mit ca. 30° Steigung. Leider stehen dort keine Schilder bezüglich der Steigung, jedoch sind hier trotz meiner Anfeuerungsversuche an eine tschechische Profi-Gruppe nur zwei oben angekommen. Das soll was heißen. Ich selbst hatte es auch geschafft. Der Saft lief mir aus dem Helm und den Hintern runter. Das war wieder mal ne Probe. Jetzt fuhren wir links hoch bis zum Ende des Radweges. Dort befindet sich das Kleine Prebischtor. Das hatten wir ja noch nie gesehen. Schnell „Knips knips“ gemacht und dann ging es mit Volldampf hinab ins Tal. Kurz vor Mezná musste ich Katrin noch mal anschieben, aber dann fuhren wir endlich ohne zu treten nach Hrensko hinein. An der Elbe sah man schon, dass sich wieder ein Unwetter herannahte. Selbst Großflugzeuge machten sichtbar einen Umweg um die großen Gewitterwolken, die sich schon weit im Norden aufgetürmt hatten. Ein Schauspiel wie man es bei uns nicht so sieht. Wir hatten aber noch eines vor. Schnell in die Stadt zum Fahrradfritzen und neue Kettenblattschrauben holen. Jetzt aber in Gold. So sehe ich immer wann eine rausgefallen ist.
Die Fähre wartete nicht auf uns und so hatten wir wieder Eile sie zu bekommen. Mit Wind ging es nach Postelwitz – rauf auf die Fähre und rüber nach Krippen. Es ging sofort weiter zur Liethenmühle hoch. Nochmal 90 Höhenmeter auf die Oberschenkel drücken. Wir konnten nicht mehr. Ich gab für den letzten Rest Katrin mein Rad. Damit schaffte sie es auch nicht mehr. Es war also soweit. Der Kopf wollte noch, aber die Beine waren „zu“. Hatten wir lange nicht.
Mit Vorspeise und Hauptgang waren wir dann gut gefüllt. Das Unwetter zog hier vorbei. Es regnet jetzt ein wenig und ich sitze hier allein und schaue auf die hell erleuchtet Stadt. Heute haben wir tatsächlich 66 Kilometer und zum ersten mal 1000 Höhenmeter bewältigt.
Eure Sandsteinjäger
(fix und fertig)
(fix und fertig)

